Restaurantbesprechung

Essen wie im Orient

Das Al-Dar entführt den Gast nicht nur vom Ambiente her ins Märchen von 1001 Nacht. Für die Zunge ist es eine Wohltat, einmal völlig andere Aromen zu schmecken.
03.10.2018, 19:50
Lesedauer: 3 Min
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Essen wie im Orient
Von Marcel Auermann

Das ging in manchen Restaurants, die das Flair eines bestimmten Landes nach Deutschland transportieren sollen, schon gehörig daneben. Entweder, weil es der Inhaber selbst versuchte und kein glückliches Händchen bewies. Oder der Architekt zu verspielt, viel zu kitschig ans Werk ging. Als Gast tritt man da also manchmal wirklich in verstaubte Puppenstuben, die eher an das Wohnzimmer der Tante erinnern. Im Al Dar stellt sich die Sache ganz anders dar.

In den Räumlichkeiten des Schuppen Eins in der Überseestadt ist man eher überrascht, wie elegant es zugeht: Stühle mit hoher Lehne, blütenweiß eingedeckte Tische mit ebenso reinen Stoffservietten. Und es stehen langstielige Weingläser parat, die einem guten Wein angemessen sind. Man glaubt ja gar nicht, in welchen mickrigen Gefäßen einem oft der gute Tropfen serviert wird und man sich fragt, wie da jemals der Wein sein volles Bouquet entfalten soll. Im Al Dar stimmt’s also. Und das machte uns schon ziemlich glücklich.

"Lampen wie aus dem Märchen von 1001 Nacht"

Hinzu kamen noch die Lampen wie aus dem Märchen von 1001 Nacht. In Kugel- und Tropfenform hängen sie von der Decke, sind bestückt mit Glas und Scherben in den unterschiedlichsten Farben. An diesem Abend warfen sie künstlerische, bunte Muster an die Wand und als die Sonne hinter der Weser versank, stellte sich eine heimelige, wohlige Atmosphäre im Al Dar ein.

Die freundlichen Kellner trugen ihren Teil dazu bei. Wir fühlten uns willkommen in einem Haus der unterschiedlichen Kulturen und Menschen. Uns wurde also genau das vermittelt, was „Al Dar“ im Arabischen ausdrückt.

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Bei all diesen Eindrücken entdeckten wir natürlich auch dieses Monstrum auf dem Nachbartisch. Es handelte sich um ein unglaublich großes Brett mit etwa 15 Schälchen mit Vorspeisen. Das sah sehr, sehr lecker aus. Da wir aber drei Gänge essen wollten und nicht nur Mazza, nahmen wir davon Abschied. Haben uns das, und dann eben nur das, für die nächsten Monate schon auf unsere Liste geschrieben. Dieses Mal nahmen wir also Sambusik Sujuk (6,95 Euro). Dahinter verbargen sich kleine Blätterteigtaschen, gefüllt mit hausgemachten, pfiffig gewürzten Lammwürstchen. Dazu reichte die Küche eine milde, leicht säuerliche Joghurtcreme, die dem Ganzen einen geschmeidigen Halt gab.

Ich entschied mich für Batata Moulafaha (6,25 Euro): Kartoffelscheiben mit einer gesunden Note Knoblauch, Koriander und Petersilie, kurz in Olivenöl angebraten und mit Zitronensaft abgelöscht. Ein guter Start in einen angenehmen Abend.

Hier wird jeder satt

Wie ein schwarz-weißes Kunstwerk sah die Hauptspeise meiner Begleitung aus: Kubbeh-Laban (17 Euro). Denn die etwas zu sanft gewürzten Teigbällchen aus Lammhack und Weizengrütze übergoss der Koch mit einer erfrischenden Joghurt-Minz-Soße, sodass alles weiß war und der schwarze Sesam schöne Reflexe setzte. Mein Lahmeh-Siniah (15,90 Euro) war weniger etwas fürs Auge, aber dafür umso mächtiger. Also von dieser Portion gehackten Lammfleisches dürfte jeder satt werden.

Dazu gab es noch sautiertes Gemüse und eine herrlich pikante Tomaten-Paprika-Soße. Nachdem ich schon zur Vorspeise Kartoffeln hatte, hätte ich lieber Reis als Beilage nehmen sollen statt der gebratenen Kartoffeln nach arabischer Art. Denn irgendwann fühlte ich mich gestopft wie eine Weihnachtsgans.

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Spätestens jetzt kam für mich der Moment eines großen Schlucks Rotwein. Wir wählten den Prestige des Coteaux aus dem Libanon, der mit 7,45 Euro für 0,2 Liter nicht gerade günstig ist. Mit seinem satten Geschmack nach Himbeeren und seinem warmen, nussigen Aroma, vergaßen wir den Preis aber recht schnell wieder.

Irgendwann hatten wir auch wieder Platz für einen Nachtisch. Bei diesem Gang sollten es die Gäste so machen wie das Pärchen bei der Vorspeise am Nachbartisch. Man bestelle das Al-Dar-Dessert (7,90 Euro) und esse zu zweit davon. Denn diese kleine Platte sämtlicher Nachtischköstlichkeiten reicht für zwei. Darauf befanden sich hausgemachtes Eis aus Feigen, Rosen und Granatapfel, Orangenblütenwasserpudding und einige arabische Süßigkeiten.

„Für die Zunge ist es eine Wohltat“

Fazit: Das Al Dar entführt den Gast nicht nur vom Ambiente her ins Märchen von 1001 Nacht. Für die Zunge ist es eine Wohltat, einmal völlig andere Aromen und Zutatenkombinationen zu schmecken.

Al-Dar, Konsul-Smidt-Straße 26, 28217 Bremen, Telefon: 69 68 63 00, Öffnungszeiten: Montag bis Donnerstag von 17 bis 22 Uhr, Freitag bis Sonntag ab 12 Uhr, barrierefrei, Internet: www.aldar.de

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