Mehr Sicherheit für Busse und Straßenbahnen

Bremer Polizei und BSAG beschließen Kooperationsvertrag

Mitte März wurden zwei junge Frauen in einer Bremer Straßenbahn belästigt. Polizei und BSAG reagieren auf die veränderte Sicherheitslage und wollen in Zukunft noch enger zusammenarbeiten.
20.04.2017, 19:10
Lesedauer: 3 Min
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Bremer Polizei und BSAG beschließen Kooperationsvertrag
Von Kathrin Aldenhoff
Bremer Polizei und BSAG beschließen Kooperationsvertrag

Offiziell Partner: Polizeipräsident Lutz Müller (links) und BSAG-Chef Hajo Müller haben am Donnerstag erstmals einen Vertrag über ihre Zusammenarbeit unterzeichnet.

Frank Thomas Koch

Mitte März wurden zwei junge Frauen in einer Bremer Straßenbahn belästigt. Polizei und BSAG reagieren auf die veränderte Sicherheitslage und wollen in Zukunft noch enger zusammenarbeiten.

Polizei und Bremer Straßenbahn AG (BSAG) wollen in Zukunft noch enger zusammenarbeiten, um Busse, Bahnen und Haltestellen sicherer zu machen. Dafür sollen zum Beispiel Notfallknöpfe in Straßenbahnen eingebaut werden, Polizisten sollen in bestimmten Fällen Fahrkartenkontrolleure begleiten und Lagebilder sollen helfen, Straftaten zu verhindern.

Damit reagiere man auf eine veränderte Sicherheitslage – und auch auf das gestiegene Bedürfnis der Menschen nach Sicherheit, sagte Bremens Polizeipräsident Lutz Müller am Donnerstag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz.

Verpflichtung der BSAG

„Wir wollen, dass im öffentlichen Nahverkehr niemand Angst haben muss“, sagte der Polizeichef. Diese Verpflichtung habe die BSAG nicht nur ihren Kunden gegenüber, fügte Vorstandssprecher Hajo Müller hinzu. „Wir wollen das auch für unsere Mitarbeiter, die als Fahrer erst einmal alleine mit der Situation konfrontiert sind.“

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Seit zehn Jahren arbeiten Polizei und BSAG bereits zusammen, nun haben sie diese Zusammenarbeit offiziell mit den Unterschriften des Polizeipräsidenten und des BSAG-Vorstandssprechers besiegelt. Einen konkreten Anlass gebe es dafür nicht, sagte Hajo Müller. „Wir müssen aber an zukünftige Entwicklungen denken und auf unserer guten Zusammenarbeit aufbauen.“

Im vergangenen Jahr zählte die BSAG mehr als 104 Millionen Fahrgäste. Rund 430 Straftaten erfasste die Bremer Polizei in diesem Jahr in den Bussen, Straßenbahnen und an den Haltestellen der BSAG – ohne Schwarzfahren. Die Zahl der Sexualdelikte sei gesunken, zugenommen habe die Zahl der Taschendiebstähle. Insgesamt seien das aber „keine erschreckenden Zahlen“, hieß es vonseiten der Polizei. 2015 zählte die Polizei rund 410 Straftaten.

Einsatz modernerer Technik

In Zukunft wollen Polizei und BSAG schneller Informationen austauschen, es soll modernere Technik eingesetzt und gemeinsam ein Lagebild gezeichnet werden, das es ermöglicht, Kriminalitätsschwerpunkte schnell zu erfassen. Das wiederum soll helfen, künftige Straftaten zu verhindern.

Zum Beispiel, indem Durchsagen in den Bussen und Bahnen vor Taschendieben warnen. In die neuen Straßenbahnen, die die BSAG anschaffen wird, sollen Notrufknöpfe eingebaut werden. Über diese können die Fahrgäste direkt mit dem Fahrer in Kontakt treten. So könnten sich die Bremer in den Bahnen sicherer fühlen, sagte Hajo Müller.

Schon jetzt stellt die BSAG der Polizei die Videoaufnahmen aus Bussen und Bahnen zur Verfügung. Als Mitte März zwei junge Frauen in einer Straßenbahn der Linie N10 von einer Gruppe junger Männer belästigt und beklaut wurden, habe die Polizei mithilfe der Videoaufnahmen alle Täter identifizieren können, sagte Polizeichef Lutz Müller.

Videokameras in Bussen und Straßenbahnen

Solche Übergriffe seien die absolute Ausnahme, sagte der Leiter der Polizeidirektion Einsatz, Rainer Zottmann. Jede Straßenbahn und jeder Bus ist nach Angaben der BSAG mit Videokameras ausgerüstet. Allerdings zeichnen sie nur auf – niemand kontrolliert das Bild in Echtzeit. Darüber werde aber nachgedacht, sagte Ralf Gießmann, der bei der BSAG für die Zusammenarbeit mit der Polizei zuständig ist.

So eine Straftat zu verhindern, werde aber auch in Zukunft nicht möglich sein, sagte Lutz Müller. Wichtig sei es, dass Zeugen Zivilcourage bewiesen. Und zwar ohne sich selbst in Gefahr zu bringen. „Es geht nicht darum, den Helden zu spielen“, sagte der Polizeichef. Fahrgäste könnten sich an den Fahrer wenden, andere Leute ansprechen oder sich zwischen Täter und Opfer stellen.

Und technische Hilfsmittel, wie etwa die Notfallknöpfe, könnten durchaus helfen, den Fahrer auf das aufmerksam zu machen, was in seiner Bahn passiere. Denn bei einer 36 Meter langen Straßenbahn könne der nicht immer alles im Blick haben.

Fahrer der BSAG

Die 1100 Bus- und Straßenbahnfahrer der BSAG werden regelmäßig geschult, wie sie auf Konflikte reagieren, wie sie Situationen deeskalieren und wie sie die Sicherheit der Fahrgäste und ihre eigene verbessern. „Sie lernen, eine individuelle Strategie zu entwickeln“, sagte Ralf Gießmann. An diesen Trainings beteilige sich auch die Polizei.

Ein weiterer Punkt: Wenn die BSAG schwerpunktmäßig Fahrausweise kontrolliert, dann sollen in Zukunft Polizisten dabei sein. Das gab es schon mal, in Zukunft soll das nach Aussage von BSAG-Sprecher Andreas Holling wieder häufiger passieren.

Bei so einer Schwerpunktmaßnahme fahren die Kontrolleure nicht in der Bahn mit, sondern ein Fahrzeug bleibt an der Haltestelle stehen und fährt erst weiter, wenn die rund 15 BSAG-Mitarbeiter alle Fahrgäste kontrolliert haben. Polizisten sollen dabei sein und helfen, Personalien festzustellen, wenn jemand kein Ticket gekauft und keinen Ausweis dabei hat.

Nicht nur zu besonderen Anlässen arbeiteten BSAG und Polizei zusammen, sagte Rainer Zottmann. Bei einem Unfall beispielsweise müsse die BSAG schnell erfahren, wenn Busse oder Straßenbahnen nicht mehr fahren können, weil Straßen oder Gleise blockiert sind. „Bei diesen täglichen Dingen funktioniert die Zusammenarbeit hervorragend.“

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