Brigitte Scherb und Clemens Große Macke referierten über Landwirtschaft, Zukunft und Streitkultur

„Wenn du Bauer bleiben willst, kämpfe“

Rund um die Landwirtschaft ging es bei einer Veranstaltung der Raiffeisen-Warengenossenschaft Gnarrenburg. Clemens Große Macke und Brigitte Scherb hielten Vorträge.
15.03.2014, 00:00
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Von INGRID MAHNKEN
„Wenn du Bauer bleiben willst, kämpfe“

RWG

Ingrid Mahnken

Rund um die Landwirtschaft ging es bei einer Veranstaltung der Raiffeisen-Warengenossenschaft Gnarrenburg. Clemens Große Macke und Brigitte Scherb hielten Vorträge.

Zu einer Vortragsveranstaltung rund um die Landwirtschaft hatte die Raiffeisen-Warengenossenschaft Gnarrenburg (RWG), seine Mitglieder und Gäste in den Gasthof Ahrens in Kuhstedt eingeladen. Fachvorträge hielten Clemens Große Macke, Abgeordneter im niedersächsischen Landtag, unter der Überschrift „Streiten für den ländlichen Raum – die Landwirtschaft braucht Planungssicherheit“, und Brigitte Scherb, Präsidentin des Deutschen Landfrauenverbandes, die über „Die Zukunft der bäuerlichen Familienbetriebe und Unternehmen“ berichtete.

Brigitte Scherb ist überzeugt, dass die Landwirtschaft etwas für ganz Mutige sei, die die Arbeit nicht scheuen würden. Dennoch bezeichnete sie den landwirtschaftlichen Familienbetrieb als Erfolgsmodell. Die bäuerlichen Familienbetriebe ernährten nicht nur die Welt, sie stünden auch für Optimismus, Risikobereitschaft, Einsatz, regionale Wurzeln und Vernetzung in der Region. Da werde eine große Motivation und unternehmerische Kraft freigesetzt. Da sei aber auch Flexibilität angesichts politischer und marktwirtschaftlicher Einflüsse notwendig.

Als beispielhaft bezeichnete sie die Frauen, die mit Herz, Seele und Motor nicht selten ihre berufliche Karriere gegen Bauernhof und Familie tauschen würden. Doch leider würde diese Leistung in der Öffentlichkeit immer noch unterschätzt. Dabei brächten sie eine hohe ökonomische Leistung ein, die staatlich erfasst werden müsste, so Scherb. Dabei schafften sie den Spagat, Familie, Betrieb und Beruf unter einen Hut zu bringen. Dass sie trotz des hohen Arbeitseinsatzes auch noch ehrenamtlich tätig würden, bezeichnete die Referenten als beispielhaft.

Humorvoller Blick aufs Landleben

Christdemokrat Clemens Große Macke hielt einen mit viel Humor gespickten politischen Vortrag über die Perspektiven des ländlichen Raumes. Der begeisterte Landwirt, dessen Betrieb von seiner Familie auf lediglich 25 Hektar Land zwischenzeitlich mit ökologischer Legehennen-Haltung bewirtschaftet wird, hat sich zum Unternehmensberater und engagierten CDU-Politiker entwickelt.

„Ich habe das nicht gemacht, um mich selbst zu verwirklichen.“ Es sei ein innerer Kampf gewesen, das habe ihn geprägt, sagt Macke, der aus dem Bauch heraus das Landleben früherer Zeiten mit den heutigen Anforderungen verglich. Sein Vergleich: „Wir haben noch mit der Hand gemolken, hatten keine Handschuhe an und was in die Milch fiel, haben wir herausgefischt. Trotzdem war die Qualität besser als heute.“

Gehe es heute um Melkanlagen oder Hühnerschlachtanstalten, so seien viele Menschen geschockt: „Auch Bio-Hühner machen keinen Suizid, sondern werden eben getötet“, fügt er hinzu. Dennoch solle man Vergangenem nicht nachtrauern, sondern den Hof mit Unternehmergeist gut strukturiert in die Zukunft steuern und rechtzeitig an die nächste Generation übergeben.

Dass immer mehr Landwirte ihre Betriebe aufgeben und somit eben immer weniger Landwirte bestimmen, was in der Landwirtschaft passiert, sei ein großes Manko. Seine Zukunftsprognose: „Wer in 20 Jahren unter 900 Kühe auf seiner Scholle stehen hat, wird nicht überleben können.“ Letztlich mache nur Gemeinsamkeit stark, 80 Prozent des Erfolgs seien Psychologie betonte der Cloppenburger Politiker und Landwirt. „Die Stärke in den Dörfern ist das Verbindende, nicht das Trennende.“

Was die Streitkultur anbelange, seien Bürger im ländlichen Raum gefragt, die auch in der Lage seien, mit Streit umzugehen. Sie sollten bereit sein, sich im Gemeinderat, Kreistag oder auch im Landtag für die Heimat mit ihren Menschen einzusetzen. Denn sehr viel hänge von der Landwirtschaft ab.

Ganze Berufsstände, wie zum Beispiel Bäcker, Fleischer-Genossenschaften, Banken, Versicherungen, schlussendlich der Konsument, würden von den Erzeugnissen der Landwirtschaft abhängen. Bürokratie und Bodenerosion seien daher auch zwei seiner Lieblingsthemen. Wenn der Landwirt auch den letzten Quadrat-Zentimeter seiner kleinen Parzelle pflüge, habe das nur den einen Vorteil, dass er bei seiner Arbeit nicht einschlafen würde. Leben könne er davon nicht, zumal die Erzeugnisse im Supermarkt zu Spottpreisen verhökert würden. Sein Fazit: „Wenn du Bauer bleiben willst, dann kämpfe, denn auch der Bauer hat ein Recht auf Wohlstand und Auskommen.“ Dazu gehöre Planungssicherheit und Beweglichkeit der Märkte. Sein Tipp an die anwesenden Landwirte, „Nehmen Sie Experten mit ins Boot, um die Existenz ihres Betriebes zu sichern, engagieren sie sich in den Berufsverbänden und Vereinen.“

Denn, so Clemens Große Macke: „Solange ein Bauer im Vorstand ist, wird nicht schlecht über Landwirtschaft geredet.“ Beharrlichkeit, Aufmerksamkeit und Wachsamkeit, mit Blick auf den eigenen Betrieb, seien geboten, um sich am Markt erfolgreich zu behaupten.

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