Immobilien in Bremen

10.000 Wohnungen vor dem Verkauf

Bremen. Mehr als 10000 Wohnungen in Bremen und Bremerhaven stehen offenbar vor dem Verkauf. Sie gehören zum Immobilien-Paket der Vitus-Gruppe und waren früher Eigentum der teilstädtischen Bremischen und Beamten-Baugesellschaft.
20.02.2014, 00:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
10.000 Wohnungen vor dem Verkauf
Von Jürgen Hinrichs
10.000 Wohnungen vor dem Verkauf

In Bremen stehen zahlreiche Wohnungen vor dem Verkauf.

dpa

Mehr als 10000 Wohnungen in Bremen und Bremerhaven stehen offenbar vor dem Verkauf. Sie gehören zum Immobilien-Paket der Vitus-Gruppe und waren früher einmal Eigentum der teilstädtischen Bremischen und Beamten-Baugesellschaft. Seit der Privatisierung klagen viele Mieter immer wieder über Mängel in ihren Wohnungen.

Das Dach löchrig, Wände und Decken nicht isoliert, Schimmel und Pilz überall – so präsentieren sich Häuser und Wohnungen der Bremischen im Stadtteil Osterholz. „Anrufen, schreiben, alles nützt nichts“, klagt einer der Mieter. Doch möglicherweise wird sich das bald ändern – oder noch schlimmer werden.

Die Bremische ist Teil der Vitus-Gruppe, genauso wie die Bremer Beamten-Baugesellschaft. Und Vitus, so berichten es verschiedene Medien, stehe zum Verkauf. Interessiert sein soll die Deutsche Annington, nach eigenen Angaben der größte Wohnungskonzern in Deutschland.

„Das Unternehmen möchte sich derzeit nicht dazu äußern“, sagte eine Vitus-Sprecherin auf Anfrage. In Bremen sollen Firmenvertreter nach Informationen unserer Zeitung bereits von einem Verkauf gesprochen haben. Es wäre wie bei Monopoly, und die Mieter mittendrin, schaut man sich die Geschichte an.

Die Beamten-Baugesellschaft wurde 1920 gegründet, die Bremische kurz nach dem Krieg. In beiden Fällen war die Stadt beteiligt und konnte mitbestimmen, welche Ziele die beiden Unternehmen verfolgen. Nach den Zerstörungen im Krieg ging es stark um den Wiederaufbau, wobei sehr darauf geachtet wurde, dass ein hoher Anteil von Wohnungen für Menschen mit kleinem Portemonnaie dabei ist.

Die Mieter durften sich damals quasi in städtischer Obhut fühlen, so wie heute in Bremen noch bei der Gewoba. Mit der Privatisierung in den 1990er-Jahren war das vorbei. Zuerst gingen die Wohnungen an die deutsche Beteiligungsgesellschaft WCM, dann wurde unter dem Namen Vitus an die amerikanische Blackstone-Gruppe verkauft und schließlich an den britischen Investor Round Hill Capital.

Weltweiter Handel

Wohnungen in Osterholz, Lüssum, Sebaldsbrück oder Gröpelingen, die weltweit als Spekulationsobjekte gehandelt werden – jetzt geht das offenbar in eine weitere Runde, wie unter anderem die Nachrichtenagentur Bloomberg gemeldet hat. Sie berief sich auf vertrauliche Informationen aus den beteiligten Unternehmen.

Demnach geht es bei dem Geschäft um den gesamten Immobilienbestand der Vitus-Gruppe und nicht allein um die Wohnungen in Bremen. Die Deutsche Annington, mit mehr als 200000 Einheiten ohnehin schon ein Riese auf dem Immobilienmarkt, würde noch einmal um rund 33000 Wohnungen wachsen.

„Marktgerüchte kommentieren wir nicht“, hieß es gestern aus der Konzernzentrale der Deutschen Annington in Bochum. Fakt ist, dass das Unternehmen schon einmal versucht hat, den Vitus-Bestand mit Bremen als Schwerpunkt zu übernehmen. Vor sieben Jahren war das an einem anderen Bieter gescheitert, der die Mittel hatte, einen höheren Preis zu zahlen: Round Hill Capital.

Der Verkäufer, Blackstone, hatte damals ein Versprechen abgegeben: „Sämtliche Mieterschutzbestimmungen und über das Mietrecht hinausgehende Verpflichtungen bleiben von der Transaktion unberührt.“ Die Beispiele aus Bremen sagen etwas anderes.

In Osterholz hat sich die Kirchengemeinde eingeschaltet. „Der Vermieter reagiert nicht, und falls doch mal, dann immer nur mit kleinen Reparaturen, die keine wirkliche Abhilfe schaffen“, sagte Harald Schröder, Diakon der Trinitasgemeinde. In Lüssum ist es offenbar nicht anders. Dort bewirtschaftet die Bremische für die Vitus-Gruppe eine Reihe von Wohnblöcken, die mit ihrer Ausstattung nach Schilderungen der Mieter in den 1950er-Jahren stehen geblieben sind.

Die Wohnungen werden gekauft und einige Jahre später wieder losgeschlagen. Das Heuschrecken-Prinzip. Als nächster Eigentümer könnte die Deutsche Annington auf den Plan treten, ein Unternehmen, das seinen Sitz in Deutschland hat, aber von London aus dirigiert wird. In London schauen sie dann auf Lüssum.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+