In der Hartwigstraße sorgen enge Verhältnisse für Ärger / Heftige Kritik auch am Schienenersatzverkehr Baustellengitter nervt Anwohner

Kaum ist die Baustelle zur Erneuerung der Kanäle und Schienen in der Hartwigstraße eingerichtet, schon ist der Ärger unter den Anwohnern groß. Sie sind mit der Platzierung der Bauzäune und dem Schienenersatzverkehr äußerst unzufrieden. Die Schwachhauser Beiratspolitiker teilen die Kritik am Baustellen-Management.
18.10.2012, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Sheila Schönbeck

Kaum ist die Baustelle zur Erneuerung der Kanäle und Schienen in der Hartwigstraße eingerichtet, schon ist der Ärger unter den Anwohnern groß. Sie sind mit der Platzierung der Bauzäune und dem Schienenersatzverkehr äußerst unzufrieden. Die Schwachhauser Beiratspolitiker teilen die Kritik am Baustellen-Management.

Schwachhausen. Die Straßenbahnen der Linie 8 fahren in der Hartwigstraße seit Kurzem nicht mehr, weil dort eine Großbaustelle eingerichtet worden ist. Heftige Kritik am Schienenersatzverkehr musste sich Matthias Zimmermann von der Bremer Straßenbahn AG (BSAG) jetzt im Verkehrsausschuss des Beirats Schwachhausen anhören. Dass der Bus wochentags nur im 20-Minuten-Takt und nicht wie zuvor die Bahn alle zehn Minuten fährt, trifft auf Unverständnis im Stadtteil. Sonntags gibt es überhaupt keinen Ersatzverkehr. "Das geht gar nicht, dass sonntags nichts fährt. Die BSAG hat von der Stadt den Auftrag, die Menschen zu befördern", sagte Beiratssprecherin Barbara Schneider (Grüne). Zudem hält Schneider die Umsteigezeit von sechs Minuten am Stern für zu lang – gerade jetzt zu Beginn der kalten Jahreszeit. Zimmermann versuchte zu beruhigen: "Wir haben jetzt erste Erfahrungen gemacht. Ein Feintuning ist noch möglich."

Marcus-André Schlichting (SPD) machte außerdem darauf aufmerksam, dass der letzte Bus am Sonnabend bereits um 20.30 Uhr fahre. "Hinzu kommt, dass der Bus anders verkehrt als die Linie 8 und der Anschluss an die Linie 22 oft nicht klappt", sagte Schlichting. Zimmermanns knappe Antwort: "Ich werde das an die Fahrplan-Planer weitergeben."

Bisher fährt der Ersatzbus stadteinwärts nur bis zum Stern. Wer zum Hauptbahnhof möchte, muss am Stern umsteigen. Margret Krolow von der Seniorenvertretung wies darauf hin, dass die Bahnen der Linie 6 oft überfüllt seien. "Ältere mit ihren Rollatoren kommen gar nicht hinein."

Die Frage lag also nahe, warum der Ersatzbus nicht bis zum Hauptbahnhof fährt. "Dort können unsere Busse nicht halten, sondern müssten weiter zur Domsheide fahren. Das wiederum können wir uns nicht leisten", erklärte Zimmermann. Seine Antwort stieß auf heftigen Widerspruch und Unverständnis. "Es hat den Anschein, dass der Schienenersatzverkehr eine Mogelpackung ist und kein adäquater Ersatz für die Linie 8", sagte Wolfgang Schober (Linke). Schließlich forderten die Mitglieder des Verkehrsausschusses, dass die BSAG bis zu Beginn der kommenden Woche Lösungsvorschläge präsentiert.

Der Schienenersatzverkehr ist nicht der einzige Punkt, über den sich Beiratspolitiker und Anwohner ärgern. Die Platzierung der Bauzäune und mangelnder Informationsfluss rufen ebenfalls Unmut hervor.

"Wie hinter einer Mauer"

Anja Laker betreibt einen Blumenladen in der Hartwigstraße. Seit Beginn der Kanalerneuerung durch Hansewasser steht vor ihrer Ladentür ein zwei Meter hoher Gitterzaun. Dazwischen ist ein nur etwa eineinhalb Meter breiter Weg, den sich Fußgänger und Radfahrer teilen müssen. "Für meine Kunden bin ich kaum noch zu erreichen, es ist wie hinter einer Mauer", sagt Anja Laker. Schon jetzt machten sich Umsatzeinbußen bemerkbar. Ähnlich ergeht es Holger Lammers, Inhaber eines Delikatessen-Geschäftes an der Otto-Gildemeister-Straße/ Ecke Hartwigstraße. "Es kommt fast niemand mehr in den Laden. Auch die Fußgänger werden durch die Baustelle völlig verunsichert." Notgedrungen bringt Lammers nun die Ware zu den Kunden. "Dazu muss ich alle Sachen zunächst 30 Meter zu meinem Auto tragen", erzählt er. Die Absperrungen nerven ihn – zumal es vor seinem Geschäft ansonsten noch gar nicht so aussehe, dass dort in Kürze gebaut werde. Der Schwachhauser Bürgerschaftsabgeordnete Ralph Saxe (Grüne) teilt die Kritik der Anwohner. "Es ist viel zu eng, man fühlt sich wie im Käfig", sagt er, "Abhilfe ist dringend geboten." Auch die Nebenstraßen würden unnötig belastet. In den Bereichen, in denen noch nicht gebaut werde, müssten die Bauzäune so schnell wie möglich wieder verschwinden, fordert Saxe. Inzwischen gebe es die Zusage, dass die Gitter zumindest vom Gehweg weggerückt würden.

Das Absperrkonzept sei im Vorfeld mit dem Amt für Straßen und Verkehr (ASV) abgestimmt worden, erklärt Arne Schmüser, bei Hansewasser verantwortlich für Kanalarbeiten. "Wir können gut verstehen, dass die Anwohner nicht erfreut sind", sagt er. "Derzeit laufen Gespräche mit den Behörden über Änderungen hinsichtlich der gesperrten Abschnitte." Bei einer solchen Baumaßnahme sei es jedoch schier unmöglich, allen Ansprüchen zu genügen.

Die Situation in der Hartwigstraße ist erneut Thema auf einer öffentlichen Sondersitzung des Verkehrsausschusses am Montag, 22. Oktober, um 19 Uhr im Ortsamt, Wilhelm-Leuschner-Straße 27/27a. Eingeladen sind der Projektleiter sowie Vertreter von ASV, Polizei und BSAG.

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