Vorsorge kann nicht schaden: Berufsunfähigkeitspolice lohnt sich für Azubis

Wichtiger Schutz

Bremen. Fest steht: Während der Ausbildung ist das Einkommen in der Regel noch nicht besonders hoch. Handy, Computer, Auto, die erste kleine Wohnung, da ist die Ausbildungsvergütung schnell weg.
10.05.2014, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Monika Hillemacher

Fest steht: Während der Ausbildung ist das Einkommen in der Regel noch nicht besonders hoch. Handy, Computer, Auto, die erste kleine Wohnung, da ist die Ausbildungsvergütung schnell weg. Für Vorsorge bleibt meist nichts mehr übrig. Das gilt erst recht, wenn es um komplizierte Dinge wie Berufsunfähigkeit (BU) geht. Mögliche Gründe dafür gibt es viele – Allergien, Unfall, Krankheit, psychischer Druck – und die Konsequenz ist gravierend: Schluss mit Ausbildung und eigenem Einkommen.

Trotzdem ist die private BU-Versicherung bei Auszubildenden unpopulär. „Jugendliche können sich schwer vorstellen, so schwer zu erkranken oder einen Unfall zu haben, dass sie berufsunfähig werden“, erklärt Bianca Boss vom Bund der Versicherten (BdV) aus Henstedt-Ulzburg bei Hamburg. Der zweite Grund sind die hohen Kosten. Verbraucherschützer wie Boss halten die Versicherung dennoch für notwendig. Denn seit Abschaffung der staatlichen Berufsunfähigkeitsrente bietet sie die einzige Chance, bei Verlust der eigenen Arbeitskraft den Lebensunterhalt abzusichern.

Die Beiträge hängen wesentlich vom Ausbildungsberuf ab und schwanken erheblich. Ein 17-jähriger Büroazubi, Nichtraucher, Realschulabschluss, zahlt im günstigsten Fall pro Monat um die 12 Euro. Angehende Krankenschwestern, Maler oder Dachdecker müssen mit 70 bis 80 Euro pro Monat deutlich mehr Geld investieren, um sich den Anspruch auf monatlich 1000 Euro BU-Rente zu sichern. „Das Risiko der Gesundheitsgefährdung ist bei Handwerks-berufen am größten, ein Dachdecker wird zum Beispiel in die höchste Stufe 4 eingruppiert“, erläutert der Präsident des Bundesverbands der Versicherungsberater, Stefan Albers.

Die Assekuranzen plädieren für den frühen BU-Abschluss. „Je jünger und gesünder man beim Abschluss ist, desto günstiger ist der Versicherungsschutz“, heißt es beim Gesamtverband der Versicherungswirtschaft in Berlin. Umgekehrt bedeutet das: je älter, desto teurer. Wer bereits unter Gesundheits-störungen leidet, muss mit Zuschlägen oder sogar Ablehnung rechnen. Eine über Versicherungsberater oder -makler gestellte anonyme Risikovoranfrage kann Aufschluss geben.

Um die Kosten am Anfang niedrig zu halten, sollten Azubis auf Einsteigertarife achten. Sie sind meist in den ersten fünf Jahren günstiger, danach steigt der Beitrag. Ähnlich funktionieren Sofortrabatte. Beide Varianten können über die gesamte Vertragslaufzeit gerechnet etwas teurer sein, helfen aber über die finanziell enge Zeit hinweg. Die Tarife bieten Stefan Albers zufolge von Anfang an vollen Versicherungsschutz. Eine weitere Sparoption ist die jährliche Beitragszahlung.

Der Vertrag sollte bis zum Beginn der Altersrente laufen. Weil sich bis dahin vieles verändert, ist vor der Unterschrift ein Blick in die Zukunft sinnvoll. Was passiert bei

Familiengründung, Karrieresprung, Job im Ausland oder bei Selbstständigkeit? Die

sogenannte Nachversicherungsgarantie erlaubt es, den Schutz nach Ende der Ausbildung an das höhere Gehalt und an die Wechselfälle des Lebens anzupassen – und zwar ohne gesundheitliche Nachprüfung. Die Klausel sollte von Anfang im Vertrag stehen.

Bei Azubis, die ins Beamtenverhältnis übernommen werden, sollte der Vertrag eine „Dienstunfähigkeitsklausel“ enthalten, so der BdV. Im schlimmsten Fall könnte die Versicherung sonst die Zahlung verweigern mit dem Argument, dienstunfähig bedeute nicht berufsunfähig. Grundsätzlich wichtig ist der Verzicht auf die „abstrakte Verweisung“. Ist das nicht der Fall, kann der Versicherungsnehmer im Ernstfall möglicherweise angehalten werden, einen anderen Beruf auszuüben. Das führt dazu, dass die Versicherung nicht zahlen muss. Der BdV empfiehlt: Nicht nur aufs Geld gucken, sondern auch auf die Konditionen.

Berufswechsel sind generell

abgedeckt. Auch dann, wenn

jemand im Laufe seines Berufs-

leben eine gefährlichere Tätigkeit übernimmt. „Leistungen richten sich nach der letzten ausgeübten Tätigkeit und dem dort verdienten Geld“, sagt Martin Kinkel, der im Auftrag von Firmen Vorsorge-seminare für Auszubildende anbietet. Eine Dynamik-Klausel für Beitrag und Leistung fängt die Inflation auf, die sonst im Laufe der Jahrzehnte einen Teil der Rente auffressen würde.

Vielfach angebotene Kombinationen zum Beispiel von BU- und Kapitallebensversicherungen sehen Fachleute wie Boss und Albers skeptisch. Ihnen sind die Verträge schlicht zu teuer. Tabu sind für Azubis Abschlüsse gegen Erwerbsunfähigkeit. Sie scheinen billiger, springen aber nur dann ein, wenn jemand überhaupt keiner Beschäftigung mehr nachgehen kann, warnt der BdV.

Weitere Details im Internet:

n Broschüre des BdV:

http://dpaq.de/ObHQQ

n Infos des GDV: http://dpaq.de/Z2w9H

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