Meine Woche

Die mühsame Suche nach einem Nachfolger

Beim kommissarischen Vorsitzenden des Beckedorfer TC, Dieter Weber (71), sind momentan Biathlon und natürlich Fußball-Bundesliga angesagt. Laut Weber hatte Werder beim 1:3 gegen Bayern München keine Chance.
16.03.2021, 12:54
Lesedauer: 6 Min
Zur Merkliste
Von Karsten Hollmann
Die mühsame Suche nach einem Nachfolger

Dieter Weber schläft sonnabends immer etwas länger.

FR

Mittwoch, 10. März: Wie immer beginnt der Tag bei mir mit einem ausgiebigen Frühstück und Zeitung lesen, da mich alle Bereiche interessieren. Ich möchte wissen, was in „Buten & Binnen“ passiert. Am Vormittag fahre ich zum Verein, um mit meinem Vereinskollegen und meiner Bürokraft Udo Obiegly einige aktuelle Themen zu besprechen. Bedingt durch die Corona-Zeit kommt es in der Verwaltung zu einer erheblichen Mehrbelastung, da hier ständig nachgesteuert werden muss - gerade bei Buchungen der Halle sowie erst recht bei der ständigen Anpassung der gesetzlichen Vorgaben durch die Pandemie über den Landessportbund (LSB) beziehungsweise den Landkreis. Außerdem bearbeite ich einige Mails zur Nachbesetzung unser freigewordenen Haustechniker-Stelle sowie zum planerischen Ablauf für anstehende Arbeitsdienste im Verein. Außerdem führe ich ein Gespräch mit unserem Platzwart Wolfgang Hartmann, der für die Arbeiten durch eine externe Firma zur Instandsetzung der Außenplätze zusammen mit unseren Sportwart Thomas Patzelt verantwortlich ist. Ein endgültiger Termin hierzu steht aber noch nicht fest. Da wir einen Antrag zur finanziellen Unterstützung beim LSB „Aktiv durch den Winter“ gestellt haben, bespreche ich die weitere Vorgehensweise mit Udo Obiegly. Hierzu stehen immerhin 600 Euro bereit, die der Verein abfordern kann. In einem Telefonat mit unserem Schatzmeister Thomas Lorzinski stimme ich mich hierzu noch einmal ab. Auch besprechen wir uns über das weitere Vorgehen von Antragstellungen der Fördermittel über den LSB. Am Abend führe ich noch ein längeres Telefonat mit unserem Mitglied Rainer Wienberg. Rainer leitet mehrere Gruppen der Herren 60/70 plus. Da es hier verletzungs- und altersbedingt immer wieder zu Ausfällen kommt, wollen wir in Gesprächen versuchen, die Gruppen neu aufzustellen. Abends ist natürlich Champions-League-Time. Mein Tipp zu Werders Nachholspiel in der Fußball-Bundesliga bei Arminia Bielefeld kommt fast hin. Ich hatte 3:1 für die Bremer getippt.

Donnerstag, 11. März: Am Vormittag nehme ich Arzttermine wahr, da ich mir leider beim Tennisspielen einen Muskelfaserriss im Oberschenkel zugezogen habe. Am Nachmittag sollte ein kleiner (Genesung)-Spaziergang an der Weser und durch den schönen Stadtgarten stattfinden. Dieser muss aber leider wegen des schlechten Wetters ausfallen. Nachmittags habe ich noch ein Termin mit unserer Heizungsfirma im BTC. Dieses Gespräch ist erforderlich, da unsere Hallenheizung einmal jährlich gewartet werden muss. Da wir hierzu nur ein Zeitfenster von etwa zweieinhalb Stunden haben, führe ich auch ein Gespräch mit unserem hauptberuflichen Trainer Frank Henk, damit die Trainingsabläufe und normalen Spiele in der Halle vor und nachher nicht gestört sind. Weil wir, bedingt durch die Pandemie, zurzeit nur Einzel spielen dürfen, muss auch dieser Ablauf besprochen werden. Hier sind die Trainer in besonderer Weise zusätzlich belastet, da sie beim Einzel-Training mit zwei Spielern nicht mit auf den Platz dürfen. Trotzdem sind wir froh, dass wir überhaupt spielen dürfen. Das zeigt sich auch bei unseren Mitgliedern, die hoch motiviert fast jede freie Stunde in der Halle buchen. Wenn ich da zu meinen Freunden nach Passau schaue, dann können wir sehr zufrieden sein, denn die dürfen seit November 2020 nicht spielen. Den Abend genieße ich in Ruhe ohne fernsehen, da ich die Berichte und Diskussionen über Corona nicht mehr hören und sehen kann, bei einem guten Glas Rotwein - Corona lässt grüßen.

Freitag, 12. März: Mein Tag beginnt sehr früh um 7 Uhr, da dann immer ein wenig Hausarbeit ansteht. Von 9.30 Uhr steht dann meine „Gute Seele“ bereit, um meine Wohnung so herzurichten, dass man (Mann) sich richtig wohl fühlt. Leider hat der gestrige Sturm die gesamte Schutzhülle von meinem Strandkorb zerrissen und selbigen beschädigt. Nachdem ich die Schäden beseitigt habe, genieße ich noch eine kurze Zeit meinen schönen Ausblick auf die Weser ins Hinterland von Lemwerder und neuerdings den Anblick des Segelschulschiffes Gorch Fock, das direkt gegenüber am Kai der Lürssen-Werft liegt. Gegen 11 Uhr fahre ich zum Arbeiten zum Verein. Heute steht das Vorstellungsgespräch mit dem neuen Haustechniker an. Wir einigen uns auf eine Probezeit von vier Wochen und verabreden uns für Montag um 9 Uhr zum ersten Arbeitsdienst. Des Weiteren führe ich Telefonate mit fünf Mitgliedern, die ich für die nächste Woche zum Arbeitsdienst benötige. Zwei Container für Baumschnitt-Abfälle bestelle ich ebenfalls. Am Spätnachmittag stehen noch einige Einkäufe fürs Wochenende an. Bevor es dunkel wird, mache ich noch einen kleinen Spaziergang durch die Fußgängerzone, den Hafen und Stadtgarten. Mehr lässt der kaputte Oberschenkel nicht zu. Wenn ich dabei sehe, was in Vegesack so passiert hinsichtlich des Abrisses „Haven Höövt“, Schließung der Strandlust oder des möglichen Verlusts des Schulschiffs Deutschland frage ich mich schon, wo unsere Politiker waren, und ob es soweit kommen musste.

Sonnabend, 13. März: Bei einem ausgiebigen Frühstück lese ich den WESER-KURIER. Danach geht es zum Grünmarkt nach Vegesack, um den Kühlschrank wieder auf Vordermann zu bringen. Auch wenn das Wetter sich nicht von der besten Seite zeigt, trifft man immer wieder Bekannte/Freunde, mit denen man dann in einen Small-Talk kommt, natürlich mit Maske und Abstand. Zugegebenermaßen war das vor Corona alles viel schöner. Am Nachmittag wird noch ein wenig Auto-Pflege betrieben. Dann treffe ich Vorbereitungen für die morgige Fahrt nach Duhnen in meine Ferienwohnung. Ich möchte schon mal nach den Rechten sehen, denn die Saison beginnt bald. Zum späten Nachmittag mache ich es mir dann gemütlich, um ein wenig „Fern“ zu sehen. Biathlon und natürlich Fußball-Bundesliga sind angesagt. Werder hat beim 1:3 gegen Bayern München keine Chance. Den Rest des Abends verbringe ich mit einem guten Buch.

Sonntag 14. März: Da sich das Wetter immer noch nicht von einer besseren Seite zeigt, räume ich ein wenig meine Wohnung auf, um dann gegen 13 Uhr Richtung Duhnen zu fahren. In Duhnen scheint ein wenig die Sonne. Und somit habe ich dann doch noch einen schönen Nachmittag, indem ich auf der Promenade einen ausgiebigen Spaziergang unternehme. Um 17 Uhr fahre ich wieder Richtung Bremen. Den Abend verbringe ich mit einigen Telefonaten und Büchern.

Montag, 15. März: Am Morgen steht noch ein Arzttermin an, der aber schnell erledigt ist. Anschließend steuere ich einige Geschäfte an, um für unseren Verein Anschaffungen zu machen, damit wir für die anstehenden Arbeitsdienste in den nächsten Wochen alles zusammen haben. In einem Telefonat mit Wolfgang Hartmann erfahre ich, dass die Firma, die unsere Plätze wieder instand setzt, schon am späten Nachmittag mit den Arbeiten beginnen will. Dies ist aus unserer Sicht sehr erfreulich, denn jeder Tennisverein ist froh darüber, wenn die Plätze so früh wie möglich fertig und bespielbar sind. Den Abend verbringe ich überwiegend am PC, um noch privat wie auch für den Verein einiges zu erledigen. Da ich als Vorsitzender des BTC über keinen Stellvertreter verfüge, gilt es, sowohl administrativ als auch bei den operativen Aufgaben einiges an Mehrarbeit für mich zu erledigen. Ich suche bereits seit zwei Jahren einen Nachfolger. Vakanzen gibt es auch beim 2. Vorsitzenden sowie beim Pressewart. Wenn ich sehe, wie hier Vereine mit ständig neuen Vorgaben vor der Politik und auch teilweise den Verbänden hergetrieben werden, kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass wir immer weniger Nachwuchs ins Ehrenamt bekommen. Dies muss dringend geändert werden, damit der jetzigen Verdrossenheit ein Ende gesetzt wird und damit neue Impulse und Anreize geschaffen werden, sodass das Ehrenamt wieder Spaß macht. Hier sind Politik und Verbände in besonderer Weise gefordert.

Dienstag, 16. März: Gegen Mittag führe ich ein Telefonat mit Thomas Patzelt über die anstehende Sommersaison. Dabei teilt er mir mit, dass er trotz der Pandemie-Probleme immerhin 22 Mannschaften für den Spielbetrieb melden konnte. Das sind im Einzelnen neun Herren-, fünf Damen- und acht Jugend-Mannschaften. Das ist erst einmal sehr erfreulich. Wir hoffen nun beide, dass wir die Saison auch tatsächlich spielen können. Die Corona-Fallzahlen und die Inzidenzwerte steigen ja gerade wieder an. Unsere Mitglieder sind auf jeden Fall, das zeigt ja auch die hohe Zahl der Mannschaftsmeldungen, heiß darauf, endlich wieder auf dem Platz zu stehen. Den Nachmittag verbringe ich mit einem Weser-Spaziergang, damit die Gesundheit auch nicht zu kurz kommt, um anschließend bei Kaffee und Kuchen den Tag ausklingen zu lassen.

Alexander Zippel, der Spielertrainer des FC Hansa Schwanewede II aus der 1. Fußball-Kreisklasse Osterholz wird als Nächster über seine Woche berichten.

Info

Zur Person

Dieter Weber (71)

ist kommissarischer Vorsitzender des Beckedorfer TC. Der Rentner war 38 Jahre als Verwaltungsangestellter im öffentlichen Dienst tätig und sucht einen Nachfolger für sein Ehrenamt. Der Funktionär ist bereits seit 34 Jahren Mitglied beim BTC und wohnt in Vegesack.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+