Atelierhaus Roter Hahn Viruslastige Tage in Gröpelingen

Die Ausstellung von Andreas Rust befasst sich mit verschiedenen Aspekten der Corona-Pandemie. Sie ist bis in den Juni hinein auf Terminvereinbarung mit dem Künstler im Atelierhaus Roter Hahn zu sehen.V
22.04.2021, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Matthias Holthaus

Lindenhof. Das zeigen seiner Werke schwebte dem Künstler Andreas Rust eigentlich gar nicht vor, doch nun, nach ungefähr einem Vierteljahr, ist es doch dazu gekommen.:Zum Glück, denn sonst wäre seine Ausstellung „Tanzende Muse im Zeichen von Corona“, die noch bis zum 18. Juni in der Galerie im Atelierhaus Roter Hahn zu sehen ist, der Öffentlichkeit vielleicht verborgen geblieben.

Was schade gewesen wäre: „Ich hatte verschiedene Themenkreise im Kopf“, beschreibt Andreas Rust seine Vorgehensweise und gleichzeitig die Vielfalt seiner Ausstellung. Mit einer Kamera ist er durch Gröpelingen gefahren und hat fotografiert, den großen Brand etwa in der Louis-Krages-Straße etwa oder die Waterfront im Winter. Und er hat sich im vergangenen Jahr nahe Heinsberg eine Ausstellung angeschaut – Heinsberg, der Kreis, wo es im März 2020 eine besonders starke Häufung an Covid-19-Erkrankten gegeben hat. „Dann habe ich mich in Quarantäne begeben und dachte, dass ich da mal etwas draus mache.“ Anschließend hat er dann Zitate über das Corona-Thema gesammelt und Bilder, eigene und fremde.

Und im Januar reifte dann der Entschluss: eine Ausstellung sollte es werden, der Künstler Rust macht sich an die Arbeit. Herausgekommen sind zum Teil recht persönliche Werke, auf jeden Fall aber Werke, die seine Haltung, aber auch seine Irritation zum Thema „Corona“ widerspiegeln. Da gibt es zum Beispiel das Schwarz-Weiß-Bild „Ausweichmanöver (Aerosole)“, das eine langhaarige Frau in einem schwarzen Kleid zeigt, die sich den unsichtbaren Coronafängen entwindet. Daneben dann eine Balletttänzerin, die von Kopf bis Fuß mit verschiedenfarbigen Landkreisen gescheckt ist – jene Karten, die seit mittlerweile einem Jahr in jeder Publikation den Inzidenzwert in verschiedenen Farbtönen abbilden: Der Tanz, eine Metapher auf das Wirrwarr der sich täglich ändernden Zahlen und damit auch Farben. Eine weitere tanzende Frau mit leuchtend roten Haaren schlängelt sich über dem Wort „Homeoffice“: „Ausflippen, das man auch mal ein Ventil braucht, zum Beispiel eben Tanzen“, sagt Andreas Rust, „wobei man Tanzen ja auch nicht mehr darf. Die ganzen Clubs sind ja zu.“ Geöffnet hat dagegen zwar das Meer, doch der Surfer von Andreas Rust lässt sich davon nicht beeindrucken und surft auf der „Dritten Welle“.

Neben den beunruhigenden Nachrichten hat er zum Teil auch die Stimmung unter seinen Freunden aufgenommen und verarbeitet: „Die negativen Auswirkungen, die die Pandemie auf die Menschen hat.“ Eine positive Geschichte hingegen bildet ein Bild ab, dessen Original er in Knoops Park fotografiert hat – eine blonde Frau steht vor einer Skulptur von Robert Schad: „Ich habe die Frau fotografiert und abends kennengelernt, seitdem sind wir zusammen.“ Die glückliche Dame findet sich daher noch weitere Male an den Wänden des Roten Hahns, etwa als Porträt mit Maske oder mit Andreas Rust maskiert am Strand beim „Chillen in Schillig“. Es ist also in der Tat eine persönliche Ausstellung, die Andreas Rust dem Publikum näherbringen möchte, und auch das Bild „Panikattacke der Opernsängerin“ zeugt davon: „Ich habe eine Bekannte die Opernsängerin ist. Sie hat erzählt, wie gefährlich Corona für Sängerinnen ist und hatte wirklich Panik.“ Persönlich ist auch die Verarbeitung einer eigenen Traurigkeit: „Stille Tage in Gröpelingen“ zeigt die rückwärtige Seite des Cinespace, darauf Motive mit Palmen, Strand und Sonne, während eine Frau einsam durch den Schnee stapft und die Szenerie betrachtet: Denn für ein Jahr wollte Andreas Rust wegfahren, fremde Länder besuchen, doch dann kam die Pandemie. Was dann auch ein weiteres Bild zeigt: „Sri Lanka – Trip Cancelled.“

Acryl, Fettkreide, Tempera, Buntstift – Andreas Rust arbeitet gerne mit verschiedenen Techniken und das nicht nur realistisch, sondern auch abstrakt, was sich ebenfalls in dem Werk „Ginkgo-Ernte“ erkennen lässt. Und er beschäftigt sich auch mit Collagen; so wirft das Bild „Die Gedanken sind Brei“ einen Blick auf demonstrierende Coronaleugner mitsamt ihren zum Teil bizarren Transparenten, die namensgebenden „Tanzenden Musen im Zeichen von Corona“ zeigen Babys mit Visier und Masken und ausgeschnittene Fragmente aus Picasso-Bildbänden, im Hintergrund: Andreas Rust. Vielleicht ist es seine Art der Verarbeitung, er sagt: „Das ist mir völlig unverständlich und hat mich ziemlich geschockt, dass gebildete Freunde von mir so abgedriftet sind.“ Für ihn sei das nicht nachvollziehbar, wenngleich man in seinem Werk auch eine gewisse Ambivalenz herauslesen könnte - „doch für mich ist das klar. Das ist eindeutig so, dass ich gegen diese Proteste bin.“ Zwar zweifele auch er etwas an den getroffenen Maßnahmen, doch er sagt auch: „Ich habe es gut und leide nicht unter der Zeit.“

Info

Zur Sache

Galerie-Besuch kann mit dem Künstler vereinbart werden

Der 1950 in Hamburg geborene Andreas Rust ist als Künstler ins Berufsleben eingestiegen, bevor er dann von 1986 bis 2016 Kunstlehrer an verschiedenen Gymnasien gewesen ist. Zwischendurch hat Andreas Rust immer mal wieder Ausstellungen gemacht: „Das war ideal“, denkt er aktuell über seine berufliche Laufbahn nach, „es gab keine Trennung zwischen meinem Beruf und dem, was ich gerne mache.“ Die neuste Ausstellung „Tanzende Musen in Zeiten von Corona“ ist noch bis Freitag, 18. Juni, in der Galerie im Atelierhaus Roter Hahn, Gröpelinger Heerstraße 226, zu sehen. Die Öffnungszeiten sind montags und donnerstags von 16 bis 19 Uhr sowie sonntags von 15 bis 18 Uhr. Ein Besuch der Galerie ist in Terminabsprache mit dem Künstler unter andy-rust@web.de möglich. Weitere Informationen sind unter https://www.kultur-vor-ort.com/ online erhältlich.

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