Gleichberechtigung auf dem Arbeitsmarkt

Frauen in der Arbeitswelt: Bremen in vielen Bereichen Schlusslicht

Der Bremer Senat ist so weiblich wie noch nie: Sechs Senatorinnen und drei Senatoren. Mehr Frauen an der Spitze ist allerdings immer noch die Ausnahme. Das geht vor allem zu Lasten des weiblichen Geldbeutels.
03.08.2020, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Frauen in der Arbeitswelt: Bremen in vielen Bereichen Schlusslicht
Von Lisa Urlbauer
Frauen in der Arbeitswelt: Bremen in vielen Bereichen Schlusslicht

Bremen hat bundesweit die geringste Frauenerwerbsquote.

Bernd Weissbrod /dpa

Der Bremer Senat ist so weiblich wie noch nie: Seit vergangenem Jahr bilden sechs Senatorinnen und drei Senatoren die Regierung. Mehr Frauen als Männer an der Spitze ist allerdings immer noch die Ausnahme.

„Das Thema Gleichberechtigung ist kein Selbstläufer“, sagt Bremens Landesfrauenbeauftragte Bettina Wilhelm. Sie leitet die Zentralstelle für die Verwirklichung der Gleichberechtigung der Frau (ZGF). Ihre Aufgabe ist es, darauf hinzuwirken, dass das verfassungsrechtliche Gebot dieser Gleichstellung auch erfüllt wird – in Arbeitswelt, Bildung und Gesellschaft. Seit 40 Jahren arbeitet die ZGF daran; Wilhelm ist die dritte Landesfrauenbeauftragte und noch bis 2029 im Amt. „Man müsste meinen, dass es uns nicht mehr braucht“, sagt sie.

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So ist es aber nicht: Bremen ist in vielen Bereichen Schlusslicht, gerade was Frauen in der Arbeitswelt betrifft. Bundesweit hat das Land die geringste Frauenerwerbsquote und den höchsten Anteil an Teilzeit. Viele Frauen arbeiten in Minijobs. Bremen habe einen tradierten Arbeitsmarkt, sagt Wilhelm. „Es gibt zu wenig gut bezahlte Jobs für Frauen.“

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Foto: Grafik WESER-KURIER / Berding

Gender Pay Gap

Die klassische Rollenverteilung, sie hat weiterhin Bestand – Frauen kümmern sich um die Familie, Männer um den Job. Die Auswirkungen zeigt der Stundenlohn: Im Schnitt verdienen Frauen 5,32 Euro weniger als Männer. Damit liegt der Gender Pay Gap, also die geschlechtsspezifische Entgeltlücke, im Land Bremen drei Prozent über dem Bundesdurchschnitt.

Da, wo Frauen arbeiten, verdienen sie als Vollzeitkraft weitaus weniger als Männer. Vor allem im produzierenden Gewerbe, dominiert von Männern, zogen die Löhne in den vergangenen Jahren deutlich an. Im Dienstleistungsbereich gab es hingegen eine deutlich geringere Steigerung des Einkommens.

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Foto: Grafik WESER-KURIER / Berding

Niedrigere Rente

Diese Ungleichheiten zeichnen sich auch in der Rente ab: Frauen sind besonders von Altersarmut betroffen. Drei Viertel der Neu-Rentnerinnen erhielten 2018 eine Rente von weniger als 1035 Euro. Zu dem Ergebnis kam der DGB-Rentenreport 2020.

Im Vergleich dazu lag der Anteil an Neu-Rentnern, die 2018 unter diese Armutsgefährdungsgrenze fielen, bei knapp 50 Prozent. Im Schnitt erhielten Neu-Rentnerinnen in Bremen über 300 Euro weniger als Neu-Rentner. Bei denjenigen, die schon länger Rente beziehen, ist der Abstand zwischen den Geschlechtern noch größer.

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