Getreideverkehrsanlage Betreiber will Umschlag verdoppeln

Der neue Betreiber J. Müller will den Umschlag der Getreideverkehrsanlage in der Überseestadt mehr als verdoppeln.
13.11.2017, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Anne Gerling

Überseestadt. Für viele Gröpelinger ist sie das unumstrittene Wahrzeichen ihres Quartiers, auch wenn sie genau genommen am äußersten Rand der Überseestadt – und damit in Walle – liegt: Die mächtige Getreideverkehrsanlage (GVA), die seit 2006 unter Denkmalschutz steht und seit 1. Mai der Braker J. Müller AG gehört. Deren Geschäftsführer Jürgen Huntgeburth und der langjährige Betriebsleiter Andreas Sattler waren nun zu Besuch im Fachausschuss „Bau, Verkehr, Umwelt und Häfen“ des Gröpelinger Beirats, um das Unternehmen dort vorzustellen.

Die Firma, die als Familienunternehmen in der sechsten Generation geführt wird, beschäftigt insgesamt 450 Mitarbeiter, hat zwölf ehemalige GVA-Mitarbeiter übernommen und beschäftigt dort nun insgesamt 27 Personen. Hauptstandort ist Brake, wo J. Müller eine Silokapazität von 500 000 Tonnen hat. Seit Jahren schlägt das Unternehmen außerdem in der Cuxhavener Straße am Waller Holzhafen Rohkaffee und Futtermittel um. Dort können 70 000 Tonnen gelagert werden; mit der GVA sind in Bremen nun Lagermöglichkeiten für weitere 100 000 Tonnen Rohkaffee, Getreide oder Futtermittel hinzugekommen.

Denn das Unternehmen braucht dringend mehr Silos und Zellen, um mit dem Markt Schritt halten zu können. Immer mehr unterschiedliche Güter nämlich müssen separat gelagert werden, um zum Beispiel verschiedene Kaffee-Kleinanbieter beliefern zu können. Auch bei den Getreide- und Futtermittelsorten steigt die Nachfrage nach einer immer größeren Vielfalt. Die vielen Silozellen der GVA sind dabei auch ideal für kleinere Öko-Chargen.

Der erste Teil der GVA stammt aus dem Jahr 1919, weitere Abschnitte wurden 1932, 1972 und 1984 gebaut. Dementsprechend besteht in unterschiedlichen Bereichen Sanierungsbedarf. So müssen Huntgeburth zufolge neben der Fördertechnik zum Beispiel auch Brand- und Explosionsschutz verbessert werden. „Da sind wir dabei“, sagt Huntgeburth; schließlich solle sich so etwas wie die Mehlstaub-Explosion in der alten Rolandmühle an der Emder Straße, bei der vor 38 Jahren 14 Menschen starben, nicht wiederholen. Es gibt außerdem Verbesserungsbedarf bei Elektroanlagen, Schiebevorrichtungen und Hallendächern. Rund 5,6 Millionen Euro veranschlagt das Unternehmen für sämtliche Modernisierungsmaßnahmen. 880 000 Euro sind in diesem Jahr bereits investiert worden; weitere 1,9 Millionen sollen in 2018 folgen.

Damit sich dieser Aufwand rentiert, will J. Müller die Umschlagsmengen zukünftig mehr als verdoppeln. Womit auch die Logistik ins Spiel kommt: Aktuell kann die GVA nur mit Schiffen oder per Lkw angefahren werden, denn vor Jahren war für den Space Park der Gleisanschluss gekappt worden. Damals wurde mitten auf die Schienen ein Trafohäuschen gesetzt, was schon den bisherigen Pächter der GVA geärgert hatte. Auch im Unternehmen J. Müller denkt man nun über einen neuen Gleisanschluss nach und ist mit der Hafengesellschaft Bremenports im Gespräch. Mehr Umschlag bringe dabei aber nicht viel zusätzlichen Lkw-Verkehr nach Gröpelingen, sagte Huntgeburth auf Nachfrage der Ortspolitiker.

Es sollen aber in 2018 mehr Küstenmotorschiffe, kurz: Kümos, als bisher die GVA ansteuern. Dabei könnte womöglich eine Vereinbarung aus dem Kaufvertrag stören: Sieben Mal pro Jahr legt nämlich ein Kreuzfahrtschiff an der GVA an. 24 Stunden lang bleibt es dann dort, während seine Passagiere die Stadt erkunden. Langfristig möchte Huntgeburth hierfür nun eine anderen Kaje finden, um den Lieferbetrieb an der GVA dafür dann nicht mehr unterbrechen zu müssen.

Es wird also mehr Kümo-Verkehr im Wendebecken geben, auf dessen anderer Seite bekanntlich gerade in rund 320 Metern Entfernung zur GVA unter dem Arbeitstitel „Weiche Kante“ Bremens neuer Strandpark „Waller Sand“ entsteht. Ausdrücklich begrüßt Huntgeburth in diesem Zusammenhang die Einigung zwischen der Stadt und der Initiative Stadtbremische Häfen (ISH), im Uferbereich künftig keine Gastronomie zuzulassen. Denn Getreide und Futtermittel, die an der GVA-Kaje umgeschlagen werden, können je nach Art und Güte für Staubschwaden sorgen, die bei Nordostwind zum Waller Sand hinübergeweht würden.

Staub ist dabei ein Thema, das auch die Gröpelinger Ortspolitiker schon seit geraumer Zeit beschäftigt. Regelmäßig fänden zum Beispiel Anwohner der Luchtbergstraße und Auf der Lucht ihre Autos völlig verdreckt vor, schilderte Mehmet Tokmak (SPD). Von Huntgeburth und Sattler wollte er nun wissen, ob dies wohl mit dem Güterumschlag in der GVA zusammenhängen könnte. Definitiv nicht, zeigte Huntgeburth sich dabei überzeugt. Staubige Güter würden nämlich ausschließlich zur Wasserseite hin im Freien verladen. Käme es wieder einmal zu derartigen Vorfällen, so bitte er um eine sofortige Meldung. Dann könne sofort kontrolliert werden, was wann umgeschlagen wurde, so Huntgeburth: „Wir wollen mit den Leuten einen Dialog aufbauen.“

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