Corona-Regeln bei Feiern

Bremen plädiert für einheitliche Regelungen bei Veranstaltungen

Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) befürwortet bundesweit einheitliche Corona-Regeln für Feste und Feiern. Ein geteiltes Echo kommt von der Dehoga-Chefin, Gastronomen und Veranstaltern.
19.08.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Bremen plädiert für einheitliche Regelungen bei Veranstaltungen
Von Pascal Faltermann
Bremen plädiert für einheitliche Regelungen bei Veranstaltungen

Für bundesweit einheitliche Vorgaben für Feste und Feierlichkeiten gibt es Fürsprecher und Gegner.

Christoph Soeder

Geburtstage, Hochzeiten, Taufen oder Partys – die zugelassenen Größen von Familienfeiern sind in den Bundesländern unterschiedlich geregelt. Weil die verschiedenen Vorschriften ein unübersichtliches Bild abgeben, diskutieren Politiker, Gastronomen und Veranstalter derzeit über gleiche Regeln für Feste und Feiern während der Corona-Krise. „Bremen ist grundsätzlich für bundesweit einheitliche Regelungen. Das war schon immer so und das gilt auch jetzt. Und das gilt auch für die Corona-Vorschriften für öffentliche und private Veranstaltungen“, sagt Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD).

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Der Ärzteverband Marburger Bund hatte im Kampf gegen das Coronavirus bundesweit einheitliche Vorgaben für Feste und Feierlichkeiten gefordert. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte zuvor darauf hingewiesen, dass Feierlichkeiten neben den Ansteckungen durch Reiserückkehrer zu den größten Gefahrenquellen in Deutschland zählten.

„Ob sich die 16 Länder aber auf gemeinsame Regelungen einigen können – da bin ich aus der Erfahrung der Vergangenheit skeptisch“, sagt Bürgermeister Bovenschulte. Einem neuerlichen Versuch würde sich Bremens Regierungschef nicht widersetzen.

Hygienemaßnahmen sind zwingend erforderlich

In Bremen sind laut der aktuellen Corona-Verordnung Veranstaltungen mit bis zu 250 Menschen in Innenräumen erlaubt. Unter freiem Himmel dürfen demnach bis zu 400 Personen zusammenkommen. Voraussetzungen für solche Zusammenkünfte sind ein Hygienekonzept und die Einhaltung des Abstandes von mindestens 1,5 Metern zueinander. Das Konzept muss vorliegen, damit es das Ordnungsamt gegebenenfalls kontrollieren kann. Die Veranstalter beziehungsweise Organisatoren müssen zudem die Namen der Teilnehmenden protokollieren. Klar geregelt ist, dass Gruppen mit mehr als zehn Personen den Abstand von mindestens 1,5 Metern einhalten müssen.

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Das ist auch in Niedersachsen der Fall. Dort gilt für private Feiern zum Beispiel in einem Restaurant ebenfalls die Obergrenze von zehn Personen. Die Ausnahme in beiden Bundesländern ist, dass es mehr Personen sein dürfen, sofern es sich ausschließlich um Angehörige oder die Mitglieder zweier Haushalte handelt. Im Gegensatz zu Bremen sind in Niedersachsen bei Festen wie Taufen, Hochzeiten sowie Beerdigungen nicht mehr als 50 Personen möglich. Für Veranstaltungen zum Beispiel im Kulturbereich gilt eine Obergrenze von 500 Besuchern, Messen sind für den Publikumsverkehr geschlossen.

Dehoga-Chefin mahnt zu Zurückhaltung bei privaten Feiern

„Die Unterschiede zwischen beiden Ländern sind nicht so stark“, sagt Nathalie Rübsteck, Geschäftsführerin des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands Bremen (Dehoga). In Niedersachsen seien die Einschränkungen etwas größer. „Wir dürfen Familienfeiern nicht über einen Kamm scheren“, sagt Rübsteck. In der Gastronomie werde stark darauf geachtet, dass die Abstands- und Hygieneregeln eingehalten werden. Ob das bei privaten Feiern immer der Fall sei, wage sie zu bezweifeln. „Je später die Stunde, desto schwieriger sind die Regeln einzuhalten“, so Rübsteck. Sie mahnt zu Zurückhaltung bei privaten Feiern.

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Aus Sicht der Gastronomen ist es schwierig, dass jedes Bundesland andere Regeln hat. „In Betrieben mit vielen Touristen müssen die Vorschriften häufig erklärt werden“, sagt der Vorsitzende der Bremer Gastro-Gemeinschaft, Oliver Trey (Schlachthofkneipe und Little Butcher). Wenn sich Gäste nicht an die Corona-Regeln halten, können Wirte und Kneipiers auf ihr Hausrecht zurückgreifen und Personen des Gebäudes verweisen. „Wir halten uns an die Regeln, schließlich will ja keiner den ersten Corona-Fall in seinem Laden haben“, so Trey.

Einen anderen Aspekt spricht Andreas Quensell („Leopold‘s Club“) an: „In der Theorie sind die Regeln möglich, in der Praxis funktioniert das aber nicht.“ Bei Partys müsse getanzt, ein Getränk an der Theke getrunken, sich umarmt und geknutscht werden. Quensell, der seit 33 Jahren Veranstaltungen aller Art organisiert, spricht von zahlreichen stornierten Buchungen bis zum Jahresende. Ähnlich sieht es bei Barry Randecker (Meierei, Theatro) aus. „Bei uns gibt es derzeit keine Hochzeiten und Feiern, wir müssen die Füße still halten, bis wir die Pandemie im Griff haben.“ Die Nachfrage danach sei derzeit auch nicht vorhanden. Randecker plädiert für einheitliche Corona-Feier-Regeln in ganz Deutschland.

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Metropol-Theater-Chef Jörn Meyer hingegen spricht sich dagegen aus, weil es dann „immer den kleinsten Nenner“ bedeute. Er wünscht sich in den Ämtern und Behörden so viel Personal, dass individuelle Konzepte eingereicht und geprüft werden können. „Es kommt immer auf die Schutzmaßnahmen des jeweiligen Betriebs an“, sagt Meyer. Die Vorschriften müssten in Relation zu den Veranstaltungsorten gesetzt und nicht generell auf 250 Personen festgesetzt werden. So habe das Metropol-Theater andere Voraussetzungen, was Toiletten, Lüftung oder Bewegungsräume angehe als kleinere Spielstätten.

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Zur Sache

Grenzen und Regeln für die Bundesländer

Es ist ein Flickenteppich. Während in Berlin ab 1. September Veranstaltungen unter freiem Himmel bis zu 5000 Personen wieder erlaubt sein sollen, ist im benachbarten Brandenburg die Zahl auf 1000 begrenzt. In anderen Bundesländern wie Rheinland-Pfalz sind Feste nur mit wenigen hundert Gästen gestattet. In Nordrhein-Westfalen soll Anfang September ein Konzert mit 13 000 Gästen starten. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat deshalb angekündigt, erneut mit den Ländern über Grenzen und Regeln für Veranstaltungen reden zu wollen. Die Karnevalsaison 2020/21 will Spahn, wie die „Rheinische Post“ aus internen Kreisen erfuhr, komplett ausfallen lassen. Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach plädiert dafür, die Zahl der Gäste bei Privatfeiern zu beschränken – und zwar auf 50. Das Risiko, sich in Innenräumen zu infizieren, sei „20-mal so hoch wie draußen“.

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