Hintergrund zum Brand bei Lürssen

Die Megajachten von der Weser

Im Bau von Megajachten ist Lürssen weltweit das führende Unternehmen. Und diese Spitzenposition wird das Werftunternehmen sicherlich auch weiterhin einnehmen: Die Auftragsbücher sollen gut gefüllt sein.
14.09.2018, 18:35
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Die Megajachten von der Weser
Von Peter Hanuschke
Die Megajachten von der Weser

In diesem Jahr wurde auf der Lürssen-Werft unter anderem die Großjacht "Shu" gefertigt. sie hat eine Länge von 136 Metern.

Eckardt

Wer Auftraggeber der Megajacht ist, die in Fachkreisen „Sassi“ genannt wird, hat sich bislang noch nicht rumgesprochen. Die Lürssen-Werft hält sich wie üblich in diesen Branchenkreisen bedeckt, wenn es darum geht, Namen der Kunden oder die Höhe des Kaufpreises bekannt zu geben. Ebenso wenig äußert sich das Unternehmen zum jetzigen Zeitpunkt dazu, wie viel länger der Kunde der „Sassi“ nun voraussichtlich warten muss.

Bei fast fertigen oder bereits ausgelieferten Megajachten dringen aber schon Details an die Öffentlichkeit: So gehört die „Azzam“ aus dem Hause Lürssen – sie ist 2013 vom Stapel gelaufen und mit 180 Metern die weltweit längste Jacht – Scheich Chalifa bin Said Al Nahjan, Präsident der Vereinigten Arabischen Emirate. Oder etwa die „Eclipse“ (163 Meter), die 2010 auf der Blohm+Voss-Werft fertiggestellt wurde, als diese noch nicht zur Lürssen-Werftengruppe gehörte: Eigner ist der russische Milliardär Roman Abramovich.

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Inwieweit das Feuer auf der Lürssen-Werft nun den Produktionsablauf in den nächsten Monaten beeinträchtigen wird, dazu hat sich das Unternehmen ebenfalls nicht geäußert. Gleiches gilt für die Frage, ob ein anderer Lürssen-Standort oder eine alternative Werft infrage kommt, auf dem die „Sassi“ je nach Höhe des Schadens zu Ende oder komplett neu gebaut werden kann. Außer in Bremen (Vegesack/Lemwerder und Aumund) sowie Hamburg hat Lürssen noch Standorte in Berne, Rendsburg, Wolgast und Wilhelmshaven, doch an keinem ist ein Dock dieser Größenordnung mit Überdachung.

Auch wenn Lürssen das nicht kommuniziert, ist davon auszugehen, dass sich das Unternehmen für einen solchen Vorfall abgesichert hat. Es gibt sogenannte Baurisikoversicherungen speziell für Werften, die im Bereich Neu- und Umbauten tätig sind.

Bislang sind die Standorte von Lürssen für den Jachtneubau Bremen und Rendsburg: In Bremen werden die Jachten ab 110 Meter Länge und größer gefertigt in Rendsburg sind es die zwischen 60 und 110 Meter. Dieses Konzept hat sich in der Vergangenheit bewährt: In der aktuellen Top-200-Liste der weltweit größten Jachten, die alle zwei Jahre vom Fachmagazin „Boote Exclusiv“ erstellt wird, hat Marktführer Lürssen mit 42 Jachten mit Abstand am meisten Schiffe platziert. Und auch in Zukunft wird Lürssen sicherlich den Spitzenplatz belegen: Die Auftragsbücher sollen gut gefüllt sein. So stehen für die nächsten Jahre noch weitere größere Jachtprojekte an. Darunter sollen sich unter anderem das 139 Meter lange Jachtprojekt „Redwood“ und eine 130 Meter lange Jacht mit dem Namen „Sherasheda“ befinden.

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Insgesamt gehören zur familiengeführten Lürssen-Gruppe etwa 2700 Mitarbeiter. Neben dem Jachtbau ist das zweite große Standbein der Marineschiffbau. In diesem Bereich gab es in der Vergangenheit regelmäßig Großaufträge: So gehört Lürssen federführend einem norddeutschen Werftenkonsortium an, das in den nächsten Jahren fünf Korvetten (K130) für die Marine fertigen wird. Das Auftragsvolumen beträgt knapp zwei Milliarden Euro.

Was den bislang größten Rüstungsauftrag der deutschen Marine angeht, ist Lürssen allerdings nicht mehr im Rennen: Es geht um den Bau von vier Mehrzweckkampfschiffen des Typs MKS 180 im Gesamtwert von etwa vier Milliarden Euro. Lürssen hatte sich zusammen mit Thyssen-Krupp-Marine-Systems an der Ausschreibung beteiligt, das Konsortium wurde aber im März vom Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr überraschend aus dem Bieterverfahren aussortiert, ohne das dies offiziell begründet wurde. Trotzdem kann Lürssen auch noch von diesem Auftrag profitieren, und zwar dann, wenn sich das Tochterunternehmen Blohm+Voss durchsetzt, das zusammen mit dem niederländischen Werftenkonzern Damen bei dem Bieterverfahren mitmischt.

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