Parteien diskutieren über Entwicklung Ganztagsschulen mit Fragezeichen

Ganztagsschulen können sinnvoll sein. Einerseits, um Kindern mit schlechteren Startbedingungen mit zusätzlicher Lernzeit zu helfen. Andererseits helfen sie bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf.
13.03.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Ganztagsschulen mit Fragezeichen
Von Matthias Lüdecke

Ganztagsschulen können aus zwei Gründen sinnvoll sein. Einerseits, um Kindern mit schlechteren Startbedingungen mit zusätzlicher Lernzeit zu helfen. Andererseits helfen sie bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Wie aber soll die Entwicklung weitergehen?

Das war am Donnerstag das Thema einer Podiumsdiskussion, zu der der Ganztagsschulverband eingeladen hatte. Die zentralen Positionen der Beteiligten:

Ganztagsschulverband: „Die Entwicklung muss unbedingt weitergehen“, sagt der Vorsitzende des Ganztagsschulverbands, Jürgen Jaracewski, „und sie sollte sich nicht nur auf Grundschulen konzentrieren, sondern muss auch weiterführende Schulen betreffen.“ Derzeit bekämen die Schulen Geld nur für Ganztagsunterricht bis zur siebten Klasse. Das müsse – zumindest stufenweise – geändert werden.

„Ganztagsunterricht kann nicht in der Mitte der Schulzeit aufhören, sondern sollte durchgängig angeboten werden“, findet Jaracewski. Er plädiert zudem für einheitliche Qualitätsstandards und wünscht sich eine Entwicklung vor allem hin zu sogenannten gebundenen Ganztagsschulen – also Einrichtungen, bei denen das zusätzliche Angebot verpflichtend ist und nicht, wie bei der offenen Form, freiwillig.

Zentral-Elternbeirat: „Qualität muss vor Quantität gehen“, fordert ZEB-Vorstandssprecherin Andrea Spude. Sie plädiert dafür, die bestehenden Ganztagsschulen erst einmal besser auszustatten, bevor man weitere Einrichtungen eröffnet. Zudem solle man auch für offene Ganztagsschulen Mindeststandards setzen, für die die Schulen dann auch ausgestattet werden müssten.

Auch Spude tendiert zu gebundenen Ganztagsschulen, meint aber, dass offene Angebote dort sinnvoll sein können, wo Eltern und Schulen das wünschen. „Egal, in welcher Form, am Nachmittag kann es aber nicht nur um bloße Betreuung gehen“, sagt Spude.

SPD: Die SPD strebt einen flächendeckenden Ausbau der Ganztagsschulen im Grundschulbereich an. Ob es dabei offene oder gebundene Einrichtungen sein sollen, müsse standortabhängig entschieden werden, sagt der bildungspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Mustafa Güngör. „Man muss sich jeweils vor Ort ansehen, was die Eltern wünschen und wozu eine Schule bereit ist“, sagt er. Wenn Geld dafür da sei, sollten auch die weiterführenden Schulen berücksichtigt werden.

Güngör bevorzugt eher die gebundene Form, doch räumt er ein, dass dies auch aus finanziellen Gründen nicht sofort flächendeckend umzusetzen sein wird. Deswegen müsse man insgesamt Schwerpunkte setzen: allgemein auf einen Ausbau im Grundschulbereich in der Fläche, die gebundene Form speziell dort, wo Schüler schwierigere Startvoraussetzungen haben oder vor besonderen Herausforderungen stehen.

Grüne: „Wir wollen den Ausbau der Ganztagsschulen weiter vorantreiben, vor allem im Grundschulbereich“, sagt Grünen-Bildungspolitikerin Sülmez Dogan, „wir sollten dann aber auch schauen, ob wir die Oberschulen mit in den Ausbau einbeziehen können.“ Die Frage nach der Form hält Dogan offen.

„Unser Wunsch ist es, dass vor allem gebundene Einrichtungen entstehen, vor allem dort, wo viele Schüler von einer oder mehreren Risikolagen betroffen sind. Aber wir verschließen uns anderen Formen nicht“, sagt sie. Offene Schulen könnten auch ein guter Zwischenschritt hin zu gebundenen sein. Dogan will zudem prüfen, wie die inhaltliche Qualität der Schulen sich entwickelt hat.

CDU: Für einen bedarfsdeckenden Ausbau der Ganztagsschulen plädiert der bildungspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Thomas vom Bruch. Es müsse einen sowohl qualitativen wie quantitativen Ausbau geben, auch in weiterführenden Schulen. „Wir bevorzugen dabei die gebundene Form, akzeptieren aber den Willen der Eltern, wenn sie etwas anderes möchten“, sagt vom Bruch. Er sieht zudem die Notwendigkeit, dass Schulen besser in die Stadtteile und ihr jeweiliges Umfeld eingebunden werden. Und er meint, dass der Ausbau deutlich schneller vorangehen muss: „Die rot-grüne Koalition ist ihrem Anspruch nicht gerecht geworden.“

Linke: Linken-Fraktionschefin Kristina Vogt will soziale Kriterien beim Ausbau stärker berücksichtigen. Zunächst müsse man dort nachsteuern, wo die Ganztagsschulen vor allem dazu dienten, mehr Bildungsgerechtigkeit herzustellen, sagt sie. Dort, wo es vor allem um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf gehe, könne sie sich andere Modelle vorstellen als gebundene Ganztagsschulen – auch Horte.

Bei weiterführenden Schulen plädiert Vogt für Verbesserungen. Sie glaubt, dass dies auch ohne großen finanziellen Aufwand zu machen wäre. „Ältere Jahrgänge haben ohnehin länger Unterricht“, sagt sie, „da geht es vor allem um eine vernünftigere Tagesaufteilung und einen geregelten Pausenbetrieb. Da könnte man auch ohne viel Geld viel verbessern.“

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