Schafsriss in Oberneuland Alles spricht für den Wolf

Die Indizien legen nahe, dass ein Wolf in Oberneuland gleich mehrere Schafe gerissen hat. Der Abschlussbericht steht allerdings noch aus.
12.06.2018, 17:58
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Alles spricht für den Wolf
Von Frauke Fischer

Zwei tote Schafe und ein schwer verletztes Tier – die Indizien legen nahe, dass ein Wolf in der Nacht zu Dienstag in Oberneuland sein Unwesen getrieben hat. Das kann sich auch der stellvertretende Präsident der Landesjägerschaft, Marcus Henke, gut vorstellen, der sich am Morgen ein Bild vor Ort gemacht hat. Die abschließende Bewertung steht aber noch aus.

Gut zwei Wochen dauert es, bis die DNA-Analyse zu dem Vorfall an der Oberneulander Landstraße vorliegt. Auch Sonja Herrmann, von der Umweltbehörde als Wolfsberaterin eingesetzt, ist am Dienstag direkt zu der Weide gefahren, um sich über das Geschehen zu informieren. Bis zum abschließenden Untersuchungsergebnis möchte sie sich aber nicht weiter zu dem Vorfall äußern. Es wäre das erste Mal, dass ein Wolf auf Bremer Gebiet ein Nutztier tötet – noch dazu auf einem Gelände, das mit einem Elektrozaun gesichert ist.

Drittes Tier wurde angefressen

Neben den beiden toten Schafen hat ein drittes Tier nur schwer verletzt überlebt. Dieses Schaf sei angefressen worden, sagt Nicole Bösche, die mit ihrem Freund Henning Bartels die Schafe und eine kleine Kuhherde mit einem Bullen auf Weiden hält.

Die beiden Tierbesitzer haben den Bio-Hof von Bartels Eltern übernommen. Gegen sieben Uhr morgens machen sie ihre erste Runde über das Land in der Nähe ihres Hauses und schauen dabei nach den Kühen und Schafen. Auch wenn es in der Vergangenheit im niedersächsischen Umland bereits Fälle gegeben hat, in denen Wölfe Rehe oder eben auch Nutztieren auf umzäunten Weiden gerissen haben, haben Bartels und Bösche rund um ihren Hof bislang noch keinen Wolf gesehen. Auch dieses Mal nicht: "Selbst Fußspuren haben wir nicht entdecken können", sagt Bösche. Noch bis nach Mitternacht hatte das Paar den Abend mit Freunden am etwa 200 Meter von der Weide entfernten Wohnhaus verbracht.

Schafe schreien nicht

„Schafe würden aber auch nicht schreien, wenn sie angegriffen werden“, sagt Bösche. Ihr kleiner Nebenerwerbsbetrieb – Bartels arbeitet hauptberuflich bei den Wasser- und Gaswerken in Osterholz, seine Freundin ist halbtags tätig – ist nicht nur finanziell wichtig, sagt Bösche. Man hänge ja auch an den Tieren. „Es gibt eine persönliche Beziehung. Wir sprechen sogar mit ihnen.“

Lesen Sie auch

Der Vizepräsident der Bremer Jägerschaft Henke sieht den Vorfall mit mehr Abstand. „Der Mensch und der Wolf leben schon sehr lange in Nachbarschaft zueinander", sagt er. Daher habe der Wolf keine Angst vor dem Menschen. Zudem hätten Wolf und Mensch nun mal die gleichen Beutetiere. Es könne daher sein, dass der Wolf noch einmal in die Region kommt, in deren Umgebung er in der Vergangenheit schon einmal Futter gefunden habe. Auch Henke will wie Wolfsberaterin Herrmann zunächst den Befund der Analyse anhand von Biss-Spuren abwarten. „In vielen Fällen ließ sich bislang ja nichts beweisen“, sagt er.

Die Tierhalter Bartels und Bösche können sich kaum vorstellen, dass es am Ende ein großer Hund gewesen ist, der ihre Tiere angegriffen hat. Das Paar kritisiert den Umgang mit dem Wolf: „Füchse werden gejagt. Wölfe aber nicht“, sagt Bösche. So würde deren Population immer größer und unbeherrschbarer. „Natürlich wünsche auch ich schnell eine finanzielle Entschädigung, aber das ist nicht alles. „Die Tiere bringt uns das ja nicht zurück.“ Wenigstens die Lämmer haben überlebt. Bösche vermutet, dass die Muttertiere sie bis zuletzt beschützt haben.

Lesen Sie auch

Lesen Sie auch

Lesen Sie auch

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+