Traditionssendung bleibt gefährdet

Zukunft des Bremer Sport-TV weiterhin ungeklärt

Die Fernsehmacher finden zwar eine neue Heimat beim Kreissportbund Bremen-Stadt, sind aber immer noch auf der Suche nach Geldgebern. Teamleiter Frank Harreß geht bis Oktober erst einmal in Vorleistung.
14.03.2021, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Zukunft des Bremer Sport-TV weiterhin ungeklärt
Von Jörg Niemeyer
Zukunft des Bremer Sport-TV weiterhin ungeklärt

Der Teamleiter des Bremer Sport-TV und derzeit unfreiwillig auch der einzige Geldgeber für die Produktion: Frank Harreß an seinem ehrenamtlichen Arbeitsplatz.

Annika Redmer

Das schlimmste Szenario für die Sendung, ihr Aus nach 19 Jahren, ist zwar noch nicht abgewendet, zumindest aber hinausgeschoben. Die kommenden Ausgaben des Bremer Sport-TV sind gesichert – in erster Linie deshalb, weil der Teamleiter Frank Harreß die Sendungen aus eigener Tasche finanzieren wird. Doch auch organisatorisch hat sich im Februar Entscheidendes verändert. Die komplett ehrenamtlich besetzte Mannschaft des Bremer Sport-TV befindet sich jetzt unter dem Dach des Landessportbunds Bremen (LSB). Das ist möglich geworden, weil das Sport-TV seit einigen Wochen zum neu eingerichteten Ausschuss Öffentlichkeitsarbeit des Kreissportbunds (KSB) Bremen-Stadt gehört.

Das Bremer Sport-TV selbst konnte ohne LSB-Zugehörigkeit keine finanziellen Zuschüsse beim Bremer Sportamt beantragen – im Gegensatz zum KSB Stadt. Dessen Vorsitzender Heiko Lohbeck ist dem Bremer Sport-TV seit Langem sehr verbunden. Er kümmerte sich erstmals vor Jahren und derzeit kommissarisch mit seiner Frau Sabine wieder um die Öffentlichkeitsarbeit der Fernsehmacher. „Das Sport-TV braucht eine Heimat, es ist eine wichtige Plattform für den Breitensport“, sagt Lohbeck. Er bietet sie ihm jetzt im KSB, nachdem der LSB, unter dessen Dach das Sport-TV einst einmal war, eine Rückkehr abgelehnt hatte.

Vor Corona war das Studio im Waller Westend die Produktionsstätte des Bremer Sport-TV, dessen monatliche Sendungen auf Radio Weser.TV, dem Sender der Bremischen Landesmedienanstalt (Brema), im Rahmen des Bürgerrundfunks ausgestrahlt werden. Die Brema unterhält in Bremen und Bremerhaven mehrere Einrichtungen für Rundfunk und Fernsehen und auch das Waller Studio, um das während der Corona-Pandemie ein letztlich finanzieller Streit neu entbrannt war. Das Studio ist technisch veraltet, kann laut Aussage der Brema-Direktorin Cornelia Holsten wegen fehlender Mittel jedoch nicht auf den neuesten Stand gebracht werden.

Da das Westend-Studio wegen der Pandemie seit Monaten nicht genutzt werden kann, bediente sich das Sport-TV kurzerhand der Technik und auch der Räumlichkeiten seines Teamleiters, der hauptberuflich sein Geld mit der Ausstattung von Radio- und Fernsehstudios verdient. Die Crux dabei: Es gab bislang niemanden, der Frank Harreß die Kosten hätte erstatten können. Und trotz des Silberstreifs am Horizont gibt es derzeit auch noch keinen gesicherten Geldgeber für die Zukunft.

So wie es aussieht, wird Frank Harreß bis zur Oktober-Sendung also weitere acht Mal etwa 650 Euro pro Sendung übernehmen müssen. Ob er sein Geld oder Teile davon zurückbekommt, hängt von den Verhandlungsergebnissen der kommenden Monate und zum Beispiel auch vom Antrag an das Bremer Sportamt ab. Dessen Leiter Christian Zeyfang ist zwar bekennender Sport-TV-Fan, kann die Bezuschussung aber nicht garantieren. „Die Anträge werden in der Sportdeputation behandelt und beschlossen“, sagt er. Weil für März noch kein Antrag vorlag, wird der KSB Stadt frühestens im September erfahren, ob er im Oktober mit der Erstattung von maximal 50 Prozent der im Antrag ausgewiesenen Kosten rechnen kann.

Doch selbst wenn das Sportamt einen Zuschuss gewähren sollte: Dessen Höhe hängt jedes Mal davon ab, als wie dringend andere, vorrangige Anträge beurteilt werden. Finanzielle Sicherheit sieht anders aus. Deshalb arbeiten KSB Stadt und Sport-TV mit Hochdruck an der Erschließung weiterer Geldquellen. Schon vor einigen Wochen hatte Frank Harreß deutlich erklärt, dass er seine eigene Sendung nicht dauerhaft auch selbst finanzieren wird. „Die Sendung muss aber am Leben gehalten werden“, sagt KSB-Chef Heiko Lohbeck, „für viele Vereine ist sie die einzige Möglichkeit, mit Bewegtbildern ins Fernsehen zu kommen.“

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