Wie Experten Öko-Strom künftig billiger machen wollen

Berlin. Ein wichtiges Beratergremium der Bundesregierung fordert einen Ausstieg aus dem milliardenschweren Fördersystem für erneuerbare Energien. Die Monopolkommission legte gestern in Berlin Vorschläge für ein Quotenmodell nach schwedischem Vorbild vor.
06.09.2013, 00:00
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Wie Experten Öko-Strom künftig billiger machen wollen
Von Norbert Holst
Wie Experten Öko-Strom künftig billiger machen wollen

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Ein wichtiges Beratergremium der Bundesregierung fordert einen Ausstieg aus dem milliardenschweren Fördersystem für erneuerbare Energien. Die Monopolkommission legte gestern in Berlin Vorschläge für ein Quotenmodell nach schwedischem Vorbild vor. Demnach gäbe es nicht wie bisher unbegrenzt für Solar- und Windstrom auf 20 Jahre garantierte Vergütungen für jede Kilowattstunde. Sondern Versorger müssten eine bestimmte Ökostromquote in ihrem Angebot erfüllen: Wind- und Solarparks und Biogasanlagen müssten darum buhlen, wer das beste Angebot macht. Da Wind an Land derzeit am günstigsten ist, würde sich der Ausbau wohl hierauf konzentrieren.

Per Ökostrom-Umlage zahlen die Bürger derzeit die Förderkosten über den Strompreis. Für 2014 wird ein Anstieg dieses Kostenblocks pro Durchschnittshaushalt (3500 Kilowattstunden Verbrauch) von 185 Euro auf 225 Euro im Jahr erwartet. Bisher ist nur die FDP für einen solchen Systemwechsel – daher sind die Chancen auf eine Umsetzung gering, zumal das rot-rot-grüne Lager den Bundesrat dominiert.

Grünstromproduzenten würden Zertifikate erhalten, die auch separat verkauft werden könnten. Die Versorger müssten mit erworbenen Zertifikaten nachweisen, dass sie ihre Quote erfüllt haben. Schon 2011 hatte das Beratergremium von Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) ein solches Modell gefordert. Die neuen Vorschläge liegen nah an Ideen im FDP-Wahlprogramm. Aber sie sind umstritten.

Zum einen gilt für alle bisher installierten Biogasanlagen, Solar- und Windparks Bestandsschutz – die über den Marktpreisen liegenden Vergütungen müssen auf 20 Jahre bezahlt werden. Somit bleibt ein enormer „Altlasten-Block“ bestehen, die Förderkosten betragen derzeit 20 Milliarden Euro im Jahr. Dies bedeutet, dass ein rascher Ausstieg aus dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) kaum möglich ist. Derzeit liegt der Ökostromanteil bei 25 Prozent, 2020 sollen es sogar 35 Prozent sein. Wegen der hohen Strompreise wächst der Druck für Reformen.

Jeder vierte Industriebetrieb denkt laut einer DIHK-Umfrage auch wegen steigender Strompreise über die Verlagerung von Produktion ins Ausland nach. Das geht aus Zahlen des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) hervor, der 2400 Firmen befragte.

Rösler lobte den Vorschlag: „Energie muss bezahlbar bleiben.“ Das EEG sei der Hauptkostentreiber beim Strompreis. „Wir brauchen unmittelbar nach der Bundestagswahl einen grundlegenden Systemwechsel“, forderte Rösler. Umweltminister Peter Altmaier (CDU) sprach von einem „interessanten“ Vorschlag. Ziel müsse sein, die Erzeugung erneuerbarer Energien günstiger zu machen und den maßvollen Ausbau aller erneuerbarer Energieformen nicht zu gefährden.

Die Grünen kritisierten: „Es bleibt ein

fader Beigeschmack, wenn eine Behörde zwei Wochen vor der Bundestagswahl

FDP-Forderungen um eine Abschaffung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes unterstützt“, meinte Energieexperte Hans-Josef Fell. Da die Konzerne sich aussuchen könnten, woher sie ihren Strom beziehen, würde die Energiewende beim Quotenmodell nicht mehr von den Bürgern getragen.

Die Energieökonomin Claudia Kemfert beurteilt den Vorschlag skeptisch: „Solche Quoten bringen große Unsicherheiten in den Markt, Investoren werden abgeschreckt.“ Das Modell könne den Strom sogar teurer machen, sagt die Expertin vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung. Erfahrungen in Großbritannien hätten gezeigt, dass erst nach Einführung hoher Strafzahlungen investiert worden sei, in erster Linie in Offshore-Windanlagen, zu deutlich höheren Kosten als in Deutschland. Eine bessere Alternative sei es, „das EEG so anzupassen, dass die Energiewende gut funktioniert“. Laut Kemfert könnte der Strompreis heute schon stabil bleiben, wenn etwa der niedrige Börsenpreis an die Verbraucher weitergegeben würde. „Öko-Energien werden als Sündenbock für steigende Strompreise stigmatisiert“, meint die Wissenschaftlerin.

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