Fährschiff ausgezeichnet Blauer Engel für Helgoland

Das von der Fassmer-Werft in Motzen gebaute Fährschiff MS „Helgoland“ macht von sich reden: Das erste mit Flüssiggas betriebene Schiff erhilet jetzt die Auszeichnung "Blauer Engel".
26.03.2018, 19:00
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Von Hannelore Johannesdotter und Marina Köglin

Motzen. Das von der Fassmer-Werft in Motzen gebaute Fährschiff MS „Helgoland“ macht von sich reden. Es wurde als erstes deutsches Neubauschiff mit einer auf Flüssigerdgas (LNG) basierenden Antriebstechnik ausgestattet. Dafür erhielt die Reederei Cassen Eils, die die Fähre betreibt, jetzt die Auszeichnung „Blauer Engel für umweltfreundliches Schiffsdesign“.

Das seit Dezember 2015 im regelmäßigen Liniendienst zwischen Cuxhaven und der Hochseeinsel Helgoland verkehrende Fährschiff hat in seinem Inneren einen vakuumisolierten Tank mit 45 Kubikmetern Fassungsvermögen. Dort wird das Liquefied Natural Gas (LNG) auf minus 162 Grad Celsius heruntergekühlt und dadurch flüssig gelagert. LNG punktet im Vergleich zu Schiffsdiesel mit einer deutlich besseren Umweltbilanz. Bei seiner Verbrennung entstehen 20 Prozent weniger Kohlendioxid, 90 bis 95 Prozent weniger Stick- und Schwefeldioxide und nahezu kein Feinstaub.

Diese positive Kraftstoffbilanz hat eine unabhängige Jury mit dem „Blauen Engel“ ausgezeichnet. Vergeben wird das Zeichen durch das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit, das fachlich vom Umweltbundesamt unterstützt wird. Der Blaue Engel zeichnet Produkte und Dienstleistungen aus, die umweltfreundlicher sind als vergleichbare konventionelle. Das Umweltzeichen garantiert die Einhaltung von hohen Ansprüchen an Umwelt-, Gesundheits- und Gebrauchseigenschaften.

„Wir haben seit Indienststellung des Schiffes rund 2000 Tonnen LNG getankt“, informierte Peter Eesmann, Geschäftsführer der Reederei Cassen Eils, bei der Verleihung. „Das entspricht rund 2,62 Millionen Litern Marine-Diesel, die wir eingespart haben. Eingespart haben wir auch rund zehn Tonnen Feinstaub, 240 Tonnen Stickoxide, 40 Tonnen Schwefeldioxide und rund 8500 Tonnen Kohlendioxid.“ Der Geschäftsführer der Bauwerft, Harald Fassmer, wertet das Schiff als hervorragende Referenz: „MS Helgoland erfüllt uns mit Stolz", erklärte er in Cuxhaven. „Hier wurde geforscht und erprobt, denn ein Regelwerk für LNG gab es seitens der Klassifizierung noch nicht.“ Enak Ferlemann, parlamentarischer Staatssekretär im Verkehrsministerium (CDU), begrüßte das Engagement der Reederei: „Man kann innovativ aufgestellten Unternehmen wie Firma Cassen Eils nicht genug für ihr mutiges Engagement und ihre Risikobereitschaft danken, wenn es darum geht, in der Schifffahrt konkret neue Wege durch die Umsetzung solcher Projekte zu gehen“, lobte er.

Auch die SPD-Landtagsabgeordnete Karin Logemann äußerte sich zu der Auszeichnung der Fähre: “Es ist hervorragend, wie sich das hiesige Unternehmen auf dem Markt der zukunftsorientierten Herausforderungen platziert. Der Einsatz von LNG ist richtungsweisend.” Für Logemann zeigt das Schiff, das auch im Gebiet des Weltnaturerbes Wattenmeer fährt, dass Umwelt und Wirtschaft miteinander in Einklang zu bringen sind. Für die SPD-Fraktion habe „Green Shipping“ sowohl in den Häfen als auch auf dem Meer eine hohe Bedeutung.

Das Helgolandschiff wurde für rund 31,5 Millionen Euro bei Fassmer in Motzen gebaut. Für das innovative LNG-Antriebssystem erhielt die Reederei einen Zuschuss der EU in Höhe von 4,175 Millionen Euro. „Wir hätten das Schiff auch ohne den Zuschuss gebaut“, sagt Bernhard Brons, Vorstand der AG-„Ems“-Gruppe. „Wir gestehen aber ein, dass der Zuschuss höchst willkommen war, da der Bau durch mehrere Ingenieure begleitet wurde, um der Komplexität und den Herausforderungen der neuen Technik gerecht zu werden.“ Der LNG-Antrieb leistet 5000 Kilowatt und macht das Fährschiff bis zu 20 Knoten schnell. Es verfügt über 1048 Sitzplätze und kann zehn Zehn-Fuß-Container oder zwei Zwanzig-Fuß-Container sowie Stückfracht befördern.

Das in der Regel einmal täglich fahrende Schiff ist für den Tourismus und für die Inselversorgung in der Küstenregion wichtig. Seit 2015 wurden mehr als 550 000 Touristen zwischen Cuxhaven und Helgoland befördert. Mehr als tausend Zehn-Fuß-Container, mehr als 3000 Rollbehälter mit über einer Million Gepäckstücken und unendlich vielen Tonnen Güter zur Inselversorgung sind in den vergangenen zwei Jahren über das Meer transportiert worden.

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