Die Werbung legt die Messlatte für die Werder-Stadionwurst ganz schön hoch. „Diese speziell kreierte Bratwurst bringt das echte Stadionfeeling direkt zu dir nach Hause“, verspricht der Hersteller in bestem Marketing-Gesang. Mit ihrer „einzigartigen Würzmischung und saftigen Textur“ soll die Wurst das „Highlight“ jeder Fußballparty sein, „ein Genuss, der bei jedem Bissen Jubel auslöst“. Na, denn man tau!
Bei der Stadionwurst, Kenner wissen das, handelt es sich um eine sehr ernste Angelegenheit. Bei den piekfeinen Bayern schmeckt die Wurst anders als bei den handfesten Klubs aus dem Ruhrpott. In Nürnberg liegen drei kleine Nürnberger Rostbratwürste im Brötchenbett, auf Schalke wird die Wurst mit zarter Kümmelnote serviert.
Seit der vergangenen Saison stammt die Stadionwurst bei Heimspielen von Werder Bremen aus dem Hause Goldschmaus. Es gab sie bisher nur dort, im Weserstadion, Kostenpunkt vier Euro, erweiterte Spitzengruppe im Ligavergleich. Neuerdings ist die Stadionwurst jetzt aber auch im Handel erhältlich. Der WESER-KURIER macht die Probe aufs Exempel: Wie schmeckt Werders Stadionwurst zu Hause vom heimischen Grill?
Mit Senf? Oder geht auch Ketchup? Das entscheidet jeder Fan für sich selbst.
Zunächst ist der Plan leichter gefasst als in die Tat umgesetzt. Denn im Kühlregal bei Rewe liegt zwischen Weißwurst und Wiener Wurst, der Geflügelbrat und den Mettenden zwar eine Stadionwurst. Aber es ist die Stadionwurst von Friebel, dem früheren Lieferanten von Werder.
Und auch bei Lidl, dort ist die Sache noch ein bisschen verzwickter: Auf dem Preisschild, 4,29 Euro, wird die dazugehörige Wurst als „Stadionwurst Werder Bremen“ beworben. Tatsächlich liegt im Fach aber auch hier die von Friebel. Auf der Verpackung selbst steht nichts von Werder, kein Logo mit dem W und der Raute. Keine Mogelpackung also, aber auch keine Hilfe: von Goldschmaus weiter keine Spur.
Anruf in der Konzernzentrale des Unternehmens aus Garrel im Landkreis Cloppenburg. „In Bremen ist die Werder-Stadionwurst nirgends zu finden. Was ist da los?“ Ungläubiges Staunen ist die Antwort, das kann doch nicht sein, dann das Versprechen: „Darum werden wir uns kümmern.“ Derweil ein dritter Versuch hier in der Stadt, diesmal bei Netto, und siehe da, dort liegt sie, die Werder-Stadionwurst von Goldschmaus: im Fünferpack für 4,99 Euro als Rostbratwurst, als Viererset die Krakauer zum selben Preis. Auch Combi hat die richtige Werder-Stadionwurst im Angebot. Es kann also losgehen.
Der Fan und seine Wurst: Ein Leben lang erinnert er sich an sein erstes Spiel im Stadion. Er hat auch Jahrzehnte später nicht vergessen, wer damals die Tore für seine Mannschaft geschossen hat. Wie das Spiel ausgegangen ist, weiß er in der Regel heute noch – und auch, wie vor dem Anpfiff oder in der Halbzeitpause die erste Stadionwurst seines Lebens geschmeckt hat. Im Internet kursieren Videos von Stadionwursttestern, sie stellen Tabellen auf, verfassen Testberichte, vergleichen Preise. Die Beschreibungen kreisen um Noten und Nostalgie.
Wie durchgängig und einheitlich die Wurst gebräunt ist, liegt stark an den Künsten desjenigen, der am Grill steht.
Experten wissen, worauf es bei einer guten Stadionwurst ankommen muss: Bissig sollte sie sein, würzig, ehrlich und bodenständig. Die Haut knusperbraun bitteschön, der Geschmack klar und definiert. Am besten mit Senf, Ketchup ist aber auch okay. Und sie soll von weither schon nach Bratwurst duften, wenn sie auf dem Rost hin- und hergewälzt wird.
Tatsächlich dauert es auf dem heimischen Grill nicht lange, und der für eine Bratwurst typische Grillgeruch erfüllt die Luft. Haken dran auch an die Konsistenz, knackig ist die Haut, die Farbe passt. Und wie hat sie nun geschmeckt? Das Urteil fällen die Kollegen aus der Redaktion.
So kam die Wurst an
„Wenn jetzt noch das Stadion dabei wäre, wäre es die perfekte Stadionwurst. Im Vergleich zum normalsterblichen Würstchen eine sehr solide Geschichte: kräftig im Geschmack, würzig im Abgang.“
„Der Geruch vom Grill erinnert total an die frühen 90er-Jahre, Ruhrstadion. Das macht gleich Lust auf Fußball und ist eine schöne Alternative zur bisherigen Stadionwurst. Von der haben wir zu Hause nämlich inzwischen mehr als genug gegessen.“
„Diese Krakauer hat Werder nicht verdient. Für eine richtig gute Krakauer darf es schon deutlich mehr Würze sein.“
„Tipptopp! Auch ohne Brötchen, nur mit Senf, gibt es ein Sternchen für die Krakauer. Schön würzig, aber nicht zu viel gewürzt – schmeckt sogar noch, wenn sie ein bisschen abgekühlt ist.“
„Ich bin regelmäßig im Stadion, auch auswärts. Ein bisschen lütt sehen sie schon aus, aber geschmacklich gehören sie auf jeden Fall in die Erste Liga.“