Viele Instandsetzungs- und Wartungsarbeiten können abgesetzt werden – Finanzamt regelt Streitfälle Wer renoviert, kann Steuern sparen

Ob neuer Bodenbelag oder ein neuer Anstrich – viele Renovierungs- und Wartungsarbeiten können von der Steuer abgesetzt werden. Die Finanzverwaltung hat die Sparmöglichkeiten jetzt noch einmal präzisiert und ausgeweitet.
24.03.2014, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Olaf Grahl

Ob neuer Bodenbelag oder ein neuer Anstrich – viele Renovierungs- und Wartungsarbeiten können von der Steuer abgesetzt werden. Die Finanzverwaltung hat die Sparmöglichkeiten jetzt noch einmal präzisiert und ausgeweitet.

Haushaltsnahe Dienstleistungen oder Handwerkerleistungen können von der Steuer abgesetzt werden. Doch was zählt dazu, was ist nicht begünstigt? Darüber gibt es immer wieder Streit zwischen Steuerzahlern und dem Finanzamt. Das Bundesfinanzministerium hat jetzt in einem sogenannten Anwendungsschreiben viele bisherige Streitfälle klarer geregelt. Danach sind nun auch Herstellungskosten begünstigt – also auch wenn etwas völlig Neues im Haushalt geschaffen wird, etwa ein Dachausbau oder der Einbau einer Dachgaube, die Vergrößerung der Terrasse oder der Bau eines Wintergartens.

„Bei Handwerkerleistungen spielt es keine Rolle mehr, ob diese nur zur Modernisierung oder auch der Erweiterung des Wohnraums dienen“, sagt Markus Deutsch vom Neuen Verband der Lohnsteuerhilfevereine. Bisher waren nach Ansicht der Finanzverwaltung solche Erweiterungsarbeiten nicht begünstigt. Einer solchen Einschränkung hatte der Bundesfinanzhof jedoch eine Absage erteilt. Dem hat sich jetzt das Bundesfinanzministerium (BMF) angeschlossen und die Finanzämter angewiesen, den Steuerbonus auch auf eine Wohnraumerweiterung zu gewähren. „Neubaumaßnahmen sind allerdings weiter ausgeschlossen, wenn der Steuerpflichtige die Immobilie noch nicht bezogen hat“, schränkt Deutsch ein. Es kann sich deshalb lohnen, bestimmte Arbeiten erst nach dem Einzug erledigen zu lassen.

Neben den Arbeiten in Haus oder Wohnung sind auch Leistungen auf dem Grundstück begünstigt. Dazu zählt etwa die Anlage eines Gartens, das Pflanzen einer Hecke, das Setzen eines Zauns oder der Bau einer Grundstücksmauer. Laut BMF sind nun alle Arbeiten in einem vorhandenen Haushalt steuerbegünstigt. Die Unterscheidung nach Erhaltungs- oder Herstellungsaufwand spielt keine Rolle mehr.

Typische Erhaltungs- und Reparaturaufwendungen wie Malerarbeiten, Austausch von Bodenbelägen, Mauerwerkssanierung, Verputzen von Innen- oder Außenwänden, Austausch von Fenstern und Türen oder Reparatur von Haushaltsgeräten waren ohnehin schon immer begünstigt. Waschmaschine oder Fernseher müssen aber im Haus repariert werden.

Aus Vereinfachungsgründen brauchen Schornsteinfegerleistungen nicht mehr in die Kehrarbeiten und die Mess- und Überprüfungsarbeiten aufgeteilt, sondern können als einheitliche begünstigte Handwerkerleistung berücksichtigt werden. Bisher waren die Messarbeiten und die Feuerstättenschau nicht abzugsfähig.

Bis zu 20 Prozent sind abziehbar

Wer einen Handwerker im eigenen Haushalt beauftragt, kann 20 Prozent der Arbeitskosten, maximal 1200 Euro, direkt von der Einkommensteuer abziehen. Damit sind Handwerkerstunden und Fahrtkosten im Wert bis zu 6000 Euro begünstigt. Das gilt aber nicht für das Material wie Steine, Fenster oder Parkett. Die Zahlungen dürfen nicht bar erfolgen, sondern nur per Überweisung. Der Vorteil liegt darin, dass der Betrag direkt von der Steuerschuld abgezogen wird. Damit richtet sich der Steuervorteil nicht nach dem persönlichen Steuersatz. Denn andere Steuersparmöglichkeiten wie Werbungskosten verringern nur das zu versteuernde Einkommen. In diesem Fall gilt: Je höher der Steuersatz, desto größer der Steuerspareffekt.

Doch nach wie vor gibt es in den Regelungen auch Ausnahmen, bei denen der Steuerbonus versagt wird. Das ist etwa der Fall, wenn für die Arbeiten staatliche Fördermittel wie ein zinsgünstiges Darlehen der KfW-Bank oder direkte Zuschüsse in Anspruch genommen werden. Auch mit den Kosten für die Fäkalienabfuhr, Müllabfuhr oder Gutachtertätigkeiten kann man beim Finanzamt nicht punkten.

Die haushaltsnahen Dienstleistungen bieten noch größere Steuersparmöglichkeiten. Dabei können 20 Prozent der Aufwendungen von bis zu 20 000 Euro jährlich von der Steuerschuld abgezogen werden. Das bringt eine Steuerentlastung von bis zu 4000 Euro im Jahr. Außerdem haben die klassischen Dienstleistungen kaum einen Materialkostenanteil, der steuerlich nicht begünstigt wird.

„Die Tätigkeiten müssen im Haus oder auf dem Grundstück des Auftraggebers stattfinden“, sagt Deutsch. Wird das Kind zur Tagesmutter gebracht, ist das keine haushaltsnahe Dienstleistung. Kommt die Betreuerin dagegen in das Haus, ist der Steuerbonus gerettet. Typische haushaltsnahe Dienstleistungen sind die Gartenpflege, das Fensterputzen oder andere Reinigungsarbeiten. Auch die Betreuung von Hunden oder anderen Haustieren zählt dazu. Umfangreiche Garten- oder Pflasterarbeiten sind dagegen eher den Handwerkerleistungen zuzuordnen.

Kosten einer Haushaltshilfe sind ebenso abziehbar. Handelt es sich dabei aber um einen Minijobber mit einer Vergütung von bis zu 450 Euro im Monat, dann gelten wieder andere Abzugsgrenzen. Begünstigt sind bis zu 2550 Euro, von denen 20 Prozent absetzbar sind, also maximal 510 Euro bei der Beschäftigung von Minijobbern im Haushalt. Sie müssen zudem bei der Minijobzentrale gemeldet sein. Sie zieht auch die pauschalen Abgaben in Höhe von 14,44 Prozent beim Auftraggeber ein.

Auf der Internetseite www.bundesfinanzministerium.de steht unter dem Suchbegriff § 35 das aktuelle Anwendungsschreiben mit vielen Beispielen zum Herunterladen bereit.

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