Kurzurlaub im Harz Wo es mit dem Teufel zugeht

Schlösser bestaunen, Waldrunning und Teufelsmauer. Warum man im Harz nicht nur wandern, sondern auch mit bis zu 85 Kilometern in der Stunde über die Talsperre rauschen kann. Wir stellen Ausflugstipps vor.
07.12.2019, 13:07
Lesedauer: 6 Min
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Wo es mit dem Teufel zugeht
Von Stefan Dammann

Mitten im Nichts des nördlichen Harzvorlandes in Sachsen-Anhalt erhebt sich ein wahrhaft bizarres Naturwunder. Auf mehr als 20 Kilometern Länge ragen an mehreren Stellen des fast platten und grünen Landes Felsen aus der Erde. Wie hingeworfen. Mal klobig und unerklimmbar, mal wie in den Boden gesteckte hauchzarte Täfelchen, die der nächste Sturm umzuwehen droht. Die Teufelsmauer ist ein wunderbares Ziel für einen Kurzbesuch im Harz, der sich mit anderen Attraktionen verbinden lässt, auch solchen mit Adrenalinkick.

Seit 1935 ist die Teufelsmauer ein Naturschutzgebiet und damit eines der ältesten Deutschlands. Sie lässt sich von West nach Ost an acht Orten mit sehr unterschiedlichen Felsen und Formationen bestaunen; auch wenn sich alsbald die Erkenntnis durchsetzt, dass es wohl nicht der Teufel war, der diese Haufen verursacht hat. Anders als in der Sage überliefert (siehe unten), handelt es sich ernüchternd um Ablagerungen aus der Kreidezeit, an deren Ende sich vor 85 Millionen Jahren der Boden hob und den Sandstein zu gewaltigen Skulpturen aufschob. Schon Goethe sagte bei seinem Besuch: „Sie sind so merkwürdig schön“. Und Goethe kannte sich ja wohl aus, hat er doch gefühlt den ganzen Harz durchwandert. Und noch viel mehr.

Der offizielle Teufelsmauerstieg ist fernab der Straße mit kleinen Umwegen zehn Kilometer länger als die direkte Verbindung. Er beginnt in der ehemaligen Kreisstadt Blankenburg, von Bremen aus gesehen gleich hinter Wernigerode, und führt über Timmenrode, Warnstedt, Weddersleben, Neinstedt und Rieder bis nach Ballenstedt. Wer mag, erwandert den gut ausgeschilderten Pfad an zwei bis drei Tagen oder nimmt für einen Tag das Fahrrad. Wer es eilig hat oder weniger sportlich ist, fährt mit guter Landkarte mit dem Auto von Stopp zu Stopp und kann so Felsen mit den schönen Namen Großvater, Schweinekessel, Gegensteine oder Hamburger Wappen bestaunen, besteigen oder besuchen.

Wem das zu lang ist, der pickt sich die besten Stücke heraus, beginnt in Weddersleben und wandert in einem Tag etwa 15 Kilometer nach Blankenburg, also andersherum. Wer das Auto dabei hat, kann am nächsten Tag noch nach Neinstedt und Ballenstedt fahren, der Rest ist erlässlich. Ohnehin ist der Harz seit jeher ein Wanderparadies für unterschiedliche Geschmäcker. Der Westharz mit seinen schnell wachsenden und dunklen Nadelwäldern als Folge des Bergbaus gefällt nicht jedem, zumal der Borkenkäfer bald alles weggefressen hat. Ganz zur Freude der Laubbaumliebhaber und der Förster, die damit schneller zum Ziel kommen, das Leid der Monokultur Nadelholz loszuwerden.

Im Ostharz dagegen erstrecken sich famose Misch- und Laubwälder, die je nach Jahreszeit mit hellgrüner oder herbstgelber Buche zu ausgedehnten Wanderungen einladen – vor allem auf der Achse Thale-Stolberg und damit nahe der Teufelsmauer. Besonders das einst beschauliche Thale klotzt mit einer Touristenattraktion nach der anderen und hat sich zu einem Mekka des Ostharzes entwickelt. Zwei Seilbahnen führen nicht nur zur sagenumwobenen Rosstrappe, sondern eben auch in schöne kleine Gebirge und Laubwälder. Wasserwelten, Tierpark, Freizeitpark und vieles mehr ziehen vor allem an Wochenenden reichlich Menschen an.

Nicht weit der Teufelsmauer liegt auch Quedlinburg, schon zu Zeiten der DDR neben dem auch nahen Wernigerode Besucherziel Nummer eins. Beide Orte haben ein Schloss, eine sehr gut erhaltene Altstadt und den Anschluss an die Harzquerbahn. Doch nur von Wernigerode geht es damit flott zum Brocken hinauf. Dafür hat Quedlinburg den amtlichen Stempel für seine Schönheit, die Stadt ist seit 1994 Unesco-Welterbe und gehört mit 80 Hektar und mehr als 2000 Fachwerkhäusern zu den größten Flächendenkmalen Deutschlands. So langsam kommt der Harz weg vom Image des Urlaubsorts für alte Menschen. Vor allem im Osten. Wer die sicher schönen alten Bergwerke, Tropfsteinhöhlen, Dampflokomotiven oder das Oberharzer Wasserregal (Unesco-Welterbe) schon oft genug gesehen hat oder gar nicht erst sehen will, dem gefallen vielleicht andere und vor allem neue Attraktionen. Zum Beispiel die Rappbodetalsperre nahe Elbingerode, an der fester Boden unter den Füßen neuerdings gar nicht hipp ist.

Die Talsperre als solche ist schon länger eine Sehenswürdigkeit, ist sie mit 415 Metern Länge und 106 Metern Höhe die höchste in Deutschland und schützt die im Bodetal liegenden Ortschaften. Sie kann 109 Millionen Liter Wasser stauen und gehört zu einem komplizierten Talsperrensystem des Ostharzes. Zu Fuß ist sie entlang der Straße gut zu überqueren, Schwindelfreiheit beim Heruntergucken ist jedoch Voraussetzung. In der nachgelagerten Wenderfurther Talsperre gibt es technische Informationen aller Art.

Wem das nun aber zu langweilig ist, der kann auch auf andere Art und für sechs Euro pro Person von einer zur anderen Seite. Seit 2017 geht es zu Fuß über die mit 458 Metern längste Fußgänger-Seilhängebrücke der Welt. Festes Schuhwerk ist da schon ratsam, auch wenn Handlauf und Edelstahlnetze für Sicherheit sorgen. Doch wer zu seinen Füßen blickt, guckt auf Gitterroste und Wasser. Schwankungen und Vibrationen sorgen für den nötigen Adrenalinkick. Kaum vorstellbar, dass sich das Bauwerk mit der gewaltigen Zugkraft von fast 950 Tonnen in die Schieferfelsen der Talseiten krallt. Gebaut hat die Brücke ein auf Hochgebirgsbau spezialisiertes Unternehmen aus Österreich.

Wem das noch nicht genug ist, macht Wallrunning. Oben auf der Staumauer legen einem Fachleute das mit einem Seil gesicherte Geschirr an, und dann läuft man einfach los. Nur nicht nach vorne, sondern nach unten. 43 Meter senkrecht mit waagerecht liegendem Körper in die Tiefe, immer an der Staumauer entlang und der Erde entgegen.

Wieder nicht genug? Die letzte Chance für Hartgesottene ist die Megazipline und damit Europas größte Hängeseilrutsche. Der letzte Kick des Harzurlaubs. Wieder legt jemand dem Gast ein Geschirr an, klickt ihn wie in einem Kletterpark in ein Metallseil, und los. Mit bis zu 85 Kilometern in der Stunde rauschen parallel zwei Menschen abwärts einen Kilometer über die Talsperre auf die andere Seite, wo sie ein Helfer sanft empfängt. Der Spaß kostet 39 Euro pro Person.

Um sich anschließend zu erholen, können Sie sich zum Beispiel vor den Fernseher setzen. Besorgen Sie sich einen Film, vielleicht „Der Medicus“, „Die Päpstin“, „Tom Sawyer“ oder „7 Zwerge, der Wald ist nicht genug“. Sie sind nur eine kleine Auswahl von Werken, die im Harz gedreht worden sind. Denn mit seinen 4000 Quadratkilometern bietet die Region eine einzigartige Kulisse für Film- und Fernsehproduktionen.

Unter den spektakulärsten Motiven finden sich die ursprünglichen Landschaften mit Bergwäldern, steilwandigen Tälern, Wiesen und Mooren wieder. Aber auch die Höhlen, Stollen und Schachtanlagen inspirieren zu magischen Filmmomenten und zeugen von einer mehr als 3000-jährigen Bergbautradition. Industriedenkmäler, bedeutende Sakralbauten und Fachwerkensembles verleihen der Region einen besonderen architektonischen Glanz.

Die mystischen Burgen und Schlösser des Harzes waren bereits Schauplatz für viele Filme, die im Mittelalter spielen, Geschichten aus dem Ersten Weltkrieg aufgreifen oder in den 1930er- und 1940er-Jahren angesiedelte Storys verfilmten.

Info

Zur Sache

Mythos Teufelsmauer

Nachdem Gott die Erde geschaffen hatte, begehrte der Teufel einen Anteil davon. Besonderes Interesse hatte der Teufel am Harz, der sein absolutes Lieblingsgebirge war. Lange Zeit zog sich dieser Streit um die Harzregion hin. Dann lenkte Gott ein, um den Streit ein für allemal zu beenden. Er sagte zum Teufel: „Gut, wenn du so hartnäckig darauf bestehst, dann wollen wir das Land am Harz teilen. Du erhältst das Gebirge und ich das fruchtbare Land vor dem Harz.

Du musst aber eine Grenzmauer ziehen, die unsere Herrschaftsgebiete voneinander trennt. Bedingung ist aber, dass du das Werk in einer Nacht vollendest, bevor der Hahn zum ersten Mal kräht, musst du fertig sein. Dann soll dir die eine Hälfte des Harzlandes gehören und mir die andere.“

Der Teufel schlug in den Pakt ein. Und er stürzte sich sofort an die Arbeit und schaffte die ganze Nacht. Fast war er fertig, nur noch einen großen Stein musste er in die Mauerkrone einfügen.

Da kam eine Bauersfrau aus Timmenrode des Weges. Sie hatte eine Tragekiepe auf dem Rücken und darin einen Hahn, den sie auf dem Markt in Blankenburg verkaufen wollte. Plötzlich stolperte die Bäuerin über einen Kieselstein, der Deckel ihrer Kiepe sprang auf, der Hahn reckte seinen Hals heraus und begann zu krähen.

Da wusste der Teufel, dass er die ihm gestellte Aufgabe nicht erfüllt hatte und sein geliebter Harz ihm für immer verloren war. Er geriet in unbändige Wut, nahm den letzten, riesigen Stein und schleuderte ihn mit aller Teufelskraft gegen die fast fertige Mauer. Es gab ein höllisches Getöse und die obersten Steinlagen stürzten ein und zerschellten auf der Erde, wo sie noch heute liegen.

Seit dem nennt man diese Gesteinsformation Teufelsmauer.

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