Berufsbildende Schulen bieten Zusatzqualifikation an

Zertifikate für künftige Kaufleute

Lebenslanges Lernen scheint in Anbetracht des immer weiter Fahrt aufnehmenden Fortschritts unumgänglich zu sein. Das startet mit der Schule und geht nach der Ausbildung im Beruf über Weiterbildungen weiter. Aber Fortbildung schon während der Schulzeit – das ist neu. Die Berufsbildenden Schulen des Landkreises Diepholz machen es vor.
19.01.2014, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Zertifikate für künftige Kaufleute
Von Micha Bustian

Lebenslanges Lernen scheint in Anbetracht des immer weiter Fahrt aufnehmenden Fortschritts unumgänglich zu sein. Das startet mit der Schule und geht nach der Ausbildung im Beruf über Weiterbildungen weiter. Aber Fortbildung schon während der Schulzeit – das ist neu. Die Berufsbildenden Schulen des Landkreises Diepholz machen es vor.

Franziska Bock hat ihren Abschluss noch nicht gemacht, da hat sie schon einen Abschluss in der Tasche. Geht nicht? Geht doch. Die Berufsbildenden Schulen (BBS) des Landkreises Diepholz mit Sitz in Syke haben das möglich gemacht. Dort haben sich 16 angehende Europa-Kaufleute neben dem Unterricht weitergebildet. Jetzt erhielten sie vier Bescheinigungen: das Zertifikat der Kultusministerkonferenz für Englisch, einen Abschluss in einer zweiten Fremdsprache, in International Business Processes der Industrie- und Handelskammer (IHK) und den europäischen Computerführerschein. Garniert wurde das Paket mit einem mehrwöchigen Lernaufenthalt in einem europäischen Ausland. Franziska Bock hat diese Qualifikation als Jahrgangsbeste abgeschlossen, mit 93 Prozent und der Note „Sehr Gut“.

„Ich erhoffe mir dadurch Vorteile gegenüber Mitbewerbern“, begründet die Europa-Kauffrau in spe ihre Entscheidung pro Weiterbildung, die sie bereits „am Abend der Informationsveranstaltung“ traf. „Ich konnte keine Nachteile erkennen. Und der Mehraufwand war erträglich, weil viel parallel zum Unterricht lief.“ Die zweite Einser-Absolventin Mareike Rieckers (Straschu Elektro-Vertrieb Stuhr) sprach sogar von einer Zeitersparnis: „Sonst hätte ich das später während meiner Arbeitszeit machen müssen.“

Zusatzqualifikation neben der Schule, Internationalisierung bereits in der Ausbildung – ein Zukunftsmodell? Für Constantin von Kuczkowski auf jeden Fall. „Ich halte das für gut und wichtig“, sagte der Syker Geschäftsstellenleiter der IHK. „Der Welthandel agiert 24 Stunden täglich, da sind die Auslandsmärkte umso wichtiger. Wir müssen uns diesen Gegebenheiten stellen, und da kann ein Auslandspraktikum nur ein erster Schritt sein.“ Susanne Lindemann-Breuker, Teamleitung Spedition an den BBS, ist der gleichen Meinung. „Die Grenzen verschwimmen in Europa. Es gibt kein In- und kein Ausland mehr, es wird immer mehr eine Welt. Da wird es immer wichtiger, frühzeitig internationale Kompetenzen zu erlangen“, ließ sie wissen. „Je früher, umso besser.“ Es sei in dieser Zeit wichtig, nicht hinterherzuhängen.

Rund 360 Unterrichtsstunden haben die zukünftigen Europa-Kaufleute laut Angaben von BBS-Schulleiter Horst Burghardt in ihre Weiterbildung investiert, „häufig an Samstagen“. Das bedeutete auch für die betreuenden Pädagogen Mehraufwand. Silke Hillermann, Leiterin des Europateams an der Europaschule BBS: „Das wurde alles von uns koordiniert, viele Dinge liefen zusätzlich zum Unterricht an Samstagen. Das war schon mit großem persönlichen Engagement verbunden.“

Diese Zusatzqualifikation für Europa-Kaufleute sei ein Modell der IHK Hannover, berichtete BBS-Direktor Horst Burghardt, das gebe es landesweit nur an drei, vier Schulen, „an einigen wenigen anderen Standorten“. Für eine Europaschule wie die BBS passe es natürlich gut. Und die Kultusministerkonferenz gebe genau vor, was gelehrt werden muss.

Wichtig ist für alle Beteiligten auch, dass die Betriebe mitziehen. Drei der fünf Module der Weiterbildung seien kostenpflichtig gewesen, erinnerte sich Silke Hillermann. Da habe es natürlich Fördergelder gegeben, aber auch die Unternehmen hätten ihren Teil beigetragen. „Meine Firma hat mir diese Weiterbildung nahegelegt“, berichtete Franziska Bock, die bei der Diesel Technic AG in Kirchdorf ihre Ausbildung macht. „Ich denke, dass so etwas in Zukunft mehr angeboten wird.“ Bei ersten Prüfungen habe ihr die Weiterbildung bereits geholfen, „und ich bewege mich jetzt auf jeden Fall sicherer auf internationalem Parkett“.

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