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Neu im Stream Wendepunkt: Die Atombombe und der Kalte Krieg

Was sind die Hintergründe des Kalten Krieges und welche Rolle hatte die Abschreckung durch einen nuklearen Krieg dabei? Die Netflix-Produktion liefert Einblicke, Einordnungen und Zeitzeugenberichte.
26.03.2024, 05:00 Uhr
Lesedauer: 3 Min
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Von Karolina Benedyk

Wann endete der Kalte Krieg? Endete er überhaupt? Der Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine lässt den Westen die Frage neu stellen – und möglicherweise eine neue Antwort darauf finden. Die Serie "Wendepunkt: Die Bombe und der Kalte Krieg" arbeitet die Entwicklung während und seit dem Zweiten Weltkrieg auf. Dabei greifen die Dokumentatoren die Rolle der Atombombe in dem Krieg auf. Es handelt sich um eine Serie, die in ihrer Aktualität kaum zu übertreffen ist.

Die Dokumentation beginnt mit einer Vogelperspektive auf den Moskauer Kreml, das Weiße Haus in Washington und das Brandenburger Tor. Damit gibt sie gleich die Richtung vor: Die Entwicklung Russlands, der USA und Deutschlands lässt sich nur im Zusammenhang miteinander betrachten. Denn, das stellen die Dokumentatoren zu Beginn fest, man könne Putin nicht ohne den Kalten Krieg und den Zusammenbruch der Sowjetunion verstehen.

Der Einsatz der Atombombe im Zweiten Weltkrieg

Jede Folge der neunteiligen Netflix-Produktion widmet sich einem anderen Schwerpunkt. Der erste Teil ordnet die Entwicklung der Atombombe im Zweiten Weltkrieg ein und zeigt zum Ende hin die Auswirkungen ihres Einsatzes in Japan. Damit ist auch der Ton für den Verlauf der Serie gesetzt. Denn der Zuschauer und die Zuschauerin erhalten nicht nur Bilder vom Schaden, den die Atombombe anrichtete, sondern auch von den Opfern. Hier sind starke Nerven gefragt. Daneben kommen Zeitzeugen und Überlebende zu Wort.

Die Dokumentation ist nicht die erste aus der Wendepunkt-Reihe. In "Wendepunkt: 9/11 und der Krieg gegen den Terror" rekonstruierten die Macher die Entwicklung vor und nach den Anschlägen auf die Türme des World Trade Centers. Bemerkenswert ist, dass sich die Reihe im Gegensatz zu ihrem Vorgänger auch intensiv mit der Verantwortung der USA auseinandersetzt. Die Zuschauer und die Zuschauerinnen bekommen Stimmen zu hören, die die Verwendung der Atombomben zum Ende des Zweiten Weltkrieges durch die USA als Kriegsverbrechen bezeichnen. Dennoch bezieht die Dokumentation keine Stellung und kommt zu keinem Ergebnis. Das ist auch nicht ihr Ziel. Die verschiedenen Stimmen sollen unterschiedliche Blickwinkel aufzeigen, was auch gut gelingt.

Die Gefahr ist akut

Im gleichen Atemzug stellt der Regisseur Brian Knappenberger immer wieder klar, dass die Gefahr eines Atomkrieges akuter ist denn je. Spätestens nach dem ersten Teil wissen die Zuschauer und Zuschauerinnen auch: Die Folgen des Einsatzes von Nuklearwaffen wären fatal.

Die zweite Folge setzt den Fokus auf die Entwicklung des Kommunismus sowie den Aufstieg von Josef Stalin. Man erfährt von dem totalitären System des Diktators, den sowjetischen Verbrechen und dem Völkermord am eigenen Volk. Gleichzeitig zeichnet die Folge die Entwicklung des sogenannten Ostens und Westens nach. Die Zuschauer erfahren, wie es der Sowjetunion gelang, so schnell eine Atombombe nachzubauen.

Rückblenden, Zeitzeugen und Interviews mit Politikern

Alle Episoden sind zwischen 60 und 80 Minuten lang. Sie bieten Rückblenden aus Archivmaterialien, Eindrücke und Erinnerungen von Zeitzeugen und Einordnungen durch Expertinnen und Experten. Auch kommen einige prominente Gäste zu Wort wie die Premierministerin Estlands, Kaja Kallas, und der Präsident der Ukraine, Wolodymyr Selenskyj.

Weitere Schwerpunkte sind die Entwicklung der CIA, die in die Weltpolitik eingreift, der Fall der Mauer oder das Ringen Russlands nach einer neuen Identität.

In ihrer Gesamtheit ist die Serie über zehn Stunden lang. Der Inhalt trägt diese Länge. Denn so schafft es die Dokumentation, den Kalten Krieg und seine bis heute andauernden Auswirkungen detailliert darzustellen.

Der Konflikt bleibt größtenteils aus einer rein westlichen Perspektive erzählt. Des Weiteren stört die dramatische Musik im Hintergrund. Das Thema und die Dramaturgie erzeugen genug Spannung. Auf die lauten Effekte hätten die Macher an der ein oder anderen Stellen verzichten können. Dennoch: Die Dokumentation ist ein Muss für all diejenigen, die Hintergründe zu dem Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine haben wollen.

Info

Wendepunkt: Die Atombombe und der Kalte Krieg. Neun Folgen. Anbieter: Netflix.

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