Grundschule Melanchthonstraße „Ich wusste sofort: Hier bin ich richtig“

Laura Materna hat mit der Leitung der Grundschule Melanchthonstraße auch viele Baustellen übernommen. Dennoch ist die 45-Jährige sicher: „Ich wusste sofort – hier bin ich richtig.“
11.11.2019, 05:06
Lesedauer: 3 Min
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Von Anke Velten

Die Schule an der Melanchthonstraße hat seit einigen Monaten eine neue Leiterin. Im Juni dieses Jahres übernahm Laura Materna den Posten von Sabine Göricke, die nach vielen Jahren in Walle ins niedersächsische Umland gewechselt ist. Sie selbst hat sich bewusst für den umgekehrten Weg entschieden. Ihr Referendariat verbrachte Laura Materna an einer kleinen Dorfschule. „Ich wollte einfach mal etwas ganz anderes“, erklärt sie. „Aber ich merkte, dass mir die Herausforderungen fehlten. Nach dem Examen rief ich sofort bei Sabine Göricke an und fragte, ob zufällig gerade eine Stelle für mich frei ist.“

Der Anruf ist sechs Jahre her, und die frisch gebackene Grundschullehrerin mit Schwerpunkt Mathematik und Englisch war im Westend sehr willkommen. Mit der Schule war sie bereits gut vertraut durch ihre Tätigkeit im Vertretungspool der Stadtteilschule. Vor ihrem Wechsel in die Schulleitung war Materna Klassenlehrerin einer so genannten „Jüg“-Klasse – die jahrgangsübergreifenden Klassenfamilien in den ersten beiden Jahrgängen sind ein Alleinstellungsmerkmal im Bremer Westen. Privat lebt sie mit Mann und zwei Söhnen im Teenageralter in Schwachhausen und erzählt, dass sie in ihrer knappen Freizeit am besten bei Gartenarbeit und kreativen Projekten abschalten kann. Entspannung kann die Pädagogin auch brauchen. Denn übernommen hat sie von ihrer Vorgängerin genügend Herausforderungen.

Die Schule an der Melanchthonstraße hat eine bewegte Geschichte. Die Lehranstalt mitten in einem dicht bebauten Wohngebiet wurde im Jahr 1913 eröffnet und zunächst als „Knabenschule Schönebecker Straße“ geführt. In der Bombennacht vom August 1944 wurde das Schulgebäude fast komplett zerstört. 1955 wurden Alt- und Neubau mit 600 Schulkindern und unter neuem Namen in Betrieb genommen – eine „völlig moderne Schule“, wie damals der Reporter des WESER KURIER schwärmte. Heute besuchen rund 250 Kinder die Grundschule, und dennoch sei die räumliche Enge ein bedrückendes Problem, wie Materna vor einigen Tagen dem Waller Bildungsausschuss schilderte.

Unterricht in jedem Winkel

Jeder Winkel werde für den Unterricht genutzt. Selbst der ehemalige Musikraum musste aufgegeben werden – besonders schmerzlich für die Grundschule mit Musikprofil. „Wir wissen manchmal nicht, wo wir Elterngespräche führen sollen. Unsere ehrenamtlichen Lesehelfer sitzen mit den Kindern auf den Fluren“, berichtete Materna. Das ganze Gebäude ist sichtlich in die Jahre gekommen, doch das größte Problem sei der Zustand der Turnhalle, die mangels einer Aula auch für Einschulungen und andere Veranstaltungen genutzt werde. „Die Halle ist desolat und macht wahrlich keinen einladenden Eindruck.“ Noch ist die Schule eine verlässliche Halbtags-Grundschule – und man sieht hier auch keinerlei Grund, diesen Zustand zu ändern, zumal es eine „unheimlich gute“ Kooperation mit dem benachbarten Hort Haferkamp gebe. Obwohl keine unmittelbaren Pläne zur Umwandlung im Raum stehen, beginnt man sich schon jetzt in der Schule darüber den Kopf zu zerbrechen, wie und wo der Ganztagsbetrieb funktionieren könnte. Klar ist: Ohne die Schaffung neuer Raumkapazitäten gehe das jedenfalls nicht.

Dem Elternbeirat liegt zurzeit auch die Verkehrssituation im Umfeld der Melanchthonstraße auf dem Herzen. Der Schulweg sei für die Kleinen mittlerweile eher ein gefährlicher Spießrutenlauf, schilderte ein Vater dem Ausschuss. Die besorgten Eltern appellieren an die zuständigen Ressorts, im Sinne der Sicherheit ihrer Kinder für strukturelle Verbesserungsmaßnahmen zu sorgen – und für stärkere Kontrollen zu den Bring- und Abholzeiten. Wie in vielen anderen Schulen sei auch an der Melanchthonstraße der zunehmende „Elterntaxi-Verkehr“ ein wachsendes Problem, dem bislang mit freundlicher Ansprache nicht beizukommen sei, wie die Schulleiterin bestätigen kann.

Zu wenig Zeit und Geld für Inklusion

Ein Problem, das sämtliche Schulen im Bremer Westen bewegt, ist die unbefriedigende Praxis der Inklusion. Allenthalben gibt es zu wenig Zeit, zu wenig Geld, zu wenig Begleitung für diejenigen Kinder, die zusätzliche Unterstützung dringend brauchen. Gemeinsam mit dem Waller Beirat sind die Waller Schulleitungen zurzeit dabei, einen Brief an die Bildungsbehörde aufzusetzen, der die Problematik in aller Deutlichkeit formuliert.

Trotz alledem: „Ich wusste sofort – hier bin ich richtig“, betont Laura Materna. Warum das so ist, kann die 45-Jährige erklären: Es seien das gute Klima im 35-köpfigen Kollegium, die engagierten Eltern und die urbane Mischung der großen und kleinen Menschen, mit denen sie in ihrer „bunten Schule“ tagtäglich zu tun hat und die den Schulalltag garantiert nie langweilig machen. Und nicht zuletzt: „Ich bin ein typisches Viertelkind. Vieles in Walle erinnert mich an das Viertel meiner Kindheit.“

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