Belgien Zerschlagung des Finanzkonzerns Dexia rückt näher

Paris/Brüssel. Der belgisch-französische Finanzkonzern Dexia taumelt dem Ende entgegen. Der Aktienhandel wurde am Donnerstag vorläufig ausgesetzt. Über den Verkauf einer Tochter laufen bereits exklusive Verhandlungen.
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Paris/Brüssel. Der belgisch-französische Finanzkonzern Dexia taumelt dem Ende entgegen. Der Aktienhandel wurde am Donnerstag vorläufig ausgesetzt. Über den Verkauf einer Tochter laufen bereits exklusive Verhandlungen.

Die im Zuge der europäischen Schuldenkrise in Schieflage geratene Gruppe kündigte am Donnerstag exklusive Verhandlungen über den Verkauf der Tochter Dexia Banque Internationale (BIL) in Luxemburg an: Eine internationale Investorengruppe habe Interesse, teilte das Finanzinstitut mit.

Unterdessen wurden die Aktien des Konzerns nach einem weiteren heftigen Kurssturz vom Handel in Paris und Brüssel ausgesetzt. Als offizielle Begründung nannte die belgische Finanzmarktaufsicht FSMA die Verkaufsverhandlungen für die BIL und bevorstehende Krisentreffen über die Zukunft der Gruppe. Die Papiere der Bank mit rund 35 000 Mitarbeitern hatten zuletzt bei 0,85 Euro notiert - 17 Prozent weniger als am Vortag. In den vergangenen zwölf Monaten verlor der Konzern damit mehr als 70 Prozent seines Börsenwerts. Die Aktien sollen laut Dexia auch an diesem Freitag nicht gehandelt werden. Am Samstag werde der Verwaltungsrat zusammenkommen.

Gerüchte über eine bevorstehende Verstaatlichung von Teilen des Finanzinstituts hatten sich am Donnerstagvormittag gemehrt. Die belgischen Nachrichtenagentur Belga erfuhr aus einer Regierungssitzung in Brüssel, dass der belgische Teil, die Dexia Banque Belgique, nationalisiert werden dürfte. Daneben solle eine "Bad Bank" für Risikopapiere eingerichtet werden, die mit Staatsgarantien aus Frankreich und Belgien abgesichert wird.

Belgiens Premierminister Yves Leterme wollte sich am Donnerstag nicht konkret zu Verstaatlichungsgerüchten äußern. "Wir schließen keine Hypothese aus", sagte er dem französischen Sender RTL. Dexia sei für Belgien systemrelavant. Nach Angaben der französischen Regierung könnten die französische Staatsbank CDC und die Postbank das Kommunalfinanzierungsgeschäft von Dexia übernehmen.

Die Gruppe hat vor allem Liquiditätsprobleme. Weil die Bank problematische Wertpapiere für 95 Milliarden Euro hält, hat sie an den misstrauischen Finanzmärkten Schwierigkeiten, sich frisches Kapital zu besorgen.

Bei den Interessenten für die Banque Internationale in Luxemburg soll es sich nach belgischen Medienberichten um den Staatsfonds des Wüstenstaats Katar handeln. Als möglicher Verkaufspreis wurde die Summe von 900 Millionen Euro genannt. (dpa)

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