Meine Woche Ohne Wettkämpfe fehlt das Adrenalin

Milana Litau ist seit zwei Jahren Mitglied im Vegesacker Schützenverein. Die Tochter von Vegesacks Pistolenschützen Max Litau gehört der Bogenabteilung an - hinter der Zwölfjährigen liegt eine spannende Woche.
30.03.2021, 14:00
Lesedauer: 6 Min
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Von Olaf Schnell

Mittwoch, 24. März: Für mich findet heute der dritte Schultag, nach dreieinhalb Monaten Lockdown mit Schließung der Schulen in Niedersachsen, statt. Ich besuche die siebte Klasse des Gymnasiums am Moormannskamp in Ritterhude und bin sehr froh, dass ich diese Woche vom Digitalunterricht befreit bin. Es ist aber immer noch eine Überwindung, früh aufzustehen und mich zu strukturieren. Ich muss mich manchmal fragen, welcher Wochentag ist. Ich freue mich auf den Tag, bin aber auch etwas nervös, weil heute ein Referat zum Thema „Antarktis und Klimawandel“ ansteht. Bereits vor drei Monaten habe ich mit der Ausarbeitung angefangen. Und heute ist der Tag der Präsentation. Manchmal glaube ich, dass die Zeit im Lockdown schneller vergeht. Am meisten vermisse ich den Sport. Seit drei Wochen ist in Bremen das Bogenschießen, zu zweit mit Terminvergabe, erlaubt. Noch können zwar nicht alle Jugendschützen zusammenschießen, aber es ist immerhin ein Anfang. Gestern habe ich das erste Mal meinen neuen Bogen auf unserer Anlage Am Kifkenbruch in Aumund ausprobiert - ich merke langsam Fortschritte. Zurzeit ist es mir wichtig, meine Technik zu verfeinern, wobei mich mein Trainer Günther Dreher sehr unterstützt. Auch die Leichtathletik bei der TuSG Ritterhude hat seit vergangener Woche wieder begonnen, allerdings nur im Freien und unter Einhaltung der geltenden Hygienevorschriften und Abstandsregelungen. Meine Freundin und Nachbarin Linea Kessler, mit der ich täglich mit Inline-Skates unterwegs bin, um mich im Freien zu bewegen, trainiert mit mir Leichtathletik. Es ist schön, zwei Mal in der Woche wieder trainieren zu dürfen, dienstags Bogenschießen und donnerstags Leichtathletik. Nach dem Training habe ich immer das Gefühl, etwas geschafft zu haben. Ich freue mich auf die kommende Woche und setze mir bereits Ziele.

Donnerstag, 25. März: Wir haben zum zweiten Mal seit dem Lockdown wieder Leichtathletik. Aber bevor ich zum Training kann, muss ich noch einen ganzen Schultag hinter mich bringen. Also packe ich schnell meine Utensilien für die Schulstunden zusammen, als es auch schon an der Tür klingelt. Wie erwartet, steht meine Freundin und Nachbarin Anastasia Voigt vor mir. Ich renne schnell wieder die Treppen herauf, wobei ich wie gewohnt immer eine Treppenstufe auslasse. Nachdem ich meine Tasche von oben geholt habe, gehen wir auch schon los. Konzentriert beteilige ich mich am Unterricht, als auch schon das Klingeln zum Schulschluss zu hören ist. Mit einem Freund von mir, Jan Schulz, und Anastasia laufen wir den kurzen Weg nach Hause - endlich ist der Schultag vorüber. Ich gucke kurz auf mein Handy, um die Uhrzeit zu checken. Es ist 16 Uhr, also Zeit zum Fertigmachen. Das Training ist sehr anstrengend und der Muskelkater durch den Sportunterricht macht mir zu schaffen. Heute muss das Bogenschießen mal ausfallen. Es dauert halt, bis man wieder in Form ist - doch bald ist ja wieder Wochenende.

Freitag, 26. März: Der letzte Schultag vor den Ferien bricht an. Wir schreiben heute in Englisch einen Vokabeltest. Da mir das Vokabel-Lernen leicht fällt, ist meine Prüfungsangst nicht so groß. Die erste Schulwoche war wirklich toll. In Halbgruppen Unterricht zu haben, ist sehr angenehm. Die Lehrer sind viel entspannter und man hat eine ruhigere Lern-Atmosphäre. Die Beteiligung im Unterricht ist nicht so störanfällig, und man versteht die Themen besser. Um 13.20 Uhr ist es auch schon geschafft. Meine Geschichtslehrerin Frau Tiessen wünscht uns frohe Osterferien. Ich hoffe, dass es nach den Osterferien nicht erneut Home-Schooling geben wird, auch wenn meine Mama Swetlana Litau mich dabei prima unterstützt. Der Lockdown macht es uns aber allen schwer, optimistisch zu bleiben. Dennoch freue ich mich auf die angekündigten warmen Frühlingstemperaturen und packe schon mal vorsorglich meine Inliner aus.

Sonnabend, 27. März: Wie immer steht sonnabends Haushalt an: Zimmer aufräumen, Schulsachen sortieren und Mama unter die Arme greifen. Ruck zuck ist der halbe Tag bereits rum. Meine kleine Schwester Anni Litau (5) nörgelt herum und möchte beschäftigt werden. Wir machen deshalb einen Spaziergang über den Schulhof Moormannskamp in Ritterhude. Ich fahre wie immer Inliner und meine Schwester Laufrad. Da erwischt uns auch schon der Hagel, woraufhin wir nur noch schnell nach Hause flüchten können. Dann sitze ich auch schon am Schreibtisch und fertige eine Zeichnung am IPad. Am liebsten male ich Anime-Charaktere, das sind Figuren. Anime ist ein japanischer Zeichentrick, wie zum Beispiel Pokemon oder Dragonball. Als es auf den Abend zugeht, wird bei uns die Sauna angeschmissen, sodass die Wellnesszeit beginnt. Meine Mama macht es uns gemütlich bei Kerzenschein, Kaminfeuer und Käsefondue.

Sonntag, 28. März: Heute wird bei uns gefeiert! Mein Cousin Thomas Haag wird schließlich 18 Jahre alt und ist somit nun volljährig. Ganz corona-konform versammeln wir uns familiär und online über Zoom. So ungewöhnlich diese Art von Kommunikation auch ist, haben wir uns bereits daran gewöhnt. Die Uhr wurde in der Nacht auf Sommerzeit umgestellt, aber das Wetter ist dagegen alles andere als sommerlich. Sonntag ist bei uns Familientag. Daher unternehmen wir einen längeren Spaziergang. Den machen wir meistens im Knoops Park in Lesum. Danach kochen wir was Schönes und schauen uns gemeinsam einen Film an. Am Sonntag besprechen wir in der Familie auch die anstehende Woche, weil meine Eltern viele Termine koordinieren müssen. Und dann stehen nun ja schließlich auch schon die Ostertage vor der Tür. Ich hoffe, dass ich zu Ostern ein neues Viermeter-Trampolin bekomme, vorausgesetzt natürlich immer, dass der Osterhase es tragen kann. Das Trampolinspringen finde ich einfach toll. Flick flack, Salto, Radwende und halbe Schraube haben mich und meine Nachbarsfreundinnen perfekt von der Pandemie abgelenkt. Vom 1:0-Sieg der deutschen Fußball-Nationalmannschaft im WM-Qualifikationsspiel in Rumänien erfahre ich nur nebenbei. In meiner Familie hat niemand groß etwas mit Fußball am Hut.

Montag, 29. März: Die Sonne strahlt, es ist auch schon angenehm warm. Ich starte daher in die Woche mit Joggen. Meine Kondition muss weiter verbessert werden. Während des Lockdowns bin ich fast täglich joggen gegangen, weshalb ich mit meiner Ausdauer auch ganz zufrieden bin. Das Joggen hilft mir auch dabei, meine Gedanken zu sortieren und einen klaren Kopf zu bekommen. Die Zeit im Lockdown schlägt mir nämlich auf die Psyche, da ich nicht mehr so selbstsicher wie vorher bin. Es fällt schwer, sich aus der Gruppe herauszuheben und sich sichtbar zu machen, da die Videokonferenzen sehr einseitig sind. Ich hoffe, dass die Politik einen guten Plan für uns hat, da die Belastung bei allen Schülern sichtbar ist. Die Sonnenstrahlen heute vertreiben allerdings die trüben Gedanken. Ich spiele mit Nachbarskindern im Garten „Schweinchen in der Mitte“.

Dienstag, 30. März: Ich stehe schon voller Vorfreude auf, denn es steht heute erneut Bogenschießen auf dem Programm. In der vergangenen Woche habe ich mit einem anderen Mädchen geschossen, das ebenfalls unsicher war. Günter Dreher-Esders hat als Jugendtrainer einen guten Zugang zu den jungen Schützen und findet die passenden Worte. Heute kann ich in der Halle aus einer Distanz von 18 Metern auf die Scheiben schießen. Dabei achte ich zurzeit auf meine Technik und Präzision. Mit meinem neuen Bogen gelingt es mir schon deutlich besser, als mit dem alten. Es ist nur schade, dass im Moment keine Turniere angesetzt sind. Dadurch fehlt das Adrenalin vor dem Wettkampf, um noch besser zu werden. Als ich mich vor drei Wochen zu meinem ersten Training des Jahres auf dem Weg zum Verein befunden habe, den ich also schon lange nicht mehr gesehen hatte, war ich schon sehr aufgeregt. Ich hatte große Sorge, mich im Hinblick auf das Training sehr im Rückstand zu befinden. Dementsprechend war ich auch etwas unsicher bei den ersten Schüssen. Nach einigen Durchläufen habe ich mich dann auch immer besser reingefunden, bemerkte dann aber leichte Schmerzen in meiner rechten Schulter. Beim darauffolgenden Training hat mich Günter Dreher-Esders darauf aufmerksam gemacht, dass der Bogen für mich zu klein geworden ist. Daraufhin haben wir dann einen Termin bei Mannis Bogenshop gemacht. Manni suchte mir den richtigen Bogen samt Pfeilen heraus. Und mein Papa, Max Litau, hat für mich auch gleich noch eine neue und größere Tasche mitgenommen.

Info

Zur Person

Milana Litau (12)

ist seit zwei Jahren Mitglied im Vegesacker Schützenverein (SV). Die Tochter von Vegesacks Pistolenschützen Max Litau gehört der Bogenabteilung des Vereins an. Milana Litau ist auch Leichtathletin bei der TuSG Ritterhude. Die Familie wohnt in Ritterhude.

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