Lutz Hößelbarth lobt die vielseitige Nordbremer Kulturszene

"Das Konzept muss zum Gebäude passen"

Vor gut zwei Jahren hat Lutz Hößelbarth in Bremen-Nord seine Agentur H&W Weserevents gegründet. Seither hat er die Veranstaltungen „Feuer & Wein“und „Burgleuchten“ auf die Beine gestellt.
14.04.2014, 06:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Imke Molkewehrum
"Das Konzept muss zum Gebäude passen"

Lutz Hößelbarth

Christian Kosak

Vor gut zwei Jahren hat Lutz Hößelbarth in Bremen-Nord seine Agentur H&W Weserevents gegründet. Seither hat er die Veranstaltungen „Feuer & Wein“und „Burgleuchten“ auf die Beine gestellt. Derzeit plant der gebürtige Ostdeutsche die „Schönebecker Schloss-Spiele“ und die „Lesumer Dixieland-Tage“. Imke Molkewehrum sprach mit ihm über seinen Werdegang und die Nordbremer Kulturszene.

Die Norddeutsche: Herr Hößelbarth, welchen Beruf haben sie ursprünglich gelernt?

Lutz Hößelbarth: Ich bin Bühnentechniker und habe von 1982 bis 1988 im thüringischen Gera im Haus der Kultur gearbeitet. Dann habe ich die DDR mit Hilfe eines Ausreiseantrags verlassen.

Warum wollten sie raus?

Ich wollte Meinungsfreiheit. Außerdem lebten damals schon meine Mutter und mein Bruder in Bremen-Nord.

Wie war das anfangs?

Das war schwierig, wir waren ja Flüchtlinge. Aber ich habe schnell die große Chance bekommen, im Kito zu arbeiten. Mein Bruder war Glasdesigner und wir haben das Kito als Kulturzentrum entwickelt. Zwischen 1990 und 2001 haben wir dann dort insgesamt 1600 Veranstaltungen organisiert.

Und danach?

2001 bin ich zum Vegesack-Marketing gegangen und habe dort an Veranstaltungsprojekten mitgearbeitet. Die Jobs waren aber auf neun bis zehn Monate befristet. Anstoß für meine Selbstständigkeit war das Winzerfest am Haven Höövt. Das wurde damals immer weniger angenommen, und ich habe mir überlegt, was man besser machen könnte. Ich habe eigene Konzepte entwickelt. Mein Pilotprojekt war „Feuer & Wein“ auf Burg Blomendal.

Was war denn das Neue daran?

Feuer, ein dreitägiges internationales Kulturprogramm und Winzer aus verschiedenen Regionen Deutschlands. Die sollten zum Wein auch was sagen können und ihn nicht nur ausschenken. Ich wollte nicht bloß Verkaufsstände haben.

Sind Sie selbst Weinkenner?

Ich würde mich nicht als Weinkenner bezeichnen. Ich hatte aber Kontakt mit befreundeten Winzern. Und einer hat nach dem Blick auf die Burg gesagt: „Das läuft hier.“ Und das war dann mein erstes großes eigenes Event.

Was sind die Herausforderungen für einen Veranstalter?

Man muss den Mut haben, sich selbstständig zu machen und in Vorleistung zu gehen. Man braucht ein gutes Netzwerk mit Künstlern und Agenturen. 2012 hatte ich dann das Glück, auch mit „Blumenthal aktiv“ zusammenzuarbeiten. Da gab es kleine Zuschüsse, und das Netzwerk der Einzelhändler war gut fürs Feedback.

Wie war denn vorab Ihr Gefühl?

Ich habe gespürt, dass es gut werden kann. Und ich habe an dem Konzept lange gefeilt. Womit kannst du hier Geld verdienen? Das war die Frage. Wenn wir gute Arbeit leisten, sehen wir den Erfolg immer am Wochenende.

Und was war im Nachhinein verbesserungswürdig?

Wir haben beschlossen, mehr Feuershows anzubieten. Im zweiten Jahr haben wir dann auch mehr für Kinder gemacht. Das ist ja kein Fest unter dem Motto „Hoch die Tassen“, sondern auch eine Veranstaltung für Familien. Erst abends wandelt sich das Publikum. Jedenfalls war trotz Dauerregens bei acht Grad im Mai die Hütte voll.

Was ist der Schlüssel für den Erfolg einer Veranstaltung?

Wichtig ist die gezielte Auswahl der Musik. Sie muss zum Thema und zur Location passen. Zu verschiedenen Gebäuden muss man verschiedene Konzepte entwickeln. Winzer, Weine, Künstler sind auf dem geschlossenen Burghof ideal. Die Leute bleiben mehrere Stunden.

Und beim „Burgleuchten“ im Winter?

Jenseits von „Kling Glöckchen, klingelingeling“ können die Leute hier vom Trubel ausspannen und ein Gläschen trinken.

Welche Mängel gab es hier?

Wir müssen das kulinarische Angebot erweitern. Stände mit Süßwaren haben gefehlt, weil ein Crêpestand und einer mit gebrannten Mandeln zwei Tage vorher abgesagt wurden. Man muss mit den Besuchern sprechen, um die Veranstaltungen zu verbessern.

Was sind ihre neuesten Projekte, und wo sind die Unterschiede zu bereits existierenden Veranstaltungen ihrer Agentur?

Bei den „Schönebecker Schloss-Spielen“ stellen wir den musikalischen Aspekt heraus mit klassischer Musik, Jazz, aber auch mit Theater. Wein spielt da nicht die Hauptrolle. Wir wollen außerdem das Schloss illuminieren.

Gibt es auch hier Feuer?

Nicht unbedingt, aber es wird Überraschungen geben. Bei den „Lesumer Dixieland-Tagen“ ist der Ortsamtsleiter Florian Boehlke auf mich zugekommen. Das läuft dann in Zusammenarbeit mit Ortsverein, dem Beirat und der Interessengemeinschaft Einzelhandel und Gewerbe Lesum.

Haben Sie noch mehr Ideen im Köcher?

Ja, es werden sich noch weitere interessante Projekte entwickeln. Es geht mir dabei um qualitativ hochwertige Veranstaltungen. Aber die ersten zwei Jahre sind immer schwierig, erst im dritten Jahr weiß man, was gut ankommt.

Was sind denn die Stärken der Kulturszene in Bremen-Nord?

Wir haben eine gute Kulturszene im ganzen Bremer Norden. Vieles wird viel zu schlecht geredet. Wir sollten unsere Stärken betonen.Wir haben ein sehr gut funktionierendes Kulturbüro, den Kulturbahnhof, das Overbeck-Museum, das Bürgerhaus und viele freie Veranstalter wie das „Muddy“ im Bereich der Rockmusik. Außerdem Events im Bunker, das Festival Maritim und das Gewölbe. Außerdem ist auch die freie Kunstszene sehr interessant. Man kann in Bremen-Nord jeden Tag eine hochwertige Veranstaltung besuchen.

Und was fehlt?

Man müsste noch eine Sprayerszene haben und Probenräume. Wir haben unglaublich gute Musiker hier. Es fehlt nur der Mut, dabei muss das nicht viel kosten. Und es ist besser, man hört abends ein Konzert als die Bedröhnung aus dem Fernseher.

Zur Person: Lutz Hößelbarth stammt ursprünglich aus der DDR. Kurz vor der Wende verließ er das Land per Ausreiseantrag. In Bremen-Nord arbeitete er zunächst an diversen Veranstaltungsprojekten mit und machte sich anschließend selbstständig. Im November 2011 gründete Lutz Hößelbarth seine Veranstaltungsagentur H & W Weserevents in Vegesack. Seine Pilotprojekte waren „Feuer und Wein“ sowie „Burgleuchten“ auf Burg Blomendal. Derzeit plant der gelernte Bühnentechniker die ersten „Schönebecker Schloss-Spiele“ (12. und 13. Juli) sowie die ersten „Lesumer Dixieland-Tage“ (30. und 31. August). Hößelbarth ist außerdem Inhaber des „Wesercafé Erlesenes“, in dem Literaten und Musiker gastieren.

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