Scharmbecker Orgeltage Neue Glöckchen zum Jubiläum

Die Scharmbecker Orgeltage bieten vom 2. bis 4. September ein Mehrgenerationen-Konzertprogramm. Erstmals auch mit neuen Glöckchen im Zimbelstern-Register der Bielfeldt-Orgel.
01.09.2022, 11:00
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Von Michael Schön

Osterholz-Scharmbeck. Neue Glöckchen für die alte Erasmus-Bielfeldt-Orgel: Einer der beiden Zimbelsterne des von 1731 bis 1734 erbauten Instruments in der Willehadi-Kirche hat die fünf kleinen Klangkörper aus Messing in der vergangenen Woche von Spezialisten der Firma Hillebrand aus Hannover eingebaut bekommen. Also noch rechtzeitig für die Scharmbecker Orgeltage vom 2. bis zum 4. September und passend zum 50-Jahre-Jubiläum der nachhaltigen Restaurierung der Barockorgel, die auf der Empore des Scharmbecker Gotteshauses thront. Kirchenkreiskantorin Caroline Schneider-Kuhn verspricht, das Spielwerk des runderneuerten Effektregisters – die Mechanik des anderen Zimbelsterns wird ebenfalls gründlich überholt – dann auch erklingen zu lassen: bei der Musik zur Marktzeit für Trompete und Orgel am ersten Tag des jährlichen Festprogramms zu Ehren der Scharmbecker Orgel. Das Instrument stammt aus der Schule Arp Schnitgers und entstand bereits in der Schaffenszeit Johann Sebastian Bachs. Gespielt werden ab 11 Uhr Kompositionen von Dieterich Buxtehude und Gottfried Heinrich Stölzel. Die Trompete wird von Florian Kubiczek gespielt.

Jazziges und Popmusik

Die Orgeltage bieten ein Mehrgenerationen-Konzertprogramm. Eröffnet werden sie am Freitag, 2. September, bereits um 9 Uhr, beim schon obligatorischen Orgelkonzert für die Schülerinnen und Schüler der Menckeschule. Der Freitag geht spät in die  um 21 Uhr beginnende Orgelnacht über, die diesmal unter dem Motto „Musik und Texte für ein besseres Klima“ steht und in Zusammenarbeit mit der regionalen Gruppe Fridays for Future  OHZ und dem „Futur-II-Wochenende“ konzipiert worden ist. Florian Poser (Vibraphon), Martin Flindt (Gitarre) und Caroline Schneider-Kuhn werden sowohl Jazziges als auch Popmusik anbieten, um damit ein junges Publikum anzusprechen. „Die Idee ist, dass 30 Minuten Musik gemacht wird und dann jeweils eine halbe Stunde Zeit ist, um bei einem Glas Orgelwein oder einem nicht-alkoholischen Getränk draußen auf der Wiese ins Gespräch zu kommen“, verrät Caroline Schneider-Kuhn. Diakonin Anne Puck, Kirchenkreisjugendwartin Janna Eckert und Diakon Volker Austein haben mit den jugendlichen Aktivisten Texte vorbereitet, die sie in der Orgelnacht verlesen werden.  

Für den Sonnabendnachmittag haben sich die Programmplaner eine Baukasten-Orgel besorgt, die aus etwa 150 Elementen besteht und auch tatsächlich gespielt werden kann.  Kinder und spielfreudige Erwachsene werden die einzelnen Bauteile zusammenfügen, ehe es mit der Kirchenmusikerin an die „richtige“ Orgel geht,  um sich einen Eindruck davon vermitteln zu lassen, welche Möglichkeiten in der „Königin der Instrumente“ stecken. Der eigentlich an dieser Programmstelle geplante Festvortrag anlässlich der genau 50 Jahre zurückliegenden Restaurierung der Bielfeldt-Orgel ist abgesagt worden, weil einer der Referenten sich einer Operation unterziehen muss.

Abschlusskonzert

Das Familienkonzert am Sonnabend ab 17 Uhr steht unter dem Motto „Arche Noah“. Sonja Mackenberg fungiert als Erzählerin, und die Orgel wird von Caroline Schneider Kuhn gespielt.

Nach dem Sonntags-Gottesdienst mit der Superintendentin des Kirchenkreises, Jutta Rühlemann, und der Scharmbecker Kantorei (10 Uhr) übernimmt um 17 Uhr Saeko Kimura den Platz am Spieltisch der Barock-Orgel, um im Abschlusskonzert Werke von Vincent Lübeck, Dieterich Buxtehude und Jan Pieterszoon Sweelinck vorzutragen.

Die beiden Erstgenannten gelten als Protagonisten der Norddeutschen Orgelschule, die wiederum als auch von dem Niederländer Sweelinck beeinflusst gilt. Saeko Kimura wurde im japanischen Kyoto geboren und studierte in Kobe, um 2004 Deutschland zu bereisen, wo sie die Wesenszüge der norddeutschen und flämischen Orgeltradition kennenlernte. An der Hochschule für Künste in der Hansestadt Bremen studierte sie im Fach „Alte Musik Orgel“. Seit 2019 ist sie Organistin bei der Kirchengemeinde in Bremen-Hemelingen.

Großes Finale mit Saeko Kimura

Bis auf das Abschlusskonzert am Sonntag ist der Zutritt bei allen Veranstaltungen gebührenfrei. Die Karten für das Konzert mit Saeko Kimura sind für acht Euro und nur an der Abendkasse erhältlich.

Zur Sache

Orgel-Restaurierung liegt jetzt 50 Jahre zurück 

Anlass für die Spende, die den Guss der neuen Krallenglöckchen und die Überholung der Mechanik in den Zimbelsternen ermöglichte, ist der Umstand, dass die nachhaltige Restaurierung der historischen Erasmus-Bielfeldt-Orgel sich 2022 zum 50. Mal jährt. Die damaligen Pläne der Orgelsachverständigen Harald Vogel und Franz Lengemann sahen für die Arbeiten an der Barockorgel in St. Willehadi keine Veränderungen an den Originalteilen vor, was für diese Ära eher ungewöhnlich war. Die Orgelbauer Harry und Guntram Hillebrand (Hannover) rekonstruierten dabei die Pedalwindladen, die Pedalklaviatur und die fehlenden Pfeifen. Die 1972 abgeschlossene Restaurierung war ein Wendepunkt in der Restaurierungspraxis Niedersachsens, da hier zum ersten Mal eine konsequente Restaurierung und Rekonstruktion der technischen Anlage und des Pfeifenwerks im Sinne des Erbauers durchgeführt wurden. Wichtig war auch die erstmalige Anwendung einer ungleichschwebenden Temperatur bei einer Orgel der Schnitger-Schule. Die Krallenglöckchen, die in diesen Tagen eingebaut worden sind, wurden mit Spenden der Volksbank Osterholz Bremervörde und mit Mitteln des Freundeskreis Scharmbecker Kirchenmusik finanziert.  

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