Frau in Lebensgefahr Schüsse am Lloyd Gymnasium in Bremerhaven: Was wir über die Tat wissen

Bei Schüssen am Bremerhavener Lloyd Gymnasium ist nach Polizeiangaben eine Frau schwer verletzt worden. Der mutmaßliche Täter wurde gefasst. Hier beantworten wir die wichtigsten Fragen zur Tat.
19.05.2022, 18:33
Lesedauer: 5 Min
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Von hsc/few/ba/dpa

Am Lloyd Gymnasium in Bremerhaven hat es am Donnerstagmorgen einen Großeinsatz der Polizei gegeben, nachdem ein bewaffneter Mann das Schulgelände betreten und eine Beschäftigte der Schule schwer verletzt hatte. Am Donnerstagnachmittag äußerten sich Schulamt, Ermittler und Staatsanwaltschaft zu den ersten Erkenntnissen. Wir fassen zusammen, was über die Tat bekannt ist.

Was ist an der Schule in Bremerhaven passiert? 

Ersten Erkenntnissen zufolge drang der Täter gegen 9.15 Uhr in die Schule ein und gab Schüsse ab. Wie am Abend bekannt wurde, nutzte er dafür eine Armbrust. Bereits gegen 9.22 Uhr meldeten Polizeibeamte die Sicherung eines Tatverdächtigen, der sich widerstandslos festnehmen ließ.

In den sozialen Medien kursiert ein Video, das die Szene der Festnahme zeigen könnte. Die Echtheit des Videos konnte schließlich am Abend durch die Polizei verifiziert werden. Zu sehen ist ein dunkel gekleideter Mann, der sich in an einer Straßenecke umsieht, sich dann neben einer Waffe mit auf den Rücken verschränkten Armen auf den Boden legt. Ein Passant schiebt die Waffe schließlich zur Seite, mehrere Polizeiwagen fahren vor und Beamte nehmen den Mann fest. 

Am Morgen hatte die Polizei auf Twitter von einem größeren Polizeieinsatz in Bremerhaven berichtet und die Bevölkerung dazu aufgerufen, den Bürgermeister-Martin-Donandt-Platz und die anliegenden Straßen zu meiden. Ein Notfallplan der Schule wurde ausgelöst, die Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte schlossen sich in den Klassenzimmern ein. Mehrere Stunden verbrachten sie in den Räumen.

Die Bremerhavener Polizei war mit allen verfügbaren Kräften am Tatort im Einsatz, die Polizei Bremen schickte zudem Verstärkung unter anderem durch ein Sondereinsatzkommando (SEK). 

Wie geht es der Verletzten?

Die Ermittler sprachen am Donnerstagnachmittag von einer schweren Verletzung und davon, dass die Frau noch nicht außer Lebensgefahr sei.

Was wissen wir über den Tatverdächtigen?

Der Verdächtige ist 21 Jahre alt und offenbar psychisch auffällig, wie die Staatsanwaltschaft am Donnerstagnachmittag mitteilte. Zum Motiv und einer möglichen Beziehung zur verletzten Frau machten die Ermittler keine Angaben.

Wie geht es den anderen Schülerinnen und Schülern des Lloyd Gymnasiums?

Zur Tatzeit waren rund 140 Schülerinnen und Schüler im Gebäude – deutlich weniger als im Normalbetrieb, weil derzeit Abiturprüfungen laufen, sagte Bremerhavens Schuldezernent Michael Frost (parteilos). Normalerweise gehen auf den Oberstufenzweig des Lloyd-Gymnasiums über 500 Schülerinnen und Schüler. Die Polizei sicherte zunächst das Gebäude, damit die Schülerinnen, Schüler und weitere Beschäftigte die Klassenräume verlassen konnten.

Rund vier Stunden hatten die Schülerinnen und Schüler in verschlossenen Klassenräumen ausharren müssen. Als sie das Schulgebäude am Nachmittag verlassen, lachen einige erleichtert, andere haben verweinte Augen. „Ich habe bis eben panische Angst gehabt“, sagt ein 16-Jähriger. Erst jetzt, wieder in Freiheit, spüre er Erleichterung.

Er besucht die 10. Klasse. Er habe gerade Kunst gehabt, als über die Lautsprecher der Codesatz für einen Amoklauf an der Schule mehrfach durchgesagt wurde. „Das war ein Schock für mich“, sagte er. Die Lehrerin habe die Tür verschlossen. Erst habe sie angefangen zu weinen, dann einige Mitschüler. Alle hätten sich auf den Boden gelegt. „Ich saß zwei Stunden unter dem Tisch“, sagte der Schüler.

Die Schülerinnen und Schüler wie das Schulpersonal werden durch Feuerwehr, Polizei und Seelsorger professionell betreut. Zunächst wurden mehrere kleine Zelte aufgebaut, um Schülerinnen, Schüler und Schulbeschäftigte zu betreuen. Wegen der Gewittergefahr wurden die Zelte später wieder abgebaut und die Betreuung in eine Kirche verlegt.

Bis 21 Uhr am Donnerstagabend ist eine Hotline des Regionalen Beratungs- und
Unterstützungszentrums (ReBUZ) Bremerhaven zur psychologisch-seelsorgerischen Betreuung unter 0471/5903585 geschaltet. 

Wie geht es weiter am Lloyd Gymnasium?

„Das ist das schlimmstmögliche Ereignis, das passieren kann“, sagte Schuldezernent Frost. „So etwas ist überall möglich, das bestätigt sich heute.“ Die Schule sei aber sehr gut auf einen solchen Fall vorbereitet gewesen. „Wenn es heute eine gute Nachricht gibt, dann ist es diese“, betonte Frost.

Den Schülerinnen und Schülern sei es freigestellt, ob sie am Freitag zur Schule kommen. „Unterricht wird es nicht geben. Aber wir bieten Gesprächsmöglichkeiten an, auch für die Eltern“, sagte Frost.

Was wissen wir über den Stand der Ermittlungen?

Die Ermittler gehen derzeit nicht davon aus, dass noch Gefahr für die Bürgerinnen und Bürger in Bremerhaven ausgeht, etwa durch einen weiteren Täter. Es habe Durchsuchungen im Umfeld des Tatverdächtigen gegeben, um mehr über da mögliche Motiv für die Tat herauszufinden.

Die Polizei hat derweil ein Hinweisportal im Internet eingerichtet, auf dem Bilder, Videos oder Tondokumente hochgeladen werden können, die möglicherweise bei der Aufklärung der Tat helfen könnten. Schon kurze Zeit nach der Tat kursierte in den sozialen Netzwerken ein Video, das die Festnahme des mutmaßlichen Täters durch die Polizei zeigen soll. Verifizieren lässt sich die Aufnahme bisher nicht.

„Die gute und schnelle Arbeit der Polizei, die in kürzester Zeit vor Ort war und auch das umsichtige, konsequente und richtige Handeln der in der Schule befindlichen Personen, könnten hier eine große Katastrophe verhindert haben. Wir wünschen der verletzten Mitarbeiterin alles Gute und eine baldige Genesung", so André Gudel, Landesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft Bremen.

Auch Bremerhavens Oberbürgermeister Melf Grantz und der Bremerhavener Bundestagsabgeordnete Uwe Schmidt (beide SPD) übermittelten am Donnerstagnachmittag Genesungswünsche. Er sei erleichtert, dass die Polizei die Lage schnell unter Kontrolle gebracht habe, teilt Schmidt mit. Solidarität mit den Betroffenen und Dank für die Einsatzkräfte bekundeten auch Bremerhavens SPD-Vorsitzender Martin Günthner und Swen Awiszus, stellvertretender Landesvorsitzender der SPD Bremen.

Gibt es für solche Vorfälle einen Plan für alle Bremer Schulen?

Ein Notfallplan, wie er laut Polizei in der Bremerhavener Schule umgesetzt wurde, ist auch für Bremer Schulen vorgesehen. Alle Schulen hätten Kenntnis über die Abläufe, erklärt Maike Wiedwald, Sprecherin von Bildungssenatorin Sascha Aulepp (SPD) auf Anfrage des WESER-KURIER. Details nennt sie nicht.

Die Pläne seien auch mit der Bremer Polizei abgestimmt. Sollten sich an Schulen Verdachtsfälle ergeben, werde der Vereinbarung entsprechend vorgegangen. Auch frühzeitige Anzeichen einer möglichen Tat sind demnach in dem Konzept berücksichtigt. Bei Bedarf werde das Regionale Beratungs- und Unterstützungszentrum einbezogen, "um gegebenenfalls konkrete Hilfsangebote machen zu können", so Wiedwald.

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