Viele Langzeitarbeitslose

Arbeitslosigkeit im Land Bremen so hoch wie seit 2007 nicht mehr

Die Arbeitslosigkeit im Land Bremen ist so hoch wie seit 13 Jahren nicht mehr. Im Durchschnitt waren im Jahr 2020 mehr als 42.600 Bremer arbeitslos, nicht nur wegen der Pandemie.
13.07.2020, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Mario Nagel

Die Agentur für Arbeit Bremen/Bremerhaven wähnte sich auf einem guten Weg. Lag die Zahl der Arbeitslosen im Land Bremen während der Finanzkrise im Jahr 2009 bei durchschnittlich 38.105 Menschen, sank diese bis zum Jahr 2018 um mehr als 3000 Menschen auf durchschnittlich 34.904 Arbeitslose. Nachdem die Zahl der Arbeitslosenzahl bereits im vergangenen Jahr um 2,3 Prozent gestiegen war, steigen die Zahlen aufgrund der Corona-Pandemie nun wie seit dem Jahr 2005 nicht mehr.

Damals hatte die Einführung des Zweiten Sozialgesetzbuches und des Arbeitslosengeldes II, Hartz IV genannt, dafür gesorgt, dass die zuvor mit der Arbeitslosenhilfe bedachten Menschen erstmals in die Statistik einberechnet wurden.

Zuletzt eine positive Entwicklung

Auf das Jahr 2020 hochgerechnet würde die durchschnittliche Arbeitslosenzahl im Land Bremen bei 39.020 Menschen liegen – das wäre der höchste Wert seit 2007 (41.006). Im Juni 2020 stieg die Arbeitslosenquote in Bremen auf 11,6 Prozent, bundesweit liegt die Quote bei 6,2 Prozent. „Wir hatten in den vergangenen Jahren eine positive Entwicklung. Die Zahl der Arbeitslosen war insgesamt rückläufig. Aber zufrieden können wir angesichts der, im Vergleich mit dem Bundesdurchschnitt immer noch schlechten Zahlen, nicht sein“, sagt Jörg Nowag, Pressesprecher der Agentur für Arbeit Bremen/Bremerhaven.

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Auffällig: Im Land Bremen gibt es überdurchschnittlich viele Langzeitarbeitslose. Während im Juni 2020 bundesweit 26 Prozent der Arbeitslosen als Langzeitarbeitslose galten, waren es in Bremen 38 Prozent. „Viele der Langzeitarbeitslosen haben auch keine abgeschlossene schulische oder berufliche Ausbildung“, sagt Jörg Nowag. Bei der Agentur für Arbeit Bremen/Bremerhaven sei man daher intensiv bemüht, gezielt etwas gegen Langzeitarbeitslosigkeit zu unternehmen. Auch Menschen mit einem Schul- oder Berufsabschluss seien unter den Langzeitarbeitslosen. „Es wird deshalb ganz erhebliches Geld ausgegeben, um zum Beispiel Ausbildungen, Schulungen oder Umschulungen zu fördern“, sagt Nowag.

Keine oder falsche Angaben

46,4 Prozent der Arbeitslosen in Bremen hatten keinen Schulabschluss oder einen Hauptschulabschluss, 18,6 Prozent machten keine oder falsche Angaben zu ihrer schulischen Ausbildung. „Viele Arbeitslose, die unter dem Punkt ,Keine Angabe zum Schulabschluss‘ geführt sind, kommen aus anderen Herkunftsländern und konnten keine Unterlagen vorlegen oder ihr Abschluss konnte nicht in unserem System eingeordnet werden“, erklärt Jörg Nowag.

Gravierender sind die Zahlen bei der beruflichen Ausbildung: 28.556 Menschen und damit zwei Drittel aller Arbeitslosen im Land Bremen hatten im Juni 2020 keine abgeschlossene Berufsausbildung. Und diese Menschen hätten es inzwischen auf dem Arbeitsmarkt schwer, sagt Jörg Nowag: „Weil der Arbeitsmarkt immer mehr zu höher qualifizierten Kräften tendiert.“

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