Wettkampftag im Überblick

Wasserspringerinnen Punzel und Hentschel holen erste deutsche Medaille

Bei Olympia hat das deutsche Team die ersten Medaillen gewonnen. Außerdem gab es den ersten Weltrekord, einen weiteren prominenten Corona-Fall und eine große Überraschung im Damen-Tennis.
25.07.2021, 09:24
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Von dpa

Bei den Olympischen Spielen in Tokio konnte das deutsche Team seine erste Medaille bejubeln. Außerdem ging eine weitere Goldmedaille an die Gastgeber. Zwei prominente Namen sind im Tennis nicht mehr dabei, ein deutscher Schwimmer wird Vierter. Ein Blick auf die Nacht und den Morgen bei Olympia:

Synchronspringen: Lena Hentschel und Tina Punzel haben dem deutschen Team die erste Medaille bei den Olympischen Spielen in Tokio beschert. Im Synchronspringen vom Drei-Meter-Brett gewannen die Europameisterinnen die Bronzemedaille. Hentschel und Punzel mussten sich am Sonntag im Tokyo Aquatics Celntre nur den starken chinesischen Siegerinnen Shi Tingmao und Wang Han sowie dem Duo aus Kanada geschlagen geben.

Bei Olympia in Rio de Janeiro 2016 hatte Rekordeuropameister Patrick Hausding mit Bronze im Kunstspringen vom Drei-Meter-Brett die einzige deutsche Sprungmedaille gewonnen. Der Erfolg zum Start gibt dem Team um Fahnenträger Hausding Auftrieb – und wohl nicht nur dem.

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Für die Berlinerin Hentschel und Punzel aus Dresden ist es der größte Erfolg der bisherigen Karriere. Um besser mit Punzel trainieren zu können, zog die 20-jährige Hentschel extra nach Dresden. 

Im Gegensatz zu Hentschel war Punzel auch in Rio schon dabei. Dort wurde die heute 25-Jährige Siebte im Synchronspringen vom Dreier. Zudem ist sie viermalige Europameisterin. Sie hatte vor den Spielen mit Bronze geliebäugelt.

„Das ist das, wofür wir fünf Jahre trainiert haben“, sagte Punzel und zeigte stolz die Medaille, die um ihren Hals hing. „Dass es so aufgegangen ist, ist einfach superschön und gar nicht in Worte zu fassen.“ Die 25-Jährige hoffte auf „ein Gläschen Sekt am Abend“, Bundestrainer Lutz Buschkow hielt sich bei diesen Worten lachend die Ohren zu.

Bogenschießen: Michelle Kroppen (Jena), Charline Schwarz (Feucht) und Lisa Unruh (Berlin) siegten am Sonntag im Yumenoshima Park im kleinen Finale des Team-Wettbewerbs gegen Belarus mit 5:1 (55:48, 53:51, 55:55). Letztmals hatte ein deutsches Frauen-Team in Sydney 2000 eine Medaille geholt.

Das Trio um Unruh, die 2016 in Rio mit Silber die erste deutsche Einzel-Medaille in dieser Sportart überhaupt geholt hatte, war zuvor im Halbfinale an den russischen Bogenschützinnen mit 1:5 gescheitert und hatte damit das Endspiel gegen Übermacht Südkorea verpasst.

„Überwältigend! Arschbacken zusammen, Bäääm! Es war geil“, schwärmte Unruh nach dem klaren Sieg gegen bei fast 35 Grad Celsius Hitze im Yumenoshima Park. „Ich habe mir die Team-Medaille so gewünscht. Es ist so schön, zusammen zu siegen und sich zu freuen. Es ist genau das, was ich mir erträumt habe.“

Schwimmen: Henning Mühlleitner hat eine Medaille nur ganz knapp verpasst. Der 25-Jährige belegte über 400 Meter Freistil den vierten Platz. Mühlleitner war völlig überraschend als Vorlaufbester in den Endlauf eingezogen und hatte damit Hoffnungen auf die erste Medaille der deutschen Beckenschwimmer seit 2008 geweckt. "Jetzt ist es natürlich die Blechmedaille oder Holzmedaille oder wie auch immer man es nennen mag, aber das stört mich relativ wenig", sagte Mühlleitner und war "maximal zufrieden mit dem, was ich heute geleistet habe". „Ich habe angeschlagen und wusste, es war alles, was ich hätte geben können. Das ist für mich die größte Genugtuung. Den kleinen Wermutstropfen vierter Platz – den muss ich, glaube ich, so hinnehmen.“

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Bei olympischen Rekorden über 100 Meter Rücken fast im Minutentakt hat die deutsche Schwimmerin Laura Riedemann das Halbfinale verpasst. Zunächst schlug die Kanadierin Kylie Mass in 58,17 Sekunden an, einen Vorlauf später verbesserte Regan Smith die Marke auf 57,96. Wieder ein Rennen danach unterstrich die Australierin Kaylee McKeown in 57,88 als Weltrekordlerin ihre Favoritenstellung. Weiter mit dabei ist auch die Australierin Emily Seebohm, die bis zum Sonntag die olympische Bestmarke hielt. Riedemann blieb in 1:00,81 Minuten unter ihren Möglichkeiten.

Radsport: Emanuel Buchmann ist wie geplant abgereist. Das bestätigte sein Teamkollege Simon Geschke der Deutschen Presse-Agentur. Nach dem positiven Corona-Test von Geschke war zunächst unklar, ob dessen Zimmerkollege Buchmann nach Hause fliegen durfte. Der Ravensburger war mehrfach negativ getestet worden, musste aber statt im Teamhotel im Olympischen Dorf übernachten.

Im Straßenradrennen der Frauen hat die Österreicherin Anna Kiesenhofer hat für eine Sensation gesorgt. Die 30-Jährige gewann am Sonntag überraschend die Goldmedaille und düpierte damit das hochfavorisierte Ausnahme-Team der Niederlande. Kiesenhofer siegte in dem anspruchsvollen Rennen nach 137 Kilometern mit 2700 Höhenmetern im Alleingang vor der Niederländerin Annemiek van Vleuten und der Italienerin Elisa Longo Borghini.

Beste Deutsche war Ex-Zeitfahr-Weltmeisterin Lisa Brennauer auf Platz sechs. „Auf dem Papier sieht der sechste Platz sehr gut aus, aber wenn man so nah am Podium ist, ist ein weinendes Auge dabei. Am Ende war der Ofen aus“, sagte Brennauer.

Gastgeber-Gold: Tränen der Freude flossen bei der japanischen Schwimmerin Yui Ohashi nach ihrer Goldmedaille über 400 Meter Lagen. Sie setzte sich vor den Amerikanerinnen Emma Weyant und Hali Flickinger durch, überraschend nur Fünfte wurde Ungarns Weltrekordlerin Katinka Hosszu. Tags zuvor hatte der Judoka Naohisa Takato für das erste Gold der Gastgeber gesorgt. Der Coup dominierte am Sonntag die Titelseiten der japanischen Sportzeitungen.

Und auch die Ausgaben der nächsten Tage sollten gut gefüllt sein: Die Geschwister Uta und Hifumi Abe bescherten Japan olympisches Doppel-Gold. Die 21-jährige Uta Abe holte sich am Sonntag im ehrwürdigen Nippon Budokan von Tokio den Olympiasieg in der Klasse bis 52 Kilogramm, wenig später triumphierte ihr zwei Jahre älterer Bruder Hifumi in der Kategorie bis 66 Kilogramm. Für das Team des Olympia-Gastgebers waren es bei den Heimspielen bereits die Goldmedaillen Nummer vier und fünf. Mit nun insgesamt 42 Olympia-Goldmedaillen ist Japan die mit Abstand erfolgreichste Nation im Judo.

Corona: Die Olympia-Organisatoren von Tokio haben zwei weitere Corona-Fälle bei Athleten bestätigt. Insgesamt vermeldeten die Macher der Sommerspiele zehn Neuinfektionen im Umfeld von Olympia. Damit stieg die Zahl der positiven Tests bei den Spielen seit Beginn der Erfassung am 1. Juli auf 132. Einer der betroffenen Athleten ist der Mitteilung zufolge ein niederländischer Ruderer. Das Oranje-Team hatte bereits am Samstag den Corona-Fall des 21 Jahre alten Finn Florijn bestätigt. Im deutschen Team hatte es am Eröffnungstag durch Radsportler Simon Geschke den ersten Corona-Infizierten gegeben.

Corona-Fall:US-Golfstar Bryson DeChambeau wird die Olympischen Spiele wegen eines positiven Corona-Tests verpassen. Bei dem 27-jährigen Amerikaner wurde die Infektion vor seiner Abreise in die japanische Hauptstadt festgestellt, teilte das US-Team mit. Damit fehlt einer der Favoriten auf die Goldmedaille bei dem olympischen Golfturnier (29. bis 1. August) im Kasumigaseki Country Club.

Basketball: Die deutschen Basketballer sind mit einer Niederlage in ihr erstes olympisches Turnier seit 13 Jahren gestartet. Die Mannschaft von Trainer Henrik Rödl musste sich Italien mit 82:92 (43:46) geschlagen geben und verpasste am Sonntag in Saitama nördlich von Tokio den ersten Schritt in Richtung Viertelfinale. Bester deutscher Werfer vor leeren Rängen in der Super Arena war Maodo Lo mit 24 Punkten. 

In der Vorrundengruppe B trifft Deutschland nun am Mittwoch (3 Uhr/MESZ) auf Nigeria und anschließend am kommenden Samstag auf den WM-Vierten Australien. Die beiden besten Teams der Gruppe ziehen sicher in die Runde der letzten Acht ein, zudem kommen zwei der drei Drittplatzierten in die erste K.o.-Runde. Bei ihrer zuvor letzten Olympia-Teilnahme war die Auswahl des Deutschen Basketball Bundes um Superstar Dirk Nowitzki 2008 in Peking in der Vorrunde gescheitert.

IOC: Das Internationale Olympische Komitee hat seine strikte Haltung zu politischen Meinungsäußerungen während olympischer Wettkämpfe geändert. Bereits bei den Tokio-Spielen soll von Fall zu Fall entschieden werden, was zulässig sei oder nicht. "Jeder Fall muss im Kontext einzeln betrachtet werden", sagte IOC-Sprecher Christian Klaue im Deutschlandfunk-Podcast "Players".

Weltrekord: Über 4 x 100 Meter Freistil stellte die australische Frauen-Staffel einen Weltrekord auf. Mit einer Zeit von 3:29,69 Minuten gewannen die Schwimmerinnen Gold vor Kanada und den USA. Die bisherige Bestmarke über die Distanz lag bei 3:30,05 Minuten und war im April 2018 auch durch ein australisches Team aufgestellt worden.

Tennis: Mit dem Aus für Wimbledonsiegerin Ashleigh Barty hat es beim olympischen Tennisturnier gleich am zweiten Wettkampftag die erste große Überraschung gegeben. Die australische Weltranglisten-Erste verlor bei ihrer Olympia-Premiere am Sonntag gegen die Spanierin Sara Sorribes Tormo in zwei Sätzen mit 4:6, 3:6. Bei den Herren zog sich der zweimalige Olympiasieger Andy Murray wegen Oberschenkelproblemen aus dem Einzel-Wettbewerb zurück. Im Doppel will er im Achtelfinale gegen das deutsche Duo Kevin Krawietz und Tim Pütz aber antreten.

Ohne Probleme hat der deutsche Tennis-Hoffnungsträger Alexander Zverev auch seine Auftaktmatch im Einzel gewonnen. Einen Tag nach dem erfolgreichen Auftakt im Doppel-Wettbewerb besiegte der Medaillenkandidat am Sonntag den klaren Außenseiter Lu Yen-Hsun aus Taiwan 6:1, 6:3. Nach nur 59 Minuten war die einseitige Partie auf dem zweitgrößten Platz des Ariake Tennis Parks in Tokio entschieden. In der zweiten Runde trifft der 24 Jahre alte Hamburger nun auf Daniel Elahi Galan aus Kolumbien.

Trotz einer ansprechenden Leistung konnte Tennis-Routinier Philipp Kohlschreiber den griechischen Mitfavoriten Stefanos Tsitsipas bei Olympia nicht stoppen. Der 37 Jahre alte Augsburger zwang den French-Open-Finalisten in einen dritten Satz, verlor am Sonntagabend in Tokio aber mit 3:6, 6:3, 3:6.

Nach einem Marathon-Match schied auch Laura Siegemund in der ersten Runde aus. Die deutsche Nummer zwei musste sich am Sonntag bei anstrengender Hitze der an Position vier gesetzten Ukrainerin Jelina Switolina 3:6, 7:5, 4:6 geschlagen geben. Bei Temperaturen von mehr als 30 Grad durften die Spielerinnen zwischen dem zweiten und dritten Satz eine Auszeit von rund zehn Minuten nehmen.

Aus dem deutschen Damen-Trio steht damit nur Anna-Lena Friedsam aus Andernach in der zweiten Runde. Im Doppel waren Siegemund und Friedsam als einzige deutsche Teilnehmerinnen angetreten und hatten am Samstag verloren. Im Einzel hatte zudem die Neumünsteranerin Mona Barthel eine Niederlage hinnehmen müssen. Wimbledon-Halbfinalistin und Rio-Silbermedaillengewinnerin Angelique Kerber fehlt verletzungsbedingt bei den diesjährigen Sommerspielen.

Rudern: Welt- und Europameister Oliver Zeidler hat auch sein Viertelfinale dominiert und ist ungefährdet ins Halbfinale eingezogen. Einen Tag nach seinem 25. Geburtstag war der Ruderer aus Ingolstadt zwar mehr als zwölf Sekunden langsamer als noch zum Start am vergangenen Freitag, aber auch sein norwegischer Dauerkontrahent Kjetil Borch und der im Vorlauf ebenfalls starke Grieche Stefanos Ntouskos waren in ihren Viertelfinals deutlich langsamer.

Tischtennis: Das deutsche Mixed Petrissa Solja und Patrick Franziska ist im Viertelfinale unglücklich an Gastgeber Japan gescheitert. Das Duo aus Berlin und Saarbrücken unterlag trotz starker Leistung den Mitfavoriten Jun Mizutani und Mima Ito knapp mit 3:4. Die 27-jährige Solja und der zwei Jahre ältere Franziska verpassten damit bei der olympischen Premiere des Mixed-Wettbewerbs die Chance auf die erste Medaille für den Deutschen Tischtennis-Bund in Tokio.

Hockey: Die deutschen Hockey-Damen sind erfolgreich in das Olympia-Turnier gestartet. Gegen Rio-Olympiasieger Großbritannien setzte sich das Team von Trainer Xavier Reckinger bei brütender Hitze im Oi Hockey Stadium am Ende verdient mit 2:1 (1:1) durch. Viktoria Huse (24. Minute/Siebenmeter) und Charlotte Stapenhorst (33.) erzielten die deutschen Tore beim wichtigen Startsieg. Sarah Jones (13.) hatte die Britinnen am Sonntag mit 1:0 in Führung gebracht.

Fechten: Florettfechterin Leonie Ebert ist ins Achtelfinale eingezogen. Die 21-Jährige gewann ihr spannendes Auftaktduell mit der Amerikanerin Jacqueline Dubrovich nach einem Kraftakt mit 15:14. Ebert geriet bei ihrer Olympia-Premiere in der Makuhari Messe-Halle zunächst in Rückstand, kämpfte sich aber zurück und lag zwischenzeitlich schon mit 14:11 in Führung. Sie musste allerdings nochmal zittern, setzte dann aber doch den entscheidenden Treffer.

Judo: Auch am zweiten Tag der olympischen Judo-Wettkämpfe in Tokio ist der deutsche Starter gleich im ersten Kampf ausgeschieden. Sebastian Seidl aus Abensberg verlor am Sonntag sein Duell in der Gewichtsklasse bis 66 Kilometer mit dem Russen Jakub Schamilow durch Bestrafungen in der Verlängerung. Am Vortag waren Katharina Menz und Moritz Plafky ebenfalls zum Auftakt gescheitert.

Bogenschießen: Die deutschen Bogenschützinnen haben im Team-Wettbewerb das Viertelfinale erreicht. Michelle Kroppen (Jena), Charline Schwarz (Feucht) und Lisa Unruh (Berlin) setzten sich im Yumenoshima Park mit dem olympischen Recurvebogen im Achtelfinale gegen Taiwan mit 6:2 (55:54, 47:54 52:49, 55:50) durch. Im Viertelfinale trifft das Trio am Nachmittag (Ortszeit) auf Mexiko.

Surfen: Leon Glatzer hat den direkten Einzug in die dritte Runde bei den Olympischen Spielen ganz knapp verpasst. Der 24-Jährige belegte bei der Olympia-Premiere seines Sports in der ersten Runde den dritten Platz und lag dabei mit 10,00 Punkten nur die Winzigkeit von 0,10 Zählern hinter dem zweitplatzierten Michel Bourez aus Frankreich. Erster wurde der brasilianische Surf-Superstar Gabriel Medina, der für seine besten Wellen 12,23 Punkte erhielt.

Schießen: Die Luftpistolenschützinnen Carina Wimmer aus Landau und Monika Karsch aus Regensburg haben das Finale deutlich verpasst. Das bayerische Duo kam in der Qualifikation auf der Asaka Shooting Range mit 571 und 568 Ringen nur auf die Plätze 20 und 29.

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