Nicht nur mit den Kosten für die Party mit den Kollegen lässt sich mehr aus der Steuererklärung rausholen

Wie das Finanzamt Firmenfeiern anrechnet

Jetzt wird es höchste Zeit für die Steuererklärung. Bis zum 31. Mai müssen die Formulare beim Finanzamt sein. Wer allerdings die Unterstützung durch Experten eines Lohnsteuerhilfevereins oder eines Steuerberaters in Anspruch nimmt, hat bis Jahresende Zeit.
15.05.2017, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Olaf Grahl

Jetzt wird es höchste Zeit für die Steuererklärung. Bis zum 31. Mai müssen die Formulare beim Finanzamt sein. Wer allerdings die Unterstützung durch Experten eines Lohnsteuerhilfevereins oder eines Steuerberaters in Anspruch nimmt, hat bis Jahresende Zeit.

Die meisten sind zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet. Wer nur bei einem Arbeitgeber beschäftigt und ledig ist, muss in der Regel keine Steuererklärung abgeben. Anders sieht das für Verheiratete aus, wenn der Partner nach der Steuerklasse IV mit Faktor V oder VI besteuert wird. Wer außerdem von mehreren Arbeitgebern gleichzeitig Lohn bezieht oder staatliche Leistungen wie Arbeitslosen-, Kurzarbeiter-, Kranken- oder Elterngeld empfängt sowie Einkünfte aus Vermietungen und Renten hat, muss ebenso eine Steuererklärung abgeben. Auch wenn das Finanzamt einen Lohnsteuerfreibetrag gewährte, ist die Abgabe Pflicht.

Im Schnitt lohnt sich auch der Aufwand. Denn die durchschnittliche Rückerstattung liegt bei 900 Euro. Für 2016 fällt die Steuerbelastung ohnehin etwas geringer aus, weil der Grundfreibetrag um180 Euro auf 8652 Euro, für Ehepaare auf 17304 Euro gestiegen ist. Nur das Einkommen, was darüber liegt, wird besteuert.

Fahrt zur Arbeit abrechnen

Viele Arbeitnehmer punkten mit ihrem Weg zur Arbeit. Wenn diese Ausgaben sowie für Arbeitsmittel oder Weiterbildungen mehr als 1000 Euro betragen, lohnt sich die Abrechnung mit dem Finanzamt, sofern man nicht ohnehin zur Steuererklärung verpflichtet ist. Wer täglich zur Arbeit pendelt, kann allein für Fahrtkosten 30 Cent pro Kilometer einfacher Strecke und Arbeitstag absetzen. Wer an 220 Tagen im Jahr mit dem Auto 22 Kilometer ins Büro fährt, der kommt schon auf Fahrtkosten von insgesamt 1452 Euro. Wer mit Bus oder Bahn zur Arbeit fährt, sollte ausrechnen, was mehr bringt: die Pauschale oder die tatsächlichen Kosten. „Die höheren Ausgaben tragen Steuerzahler in ihre Steuererklärung ein“, sagt Uwe Rauhöft, Geschäftsführer beim Bundesverband Lohnsteuerhilfevereine (BVL). Wer per Rad oder öffentlichem Verkehrsmittel zur Arbeit fährt, kann maximal 4500 Euro geltend machen. Autofahrer können mehr abrechnen. Das muss aber mit Tankquittungen oder Tachoständen belegt werden.

„Auch Fortbildungskosten können abgesetzt werden, sofern sie der Arbeitgeber nicht erstattet“, sagt Marie Christin Rinke von der Kanzlei Möhrle Happ Luther. „Typische Fortbildungskosten, die zu den Werbungskosten gehören, sind Aufwendungen zur Weiterbildung in einem bereits erlernten Beruf, Kosten für Umschulungen oder ein Zweitstudium, wenn diese in Zusammenhang zu späteren Einnahmen aus der beruflichen Tätigkeit stehen.“ Neben Kursgebühren und Aufwendungen für Fachliteratur können auch Fahrtkosten und Verpflegungsmehraufwand als Werbungskosten berücksichtigt werden.

Das Finanzamt muss Ausgaben, die überwiegend der beruflichen Tätigkeit dienen, als Werbungskosten anerkennen. Neu ist, dass dazu auch die Feier zu einem Geburtstag oder Dienstjubiläum gehört, sofern dazu die gesamte Abteilung eingeladen wird. Auch private Gäste können eingeladen werden, ohne dass das die Anrechenbarkeit schmälert, entschieden die Richter des Bundesfinanzhofs (Az. VI R 46/14). Es können nur Bewirtungskosten für die beruflichen Gäste anteilig steuerlich geltend gemacht werden. Wer nur ausgewählte Kollegen einlädt, vergibt diesen Steuervorteil. Weitere Werbungskosten: Beiträge zu Gewerkschaften oder auch Bewerbungskosten – egal, ob die Bewerbung erfolgreich war. Reparaturkosten für das Auto gehen nur, wenn der Unfall auf einer beruflichen Fahrt passiert ist. Auch Büromaterialien oder Fachbücher können als Werbungskosten geltend gemacht werden.

Auch Handwerkerkosten absetzbar

Der neue Laptop zählt ebenso dazu, wenn er mindestens zu 90 Prozent beruflich genutzt wird. Liegt der Anteil darunter, können 50 Prozent der Kosten angesetzt werden. Lag der Preis unter 487,90 Euro, können die Kosten sofort abgesetzt werden, sonst müssen sie auf mehrere Jahre gestreckt werden. Auch Dienstleistungen von Handwerkern verringern die Steuerlast. „Anerkannt werden 20 Prozent der Arbeitskosten, maximal 1200 Euro pro Jahr“, sagt Expertin Rinke. „Die Rechnungen dürfen nicht bar beglichen werden.“ Wer einen Minijobber im Haushalt beschäftigt, kann 20 Prozent der Kosten, maximal 510 Euro, absetzen. Von haushaltsnahen Dienstleistungen wie Gärtnerarbeiten können 20 Prozent, maximal 4000 Euro pro Jahr, angesetzt werden. Eltern können Kinderbetreuungskosten geltend machen. „Zwei Drittel, maximal 4000 Euro, werden anerkannt“, sagt Rinke. Auch mit der staatlich geförderten Altersvorsorge können Steuern gespart werden. Riester-Beiträge sind bis 2100 Euro (Verheiratete 4200 Euro) als Sonderausgaben in der Anlage AV der Steuererklärung absetzbar. Dabei prüft das Finanzamt automatisch, ob die Steuerersparnis höher als die Zulagen ist.

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