Fahrerflucht in der Vahr: 27-jähriger Hauptverdächtiger ist durch zahlreiche Delikte aufgefallen Ein alter Bekannter

In blauen Schutzanzügen untersuchen die Ermittler der Spurensicherung das Unfallauto. Mit dem Fahrzeug wurde vor gut einer Woche ein 13-jähriger Junge angefahren und lebensgefährlich verletzt.
17.06.2016, 00:00
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Ein alter Bekannter
Von Pascal Faltermann

In blauen Schutzanzügen untersuchen die Ermittler der Spurensicherung das Unfallauto. Mit dem Fahrzeug wurde vor gut einer Woche ein 13-jähriger Junge angefahren und lebensgefährlich verletzt. Jedes Detail, jeden Fingerabdruck, jede Hautschuppe und DNA-Spur an dem Opel Astra schauen sich die Beamten genau an. Die Ermittlungen zu dem schweren Unfall am vergangenen Freitag dauern weiter an, obwohl ein 27 Jahre alter Bremer als Hauptverdächtiger festgenommen wurde. Gegen den Beschuldigten besteht der dringende Tatverdacht des versuchten Totschlags durch Unterlassen, teilte die Staatsanwaltschaft am Donnerstagmorgen mit.

Der stellvertretende Leiter des Landeskriminalamts, Jürgen Osmers, erklärte dann am Nachmittag, dass der mutmaßliche Täter polizeilich mehrfach in Erscheinung getreten ist. Gewalt-, Eigentums-, Betrugs- und Verkehrsdelikte – die Liste der registrierten Taten des Mannes ist lang. „Mehr als 60 Ordnungswidrigkeitsverfahren gegen den Verdächtigen liegen zudem beim Stadtamt vor“, sagte Kripo-Chef Osmers. Der schwer verletzte Junge befand sich nach einer Notoperation im Koma. Am Donnerstag schwebte er weiterhin in Lebensgefahr, sein Zustand sei kritisch.

Am Freitagmittag gegen 12.37 Uhr hatte der Tatverdächtige den 13-jährigen Jungen mit dem Auto an der Kreuzung Julius-Brecht-Allee Ecke Konrad-Adenauer-Allee in der Vahr angefahren. Der Junge war mit seinem Fahrrad bei Grün über die Ampel gefahren, als ein silberfarbener Opel Astra auf ihn zuraste und ihn frontal erfasste. Das Kind wurde 15 Meter weit über die Straße geschleudert und erlitt lebensgefährliche Kopfverletzungen. Der Autofahrer war über Rot gefahren.

In der Nacht auf Mittwoch gegen 2 Uhr nahmen dann Spezialkräfte mit Beamten der Mordkommission drei Männer in einer Lounge in Delmenhorst fest. Die Verdächtigen leisteten keinen Widerstand. Den silbergrauen Opel Astra, mit dem der Täter den Jungen anfuhr und flüchtete, fand die Polizei in derselben Nacht im Bremer Süden (Neustadt, Woltmershausen) auf dem Gelände eines Import- und Export-Unternehmens. Ob das Fahrzeug entsorgt werden sollte, ist noch nicht geklärt.

Von den drei vorläufig festgenommenen Tatverdächtigen seien laut Kripo-Chef Osmers die zwei möglichen Komplizen wieder auf freiem Fuß. Gegen beide Männer werde aber wegen des Verdachts der versuchten Strafvereitelung weiter ermittelt. Wie viele Menschen zur Unfallzeit im Wagen saßen, ist derzeit noch unklar. Zeugen sprechen von einer oder zwei Personen. Die Tendenz gehe allerdings eher in die Richtung, dass es keine Beifahrer gegeben habe, so Osmers. Fest stehe, dass der Unfallverursacher nach dem Zusammenstoß aus seinem Wagen aus- und wieder einstieg. Den Jungen ließ er schwer verletzt liegen.

Seit vergangenem Sonntag hatte sich auch die Mordkommission in den Fall eingeschaltet, weil die Staatsanwaltschaft Bremen wie erwähnt von versuchtem Totschlag durch Unterlassen ausgeht. 20 bis 30 Beamte seien laut dem Leiter der Mordkommission, Helmut Mojen, mit dem Fall beschäftigt gewesen. Anfang der Woche waren es etwa 15 Ermittler und zusätzliches Fachpersonal, bei der Festnahme und der Sicherstellung des Autos dann 30 Einsatzkräfte. Die Arbeit der Polizei habe sich in die Länge gezogen, weil es sich bei dem Unfallfahrzeug um einen Leihwagen handelt, bei dem nicht klar gewesen sei, an wen er verliehen wurde. Ein Mix aus Zeugenaussagen habe zu den Festnahmen geführt. Die Hinweise kamen von Mitarbeitern der Autovermietung und von Personen, die am Unfallort waren.

Der inhaftierte Hauptverdächtige hat sich bisher nicht geäußert und von seinem Schweigerecht gebraucht gemacht, teilt Silke Noltensmeier, Pressesprecherin der Staatsanwaltschaft Bremen, mit. Neben dem Tatverdacht des versuchten Totschlags ist der Unfallverursacher verdächtig, sich wegen fahrlässiger Körperverletzung, der Gefährdung des Straßenverkehrs und des unerlaubten Entfernens vom Unfallort strafbar gemacht zu haben.

Die Polizei bittet in dem Fall weiter um Mithilfe. Für Hinweise, die zur Aufklärung der Tat führen, ist eine Belohnung von 1500 Euro ausgesetzt. Vor allem Videomaterial oder Fotos könnten relevant sein. Zeugen können sich unter der Telefonnummer 3623888 an den Kriminaldauerdienst der Polizei Bremen wenden.

„Videoaufnahmen könnten bei den Ermittlungen helfen“ Kripo-Chef Jürgen Osmers
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