Wie Sparer trotz niedriger Rendite bei heimischen Banken profitieren können Zinsen aus dem Ausland

Bremen. Mit niedrigen Sparzinsen werden sich die Anleger auch im neuen Jahr abfinden müssen. „Die Zinsen im Anlagezeitraum von bis zu zwölf Monaten werden im ersten Halbjahr unter Druck bleiben, also eher noch weiter sinken“, sagt Max Herbst von der FMH-Finanzberatung, die Bankkonditionen für Verbraucher vergleicht.
11.01.2016, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Olaf Grahl

Mit niedrigen Sparzinsen werden sich die Anleger auch im neuen Jahr abfinden müssen. „Die Zinsen im Anlagezeitraum von bis zu zwölf Monaten werden im ersten Halbjahr unter Druck bleiben, also eher noch weiter sinken“, sagt Max Herbst von der FMH-Finanzberatung, die Bankkonditionen für Verbraucher vergleicht. Schon jetzt bewegen sich viele Konditionen der Geldinstitute nahe der Null-Prozent-Marke. 55 von 800 Banken verzinsen das Tagesgeldkonto überhaupt nicht mehr, ermittelte das Vergleichsportal Verivox. Auch wer sein Geld für einen längeren Zeitraum fest anlegt, kann nicht mit besseren Konditionen rechnen. Für zweijähriges Festgeld gibt es bei der Deutschen Bank noch 0,05 Prozent Zinsen.

Ursache für die historisch niedrigen Konditionen ist die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Die Banken müssen bei der EZB Strafzinsen in Höhe von 0,3 Prozent bezahlen, wenn sie dort Einlagen parken, bekommen also weniger Geld zurück, als sie angelegt haben. Auch das Programm der Notenbank zum Aufkauf von Staatsanleihen wurde bis Ende März 2017 verlängert. Das alles sind Faktoren, die nicht für steigende Zinsen sprechen.

Das ist fatal, denn 81 Prozent der Deutschen favorisieren auch 2016 als Anlageprodukte das Sparkonto, das Tagesgeld und das Festgeld, wie eine Umfrage des Bundesverbandes deutscher Banken zeigt. „Die Anleger entscheiden sich überwiegend für konservative und risikoarme Anlageprodukte, die in der aktuellen Niedrigzinsphase wenig bis gar keine Rendite bringen“, sagt Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer des Bankenverbandes.

Dennoch gibt es noch Zinsangebote bei Spezialbanken, die deutlich höher liegen als bei der Hausbank. Außerdem drängen immer mehr ausländische Banken auf den deutschen Markt, die über die Internetplattformen Savedo und Weltsparen vermittelt werden. So bietet Weltsparen inzwischen Festgeldangebote von zwölf europäischen Banken an. Bisher wurden 700 Millionen Euro Festgelder vermittelt.

Beim Tagesgeld gibt es viele deutsche Banken wie die Volkswagen Bank oder die ING Diba, die mit einem hohen Anfangszins von bis zu 1,25 Prozent für drei oder vier Monate locken. Danach sinken die Konditionen allerdings deutlich.

Wer schon absehen kann, dass er sein Geld für einen längeren Zeitraum parken will, setzt lieber auf Banken, die ihre Konditionen uneingeschränkt Neu- und Bestandskunden anbieten. Dazu gehören die niederländischen Banken Mone-You und Rabo Direct. Vom hohen Anfangszins sollte sich keiner blenden lassen. Denn wer 10 000 Euro bei der ING Diba für zwölf Monate anlegt, hat einen Zinsertrag von 67 Euro. Beim niederländischen Konkurrenten Mone-You sind es dagegen 95 Euro – jeweils konstante Zinsen unterstellt. Eine leichte Zinsbewegung nach oben kann es im Verlauf des Jahres geben, wenn die EZB den negativen Einlagezins für die Banken reduzieren sollte, erwarten Experten. Bei Festgeldanlagen raten sie zu einem Anlagezeitraum von zwei bis drei Jahren. Angesichts der niedrigen Zinsen seien längere Anlagezeiträume nicht akzeptabel.

Für einen Anlagezeitraum von zwei Jahren bieten einige Banken Zinsen von knapp zwei Prozent pro Jahr. Auch diese Anlagen sind mit 100 000 Euro pro Sparer abgesichert. Dafür stehen die jeweiligen nationalen Sicherungsfonds ein, etwa in Bulgarien, Kroatien oder Portugal. Doch die Zeitschrift „Finanztest“ der Stiftung Warentest rät nur zu Angeboten von Banken, hinter denen eine starke Wirtschaft mit leistungsfähiger Sicherungseinrichtung steht. Das sei bei Banken aus Österreich, Luxemburg, Frankreich, Großbritannien und den Niederlanden der Fall. Das Kriterium für diese Einschätzung sind die langfristigen Länder-Ratings.

Dagegen rät „Finanztest“ von den gut verzinsten Festgeldern aus Bulgarien, Kroatien, Portugal und anderen Ländern ab. Außerdem wird teilweise die Einlage im Entschädigungsfall in Landeswährung zurückgezahlt. Experten halten dagegen eine Anlage auch in diesen Ländern für vertretbar, wenn man das Geld nur für zwei oder drei Jahre anlege und es sich nicht um den einzigen Spargroschen handele. Die neuen Angebote seien eher für Anleger geeignet, die größere Beträge auf mehrere Banken aufteilen können.

Während Sparer steigende Zinsen herbeisehnen, wollen potenzielle Immobilienkäufer noch lange von niedrigen Zinsen profitieren. Die Aussichten dafür sind 2016 gut. Zumindest im ersten Halbjahr. Da könnten die Zinsen für die Baufinanzierung noch etwas sinken, heißt es. Der Grund sei, dass viel Kapital nach Deutschland strömt, weil das Vertrauen in die Bundesrepublik sehr groß sei. Das Geld fließt zum Teil in Pfandbriefe, deren Verzinsung die Konditionen des Baugeldes bestimmen. Gegenwärtig kostet eine Baufinanzierung mit einer Zinsbindung von zehn Jahren 1,50 Prozent. Vor zwei Jahren waren es noch 2,65 Prozent. Das zeigt, dass selbst eine leichte Erhöhung an den günstigen Zinsen kaum etwas ändern würde.

Auch für längere Zinsbindungsfristen sind die Konditionen günstig. Bei 15-jähriger Zinsbindung liegen die Konditionen bei etwa zwei Prozent. Hartmut Schwarz von der Verbraucherzentrale Hamburg rät, die Konditionen für 15 oder gar 20 Jahre festzuschreiben. „Das bringt mehr Sicherheit in das Finanzierungskonzept“, sagt er.

Steigende Zinsen beim Baugeld sind eher im zweiten Halbjahr zu erwarten, falls deutlich wird, dass die USA die Zinsen stärker erhöhen. Geld würde dann von Europa in die USA abfließen und hier die Zinsen steigen lassen. Auch Marco Bargel, Chefvolkswirt der Postbank, hält einen moderaten Anstieg um 0,5 Prozentpunkte bei den Baugeldkonditionen in diesem Jahr für möglich.

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