Gelände an der Dietrich-Wilkens-Straße Gerüche verhindern Wohnungsbau

Bauflächen in Heelingen sind beliebt. Für das Gelände an der Dietrich-Wilkens-Straße existierte bereits ein Bebauungsplan. Ein TÜV-Gutachten für das Gelände spricht nun von erheblicher Geruchsbelästigung.
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Von Christian Hasemann

Bauflächen in Heelingen sind beliebt. Für das Gelände an der Dietrich-Wilkens-Straße existierte bereits ein Bebauungsplan. Ein TÜV-Gutachten für das Gelände spricht nun von erheblicher Geruchsbelästigung.

Seit Anfang des Jahres hat der Stadtteil auf ein Geruchsgutachten gewartet, dessen Ergebnisse nun bekannt geworden sind. Die für Hemelingen wenig überraschende Erkenntnis des Schnüffeltests: Es riecht. Zwar nicht an jedem Tag und nicht bei jeder Windrichtung, aber doch an so vielen Tagen, dass nicht ohne Weiteres in direkter Nachbarschaft des Verursachers gebaut werden kann.

Dabei sind es nicht nur die Gerüche der Coffein Compagnie, Arbeitgeber von fast 400 Beschäftigten und seit über 80 Jahren in Hemelingen ansässig, an der Sebaldsbrücker Heerstraße, sondern auch die sanfteren Odeurs einer Kaffeerösterei im Hemelinger Hafen – das jedenfalls lässt sich aus den Windrichtungen und der Geruchsbelästigung in dem vom TÜV-Nord erstellten umfangreichen Gutachten schließen. Ob und wie stark der Geruch als störend empfunden wird, ist allerdings sehr individuell.

Gutachten hat für Verstimmung gesorgt

Das Gutachten hatte zuvor für Verstimmung zwischen dem Beirat Hemelingen und der Umweltbehörde gesorgt – der Beirat hatte bemängelt, dass er nicht alle Werte bekommen habe. Tatsächlich seien zunächst nur einzelne Ergebnisse übermittelt worden, heißt es aus dem Umweltressort, aber dies aus dem einfachen Grund, weil der Behörde selbst noch nicht alle Ergebnisse vorgelegen hätten.

Die Gutachter haben für zwölf Prozent aller Jahresstunden eine Geruchsbelästigung berechnet, was etwa jedem achten Tag entspricht. Das klingt erst mal nach nicht sehr viel. Allerdings liegt damit nach Geruchsimmissionsrichtlinie (kurz: GIRL) eine erhebliche Geruchsbelästigung vor. Für Gewerbegebiete gilt ein höherer Wert. Bei dem infrage stehenden Areal an der Dietrich-Wilkens-Straße handelt es sich laut Flächennutzungsplan (FNP) aber um ein Wohngebiet – dort gelten zehn Prozent als Schwellenwert. Damit könnten im Falle einer Bebauung Klagen drohen.

Dass nichts passiert, liegt aber nicht an den Gerüchen allein, sondern auch an weiteren rechtlichen Abwägungen im Hinblick auf den Bestandsschutz von Unternehmen und zum Beispiel an Vorgaben zu Abständen zwischen Industrieanlagen und Wohnhäusern.

Bestandsschutz

Derzeit laufen daher Gespräche zwischen den Verursachern der mal mehr oder weniger starken olfaktorischen Belästigung und der senatorischen Behörde. „Die Coffein Compagnie hat schon viel gemacht, um Filteranlagen einzubauen, und man muss gucken, ob es noch zu verbessern ist“, sagt Jens Tittmann, Pressesprecher des Senators für Bau und Umwelt.

Über mögliche Lösungen werde derzeit gesprochen. Generell habe das Unternehmen eine Zulassung und es gelte ein Bestandsschutz nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz. Deswegen würden alle weiteren Maßnahmen des Unternehmens „die Freiwilligkeit berühren.“

Bestandsschutz bedeutet in diesem Zusammenhang, dass Immissionen, wie Lärm oder Geruch, von Anliegern hingenommen werden müssen, wenn es keine technischen oder wirtschaftlich vertretbaren Lösungen gibt. Neben Filteranlagen hat das Unternehmen, das knapp 100.000 Tonnen entkoffeinierten Kaffee im Jahr herstellt, in der Vergangenheit Hallen gebaut, um einen geschlossenen Produktionskreislauf zu schaffen.

Mit einer raschen Bebauung ist also eher nicht zu rechnen. Dabei reichen die ersten Pläne schon elf Jahre zurück – damals sollte noch eine Wohnbebauung bis an die Bahnlinie Bremen-Hannover verwirklicht werden. 2010 hatte dann die Baubehörde entschieden, den alten Bebauungsplan zu ändern und das geplante Wohngebiet zu verkleinern. Stattdessen entstand entlang der Bahnlinie eine kleine Grünanlage. Für die Wohnbebauung an der Dietrich-Wilkens-Straße sollte in der Folge ein gesonderter Bebauungsplan entstehen. Dieser existiert bis heute nicht, das Verfahren steht nach einem Aufstellungsbeschluss erst ganz am Anfang.

Es wird also vorerst weiter Kaffeeduft über eine weitgehend kahle Brache an der Dietrich-Wilkens-Straße wehen.

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