Genitalverstümmelung Thema in Bremen Phalanx gegen Beschneidung und für mehr Bildung

Das unbequeme Thema der weiblichen Genitalverstümmelung, die auch heute noch in vielen Ländern praktiziert wird, ist oft mit einem Schweige-Tabu belegt. Das wurde jetzt im Presse-Club gebrochen.
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Phalanx gegen Beschneidung und für mehr Bildung
Von Sigrid Schuer

Das Thema ist jung und nicht ausschließlich weiblich. Viele junge Frauen, darunter auch drei Kulturmittlerinnen und Dolmetscherinnen aus Somalia, aber auch ein Dutzend Männer waren am späten Freitagnachmittag in den überfüllten Bremer Presse-Club gekommen. Thema des Info-Abends, an dem angeregt diskutiert wurde: „Weibliche Genitalverstümmelung im 21. Jahrhundert“. Ein Thema, das oft noch dem Schweige-Tabu unterliegt.

Dabei sind Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge etwa 200 Millionen Frauen und Mädchen weltweit von Genitalverstümmelungen betroffen. In Deutschland leben schätzungsweise allein 30 000 genitalverstümmelte Frauen. Mehr als 9300 Mädchen gelten als gefährdet. Auf Einladung der FDP-Fraktion und der kooperierenden Pro Familia Bremen sprach die prominente Menschenrechts-Aktivistin und Migrationsexpertin Fadumo Korn. Das somalisch-österreichische Top-Model Waris Dirie war 1997 die Erste, die mit ihrem Buch „Wüstenblume“ das Schweigen brach. Fadumo Korn hat ebenfalls in Buchform das traumatische Erlebnis der eigenen Beschneidung verarbeitet. Ihr Buch „Schwester Löwenherz – eine mutige Afrikanerin kämpft für Menschenrechte“ ist inzwischen vergriffen, so groß ist das Interesse.

Ihre Botschaft im Presse-Club war klar: Ohne eine Sensibilisierung der Öffentlichkeit wird sich dieser brutale Brauch, wie es FDP-Fraktionschefin Lencke Steiner formulierte, nicht beseitigen lassen. „Bildung statt Beschneidung“ lautet denn auch das Credo des Vereins „Nala“, den Fadumo Korn 2012 gegründet hat.

Steiner hatte zuletzt von der neuen Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (Linke) den Vorsitz für den Ausschuss für die Gleichstellung der Frau in der Bremischen Bürgerschaft übernommen. Und am Tag der Kinderrechte waren sich die beiden Politikerinnen sehr einig, dass sie koalitionsübergreifend alles dafür tun wollen, um die Menschenrechtsverletzung der Genitalverstümmelung zu stoppen. „Das haben wir auch so im Koalitionsvertrag festgelegt“, sagte Bernhard.

Obwohl die weibliche Genitalverstümmelung, an deren Folgen noch immer viele Frauen sterben, seit 2013 in der Bundesrepublik ein Straftatbestand ist, wird sie laut Fadumo Korn trotzdem auch in Deutschland praktiziert. „Auch in Bremen gibt es Fälle“, sagte Angelika Brückner vom Verein Terre des Femmes.

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