Neue Einstellungstests in Bremen Fit genug für die Polizei?

Die Bremer Polizei will in diesem Jahr 200 Polizeianwärter einstellen. Eigens dafür wurde ein neuer Einstellungstest entwickelt. Änderungen gibt es vor allem im Bereich der Sportprüfungen.
23.08.2019, 12:59
Lesedauer: 3 Min
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Fit genug für die Polizei?
Von Ralf Michel

Der Einstellungstest für Bremens Polizei wird geändert. Moderner sollen er sein, eng am Alltag der Polizisten orientiert und nicht zuletzt auch transparenter für alle Bewerber. Für Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) ein Baustein, um die bis zum Ende der neuen Legislaturperiode angepeilte Zielzahl von 2900 Polizisten in Bremen (und 520 in Bremerhaven) zu erreichen. Um junge Leute für diesen Beruf zu begeistern, bedürfe es verstärkter Anstrengungen, sagte Mäurer am Freitag im Rahmen der Präsentation des neuen Konzepts. Abstriche an den geforderten Standards soll es aber trotzdem nicht geben. Es habe "Anpassungen" gegeben, lautet die offizielle Sprachregelung. Vor allem im Bereich Sport: "Jeder soll eine faire Chance haben, die Prüfungen auch zu bestehen."

Das bisherige Eignungsverfahren galt Innenbehörde und Polizei nicht mehr als zeitgemäß. Seit über 20 Jahren wurde abgesehen von kleinen Änderungen nach demselben Muster geprüft, erklärte Andrea Wittrock, Leiterin der Zentralen Polizeidirektion. Seit Anfang des Jahres sei das Testverfahren nun von Grund auf überarbeitet worden. Eingeflossen seien dabei neben eigenen Erkenntnisse auch Erfahrungen aus anderen Bundesländern und wissenschaftliche Untersuchungen.

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Dass die Arbeitsgruppe, bestehend aus Mitarbeitern der Polizei Bremen, der Ortspolizeibehörde Bremerhaven und der Innenbehörde, seit Anfang 2019 tätig ist, kommt nicht von ungefähr. "Wir stehen im Wettbewerb mit anderen Bundesländern und dem Bund, alle suchen Polizisten", betont Mäurer. Deutlich wurde dies Ende vergangenen Jahres beim Blick auf die Bewerberzahl für den Ausbildungsjahrgang, der im Oktober 2019 an den Start gehen soll. "Da hatten wir Sorge, nicht genug Bewerber zu bekommen", räumt Wittrock ein. Mit einer Verlängerung der Bewerbungsfrist von Dezember auf April und intensiver Nachwuchswerbung wurde erfolgreich gegengesteuert: 2304 Bewerber standen am Ende für 200 bis 250 Ausbildungsplätze zu Buche. So viel wie nie, sagt Wittrock.

Für den Ausbildungsjahrgang, der im Herbst 2020 eingestellt werden – laut Mäurer wieder 200 bis 250 –, soll diese Art Probleme dank der "Ausbildungskampagne 2020" inklusive der neuen Einstellungstests gar nicht erst entstehen. Und dies, obwohl die Konkurrenz gerade im kommenden Jahr besonders hart wird. Wegen der Umstellung der Schulzeit von zwölf auf wieder dreizehn Schuljahre wird es 2020 in Niedersachsen kein Abitur geben. Damit fällt ein kompletter Bewerberjahrgang weg. Eine besondere Herausforderung, so Mäurer. "50 Prozent aller Bremer Polizisten kommen aus Niedersachsen."

Das neue Eignungsverfahren orientiert sich eng an den realen polizeilichen Alltagsanforderungen. Bei der Sportprüfung fällt etwa der klassische Sprint weg. Dafür tauchen hier Elemente wie "Handkraftmessung" oder "Hindernis überwinden und Personenrettung" auf. Grundkompetenzen wie Kraft, Ausdauer und Beweglichkeit müssen weiterhin nachgewiesen werden. Aber ohne Bestleistungen, erklärt Wittrock eine weitere Änderung. „Unser Ziel ist, dass wir diese Kompetenzen unter Anleitung der Sportlehrer auf Basis der Grundfitness im Studium weiter trainieren.“ Vor allem aber erhalten die Bewerber beim Sporttest ab sofort eine zweite Chance. Wer hier bei einer Prüfung durchfällt, hat sechs Wochen Zeit, zu trainieren und darf sie dann wiederholen.

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Wichtig ist den Verantwortlichen auch die Transparenz des Verfahrens. Auf der Homepage der Polizeien Bremen und Bremerhaven werden alle Testteile bis hin zu den Mindestanforderungen mit Beispielen, Kurzvideos und Tipps zum Üben dargestellt. Wer will, könne sich auf diese Weise selbst in einem gewissen Rahmen auf die Prüfungen vorbereiten.

Nicht geändert haben sich die Eingangsvoraussetzungen für das Studium an der Hochschule für Öffentliche Verwaltung. In Bremen wird weiterhin für den gehobenen Dienst ausgebildet, soll heißen, Bewerber benötigen in der Regel Abitur oder Fachhochschulreife. Ein mittlerer Bildungsabschluss plus abgeschlossener Berufsausbildung und Berufserfahrung ist allerdings auch möglich.

Mehr Infos zu Voraussetzungen und Tests sowie Tipps zum Einstellungsverfahren gibt es unter fit-genug.de direkt im Internet oder über die Homepage der Polizei.

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