Projektkosten nahezu verdoppelt Fernwärmepipeline der SWB wird deutlich teurer

Nicht nur bei staatlichen Auftraggebern können die Kosten für große Bauprojekte aus dem Ruder laufen. Die geplante Fernwärmepipeline des Bremer Energieversorgers SWB wird deutlich teurer als geplant.
12.01.2020, 21:53
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Fernwärmepipeline der SWB wird deutlich teurer
Von Jürgen Theiner

Die Kosten für die geplante Fernwärme-Pipeline quer durch Bremen sind drastisch gestiegen. Der Versorger SWB hat Informationen des WESER-KURIER bestätigt, wonach sich der finanzielle Aufwand gegenüber ersten Berechnungen von 35 Millionen auf knapp 60 Millionen Euro nahezu verdoppelt hat. Das Unternehmen will an dem Projekt trotzdem festhalten. Die neue Leitung soll große Mengen heißen Wassers vom Müllheizkraftwerk Findorff über eine rund sieben Kilometer lange Strecke zum vorhandenen Fernwärmenetz im Raum Hastedt/Vahr transportieren. Für das Vorhaben gibt es einen ehrgeizigen Zeitplan.

Das Pipeline-Projekt steht in direktem Zusammenhang mit dem von der SWB geplanten Kohleausstieg. Das Fernwärmenetz im Bremer Osten hängt derzeit noch am Kohlekraftwerk Hastedt. Nach dessen Abschaltung müsste das heiße Wasser anderswo erzeugt und in das vorhandene Leitungsnetz eingespeist werden. Die Pläne der SWB sehen vor, die Warmwassererzeugung in Findorff auszubauen und von einem bereits vorhandenen Leitungspunkt in Höhe Hochschulring eine Pipeline in die Vahr abzweigen zu lassen, die auf Höhe des dortigen Gaskraftwerks in das Versorgungsnetz einmünden würde. Das Projekt kann nach Berechnungen der SWB jährlich rund 100.000 Tonnen klimaschädliches Kohlenstoffdioxid einsparen.

Neues Kraftwerk in Hastedt

Thermische Energie für das Fernwärmenetz soll noch an einem weiteren Standort erzeugt werden. Auf dem Gelände des Hastedter Kohlekraftwerks plant die SWB ein neues Gas­motoren-Blockheizkraftwerk (BHKW), das zugleich Strom liefern soll. Der Aufsichtsrat des Energieversorgers hat auch für dieses Vorhaben kürzlich die Mittel freigegeben. Rund 140 Millionen Euro steckt das Unternehmen in den Standort Hastedt, Baubeginn soll im Mai sein. Inklusive der Pipeline investiert die SWB damit knapp 200 Millionen Euro.

Dass sich der Anteil für die Heißwasserleitung so stark erhöht hat, liegt nach Darstellung von Unternehmenssprecher Friedhelm Behrens sowohl an Veränderungen des ursprünglichen Trassenverlaufs als auch an zusätzlichem Aufwand an diversen Streckenpunkten – vorhandene Bauwerke müssen unterquert und Spundwände gesetzt werden. Außerdem hat der Boden an verschiedenen Stellen eine andere Beschaffenheit als gedacht, was zusätzlichen Aufwand verursacht. „Wir waren von der Entwicklung nicht begeistert, aber die Wirtschaftlichkeit des Projektes ist nicht grundsätzlich infrage gestellt“, sagt Behrens. Die Pipeline müsse sich nicht innerhalb weniger Jahre amortisieren.

In der internen Unternehmenskommunikation der SWB werden sowohl die Fernwärmeleitung also auch das neue Hastedter Gas-BHKW mit dem Fertigstellungsdatum Ende 2022 angegeben. Zumindest für das Pipeline-­Projekt ist dies ein sehr ehrgeiziger Zeitplan, denn das erforderliche Planfeststellungsverfahren hat noch nicht begonnen. Verzögerungen durch Einwände von Bürgern oder Institutionen sind in solchen Prozessen keine Seltenheit. Es müsste alles recht glattgehen, damit die Tiefbauer im ersten Quartal 2021 mit der Verlegung der ersten Rohre beginnen können.

Lesen Sie auch

Projekte verbessern Bremer Klimabilanz

Bremens rot-grün-rote Regierungskoalition hat ein ausgeprägtes Interesse daran, dass die Infrastrukturprojekte rasch vorankommen, sind sie doch eine Voraussetzung für eine verbesserte Klimabilanz des kleinsten Bundeslandes. Für das Jahr 2020 wird Bremen seine selbst gesteckten Klimaziele verfehlen, das steht bereits fest. Aber mittelfristig könnten größere Fortschritte erzielt werden, wenn die beiden Kohlemeiler der SWB im Hafen und in Hastedt vom Netz gehen. Der sogenannte Block 6 im Hafen soll schon im Frühjahr abgeschaltet werden, allerdings nur vorübergehend und saisonal bedingt. Im Grundsatz bleibt er bis auf weiteres Teil der Stromerzeugungskapazitäten.

Die SWB hatte im vergangenen Jahr bereits ihre grundsätzliche Bereitschaft signalisiert, auf den von der Politik gewünschten Ausstieg bis 2023 hinzuarbeiten. Eine der Voraussetzungen wäre die rechtzeitige Fertigstellung der Pipeline/BHKW-Infrastruktur.

Was mit Bremens größtem Kohlekraftwerk in Farge wird, bleibt dagegen vorerst unklar. Der 350-Megawatt-Meiler, der im Volllastbetrieb stündlich rund 100 Tonnen fein gemahlenen Kohlenstaub verbrennt, ist er vor kurzem an einen US-Investor verkauft worden.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+