Die Bremer Roboterfußballer wollen beim Robocup German Open vom 17. bis 21. April 2024 aufs Ganze gehen. Zum ersten Mal nach der Corona-Zwangspause wird der für nationale und internationale Teams von Universitäten, Hochschulen und Firmen offene Software-Wettbewerb wieder ausgetragen. Schauplatz ist Kassel.
Das "B-Human" zählt mit zehn Weltmeistertiteln und 13 gewonnenen regionalen Meisterschaften zu den erfolgreichsten in der Standard Platform League (SPL). 24 Bremer reisen nach Auskunft von Tim Laue höchst motiviert nach Hessen. Dafür gibt es einen guten Grund: Sie wollen ihren Meistertitel verteidigen.
Der Lehrbeauftragte des Fachbereichs Mathematik und Informatik der Universität Bremen und Thomas Röfer aus dem Forschungsbereich Cyber-Physical Systems des Deutschen Forschungsinstituts für Künstliche Intelligenz (DFKI) betreuen das „B-Human“-Team. Als dritter Wissenschaftler ist Arne Hasselbring dabei.
In dem gemeinsamen Projekt von Uni und DFKI wollen sie Studierende anwendungsnah an die Entwicklung von Software heranführen und ihnen die Möglichkeit bieten, sich über mehrere Semester intensiv und eigenständig mit selbst gewählten Fragestellungen rund um den Roboterfußball zu beschäftigen. Auf das Jahr 2000 datiert Tim Laue die erste Wettbewerbsteilnahme, bei der die in diesem Projekt selbst entwickelte Software öffentlich zum Einsatz gekommen ist. Sie steuert von der Wahrnehmung, Weltmodellierung, Verhaltenssteuerung, Teamkommunikation bis zur Bewegung der 60 Zentimeter großen Roboterfußballer alles.
Jeden Freitag treffen sich derzeit 23 Informatik-Studierende und zwei bereits im Bereich Künstliche Intelligenz berufstätige Bremer an der Uni, um die Software für die intelligenten Fußballroboter zu verfeinern. Einige von ihnen treffen sich nach Laues Kenntnis auch noch unter der Woche.
Die von den Teams programmierte Software ist der Schlüssel zum Erfolg. Denn alle Mannschaften in der SPL verwenden dasselbe Modell: den humanoiden Roboter „NAO“ der französischen Firma Aldebaran. Damit der überhaupt Fußball spielen kann, ist die Bildverarbeitung ein ganz wichtiger Faktor. Deshalb sind zwei Kameras im Kopf des Kunststoffkickers übereinander montiert, eine nach vorne, die andere auf den Boden vor den Füßen des Roboters. Außerdem verfügt der mit 26 Gelenken ausgestattete NAO-Kicker über diverse Sensoren, unter anderem zur Trägheitsmessung oder Kontaktsensoren am Kopf. „Die Roboter müssen alles selbst erkennen und selbstbestimmt entscheiden“, unterstreicht Tim Laue.
Zum Beispiel den Anpfiff des menschlichen Schiedsrichters. Wenn sie darauf nicht reagieren, erhalten sie 15 Sekunden später per Funk ein Signal. Eine Verzögerung, die weniger Chancen bedeutet. Und falls ein Spieler den Gegner nicht erkannt hat und unabsichtlich umrennt, gibt es wie beim regulären Fußballspiel auch beim Robocup ein Foul. Dadurch, dass Roboter den Ball nicht hochschießen könnten, so der Wissenschaftler, würde allerdings vieles an Möglichkeiten wegfallen.
Die Stärke der Bremer sei in den vergangenen zwei Jahren das Passspiel gewesen, weiß Tim Laue. Zur Vorbereitung auf den Robocup hätten die Studierenden an vielen Details getüftelt, damit die sieben Kunststoffkicker auf dem neun mal sechs Meter großen Spielfeld über zwei Mal zehn Minuten völlig autonom agieren und ihre erspielten Torchancen auch nutzen. „Wir haben ein bisschen an der Taktik gearbeitet“, sagt der „B-Human“-Teamleiter. Die Positionierung der Roboterfußballer „sieht schon ganz gefällig aus.“