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Antonios La Villa: Italienische Küche im klassischen Ambiente

Er ist ein Urgestein der italienischen Gastronomieszene in der Hansestadt. Nun ist Antonio Scialdone zurück in der Villa Ichon. In „Antonios La Villa“ serviert er authentische italienische Küche.
18.02.2018, 19:30
Lesedauer: 3 Min
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Antonios La Villa: Italienische Küche im klassischen Ambiente
Von Sigrid Schuer

Am Nebentisch im Restaurant „Antonios La Villa“, Goetheplatz 4, das Antonio Scialdone jetzt erneut übernommen hat, wird bereits von den zarten Kaninchenfilets geschwärmt. „Kaninchen bekommt man hier in Bremen ja so selten“, sagen die Damen am Nachbartisch, die eben noch die tropfenförmige Grappa-Flasche bewundert haben, in der ein mundgeblasener Dreimaster schwebt.

Stimmt, denn Kaninchen ist ein für den Süden Italiens typisches Gericht, das besonders gern auf der Insel Ischia gegessen wird. Wer einmal die Finessen der Küche am Golf von Neapel gekostet hat, wird äußerst angetan sein von der Kaninchenvariation, die in „Antonios La Villa“ auf die blütenweiß eingedeckten, mit jeweils einer roten Rose geschmückten Tische kommt.

Ein Gericht wie eine Oper

Die Filets, mit einem Rosmarin-Zweig dekoriert, sind saftig und zergehen auf der Zunge. Auf einem großen Teller sind sie dekorativ mit drei verschiedenen Gemüse-Sorten angerichtet. Der leicht bittere Geschmack des Mangolds kontrastiert mit der fruchtigen Würze gedünsteter Paprika und Zucchini und der leicht salzigen Note der Oliven.

Das Gericht wird abgerundet mit grünen Bohnen und knusprig gerösteten Rosmarinkartoffeln, die innen noch schön saftig und weich sind. 12 Euro sind für dieses Mittagsgericht mehr als angemessen, zumal vorweg eine sämige Minestrone serviert wird, in der fein geschnittene Stückchen von Karotten, Staudensellerie, dazu Erbsen und große Bohnen schwimmen. Allerdings hätte dieser Gemüsesuppen-Klassiker durchaus etwas mehr Würze vertragen können.

Als Gruß aus der Küche kommt ein Korb mit verschiedenen Brot- und Pizzasorten nebst drei Dipps auf den Tisch, die auf einem länglichen Teller angerichtet sind. Einer schmeckt dezent nach Meerrettich, der andere nach Joghurt mit einer feinen Kräuter-Knoblauch-Note. Einziges Manko: Die Baguettescheiben wirken zu trocken und damit zu zäh.

Auf der Karte steht mittags jeweils ein Pastagericht zu 8,50 Euro oder ein Gericht mit Fleisch oder Fisch, das 12 Euro kostet. Meine Kollegin ist begeistert von ihren Tagliarini mit Gambas und Pistazien und vergleicht das Gericht gar mit einer Oper: „Die drei Gambas sind die Hauptdarsteller, die Miniatur-Kirschtomaten und die Pistazien mit ihrem nussigen Geschmack sind die Komparsen, die aber in dieser raffinierten Komposition mit einem Hauch von Peperoncino eine genauso wichtige Rolle spielen“. Die Gambas sind kross angebraten, zergehen aber, ähnlich wie das Kaninchen, förmlich auf der Zunge. Die Tagliarini sind bissfest gegart.

Zwar liegt die Pasta mit Gambas etwas über unserem Mittagstisch-Budget, ist es aber allemal wert. Verführerisch klingt auch die Pasta „Alfredo“ im Parmesanrad für 13 Euro, die wir allerdings an diesem Tag nicht testen. Meine Kollegin war indessen in dieser Woche genauso angetan von den in Salbeibutter gedünsteten Schollenfilets an Röstkartoffel-Spalten.

Knallrote Schneidemaschine

Die Damen im Service sind freundlich und professionell, allerdings allzu fix beim Abräumen der Speisen. Als ich meine Minestrone erst zur Hälfte ausgelöffelt habe, um sie abkühlen zu lassen, hätte nicht viel gefehlt und sie wäre – schwupps – abgeräumt worden. Auch könnten die Damen in dem überschaubaren Restaurant ruhig nicht ganz so oft nach dem Rechten sehen. Optisch ist in der „Villa“ vieles beim Alten geblieben. Auffallend ist allerdings die knallrote Schneidemaschine, auf der ein ganzer Parmaschinken liegt, der auf seinen Anschnitt wartet. Auf schwarz-weiß Fotos sind Sophia Loren, aber auch Stammgast Klaus Hübotter zu sehen.

Das Freiluft-Ambiente gehört im Spät-Frühling und Sommer in dem lauschigen Garten der Villa Ichon zu einem der schönsten Bremens. Und während Opernbegeisterte ihre Pasta „Norma“ genießen, können sie dazu stilecht aus dem benachbarten Theater am Goetheplatz, den Arien, zwar nicht von Bellini, dafür aber von Donizetti lauschen, wenn sich die Opernsänger für die Belcanto-Oper „Lucia di Lammermoor“ einsingen. Italien in Bremen mit allen Sinnen genießen!

„Antonios La Villa“, Goetheplatz 4, nicht barrierefrei. Telefon 0421 98 88 55 55. Mittagsangebot: montags und dienstags sowie donnerstags und freitags von 12 bis 14.30 Uhr. Getränkepreise: Espresso: 2,50 Euro, Cappuccino 3 Euro, Mineralwasser (0,5 l) 3,50 Euro, Pinot Grigio (Weißwein) und Merlot (Rotwein) (0,2 l) jeweils 6,50 Euro, Bier (0,2 l) 2,50 Euro.

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