Flughafen Bremen Flughafen heißt jetzt „Bremen Airport Hans Koschnick“

Schon seit Monatsbeginn prangt der über 20 Meter Schriftzug an der Straßenseite des Terminals, doch erst jetzt ist es auch offiziell: Seit Mittwoch trägt der Bremer Flughafen den Namen „Bremen Airport Hans Koschnick“.
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Von Frank Hethey

Damit würdigt Bremen den populären Sozialdemokraten, der fast zwei Jahrzehnte nicht nur die Geschicke der Stadt lenkte, sondern sich auch auf internationalem Parkett profilieren konnte – nicht zuletzt als EU-Krisenmanager in Bosnien-Herzegowina hat sich der im April 2016 gestorbene Koschnick Respekt und Anerkennung verschafft.

Als „eine der zentralen Persönlichkeiten der deutschen Außenpolitik neben Willy Brandt“ bezeichnete ihn Bürgermeister Carsten Sieling (SPD) bei der Einweihungsveranstaltung in der Bremenhalle. Koschnick habe stets versucht, Wege zu öffnen und Verbindungen zu schaffen. Gerade darum, sei es eine „sehr gute Entscheidung, den Flughafen umzubenennen“.

Bremen eifert damit dem Beispiel anderer deutscher Großstädte nach. Erst seit 25 Jahren gehört es in Deutschland zum guten Ton, Flughäfen nach prominenten Persönlichkeiten mit enger Beziehung zur jeweiligen Stadt zu benennen. Den Anfang machte München, das 1992 seinem neuen Flughafen den Namen des ehemaligen bayrischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß gab.

1994 folgte Köln mit der Benennung seines Airports nach dem ersten Nachkriegskanzler und früheren Oberbürgermeister Konrad Adenauer, 2014 Nürnberg mit der Würdigung des Malers Albrecht Dürer. Zuletzt zog 2016 Hamburg nach, als es anlässlich des ersten Todestags von Altkanzler Helmut Schmidt den Namen seines Flughafens modifizierte.

Und nun also Bremen. Die Stadt sei damit „in sehr guter Gesellschaft“, befand die neue Flughafen-Chefin Petra Höfers bei ihrer ersten öffentlichen Amtshandlung seit dem Rauswurf ihres Vorgängers Jürgen Bula vor knapp drei Wochen. „Wir sind stolz, dass wir einen großen Bremer Politiker ehren dürfen“, so die 56-Jährige. „Hans Koschnickstand sein Leben lang dafür, Verbindungen zwischen Völkern und Nationen zu schaffen und dafür steht im weitesten Sinne auch ein Flughafen.“

"Erste wesentliche Ehrung"

Von einem „großartigen Tag für Bremen“ sprach derweil Bürgermeister Sieling. Der neue Name erinnere „alle Bremerinnen und Bremer ebenso wie die vielen Gäste unserer Stadt aus dem In- und Ausland an einen leidenschaftlichen Weltbürger, international hoch anerkannten Staatsmann und Bremer Bürgermeister, der stets das Verbindende zwischen den Menschen gesucht hat und der sein Leben lang für Freiheit und soziale Gerechtigkeit, für Solidarität und Demokratie gekämpft hat.“

Mit der Namensgebung wird laut Sieling die „erste wesentliche Ehrung“ Koschnicks vorgenommen. Und zwar „an einem Ort, der symbolisiert, wie Hans Koschnick das Örtliche und Internationale verbunden“ habe. Kurz: „Es ist der richtige Ort und das richtige Symbol.“

Drei Städte nannte Sieling, deren Namen mit Koschnick eng verbunden seien: die beiden Partnerstädte Danzig (Polen) und Haifa (Israel) sowie Mostar (Herzegowina), die einstige Wirkungsstätte Koschnicks als EU-Administrator. In Mostar habe Koschnicks internationale Tätigkeit seine Abrundung erfahren. Im gleichen Atemzug betonte Sieling indessen auch die regionale Bedeutung des Geehrten. „Koschnick ist der erste reine Landespolitiker, nach dem ein Flughafen benannt wird.“

Verantwortliche des Flughafens sprechen nur von Namenszusatz

Bereits im Frühjahr hatte der Senat seinen Entschluss kurz vor dem ersten Todestag Koschnicks verkündet. Mehrfach war eine Expertenrunde zusammengekommen, um über eine angemessene Würdigung Koschnicks zu beraten. „Im vertrauten Kreise haben wir lange nachgedacht und diskutiert“, so Sieling.

Mit dabei war als historischer Fachmann auch der Leiter des Staatsarchivs, Konrad Elmshäuser. Seine Aufgabe sei es gewesen, der Mythen- und Legendenbildung rund um Koschnickentgegenzuwirken. „Bei einem so beliebten Mann ist die Gefahr immer groß, dass Anekdoten als Tatsachen ausgegeben werden.“ Nicht von einer Umbenennung wie Sieling, sondern nur von einem Namenszusatz sprechen indessen die Verantwortlichen des Flughafens.

Zu lesen ist der Schriftzug mit seinen silberfarbenen, 80 Zentimeter hohen Lettern nicht nur an der Frontseite des Terminals, sondern auch an der Rückseite im Landebereich. Künftig können die Buchstaben sogar in unterschiedlichen Farben illuminiert werden. Zusätzlich informieren Gedenktafeln an allen Eingängen über das Leben und Wirken des neuen Namensgebers.

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