Kommentar über das Öffentliche Bauen

Bremen braucht eine Qualitätsoffensive

Wenn Bremen den Prozess der wachsenden Stadt positiv begleiten möchten, braucht Bremen keine einfachen Wahrheiten, sondern eine Qualitätsoffensive für das Öffentliche Bauen, meint Oliver Platz.
20.03.2018, 22:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Oliver Platz
Bremen braucht eine Qualitätsoffensive
Karsten Klama

Die derzeit diskutierte vermeintlich einfache Wahrheit, dass Kita- und Schulbauten schneller und günstiger zu erstellen sind, wenn sie modular und seriell gebaut werden, ist trügerisch. Die für ein Gebäude maßgeblichen Bedingungen vor Ort wie die unmittelbare Nachbarschaft, die Himmelsrichtung und die Topografie des Grundstückes, der vorhandene Baumbestand oder die Erschließung, sind – außerhalb der „Grünen Wiese“ – selten passend für die Lösungsmöglichkeiten des modular-seriellen Bauens.

Wer gute Gebäude bauen will, muss sich neben der geforderten Funktion mit dem städtebaulichen Kontext auseinandersetzen. Nur Gebäude, die für ihren Inhalt und ihre Umgebung gute, eigenständige und individuelle Lösungen bieten, werden langfristig hinreichend wertgeschätzt. Selbst wenn der im Quartierskontext maßgeschneiderte Anzug im Einzelfall etwas teurer wird, erhöht er aber die Zufriedenheit der Nutzer, die Wertschätzung im Umfeld und damit auch die Dauerhaftigkeit des Gebäudes und die Qualität des Stadtteils.

Im Grundsatz gilt: Modular-serielles Bauen kann genauso wie nicht-serielles Bauen gute und richtige Lösungsmöglichkeiten in Bezug zum Bestand bieten. Es muss in beiden Fällen eine architektonisch gute Lösung sein. Eine pauschale Aussage dahingehend, dass modular-serielles Bauen besser, preiswerter und schneller funktioniert, ergibt sich jedoch nicht. Unter Würdigung der Entwicklungskosten und der Entwicklungszeit einer modularen Bremer Kita- oder Schulbau-Serie, die es am Markt so noch nicht gibt, bedeutet die Umsetzung jeweils maßgeschneiderter Lösungen keinen Mehraufwand. Individuelle Konzepte können zur gleichzeitigen Lösung verschiedener Herausforderungen führen. So könnten Kita- oder Schulneubauten mit Wohnungsbau kombiniert werden. Der Appell an die politischen Entscheidungsträger lautet, den hohen qualitativen Anspruch an öffentliche Bauten nicht aufzugeben und sparsam mit der Ressource Fläche umzugehen.

Es bedarf einer Versachlichung der Frage, inwieweit modular-serielle Bauweisen tatsächlich dazu beitragen können, die wohl kurzfristig unabwendbaren Mobilbauten schnellstmöglich zu ersetzen. Es gilt Wege zu finden, wie in Bremen qualitätsvoll, nachhaltig, identitätsstiftend, aber auch schnell und günstig weitergebaut werden kann. Es bedarf einer Untersuchung der Kosten- und Zeitverläufe bei öffentlichen Bauten von der Bedarfserkennung bis zur Schlüsselübergabe. Wenn Bremen den dynamischen Prozess der wachsenden Stadt positiv begleiten möchten, braucht Bremen keine einfachen Wahrheiten, sondern eine Qualitätsoffensive für das Öffentliche Bauen, und das nicht nur im Neubau.

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