Im Kampf gegen Corona

Mehr Schnelltests und Selbsttests

Testen, testen, testen - um die Pandemie in den Griff zu bekommen, will die Bundesregierung kostenlose Schnelltests einführen. Außerdem setzt sie auf Selbsttests, die nächste Woche auf den Markt kommen.
02.03.2021, 18:52
Lesedauer: 2 Min
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Mehr Schnelltests und Selbsttests
Von Marc Hagedorn

Es steckt ganz schön viel drin in der Verpackung, entsprechend groß ist die Box. Zwei Testkassetten, ein Fläschchen mit Pufferlösung, sterile Tupfer, einzeln verpackt, dazu eine Arbeitsstation sowie Teströhrchen und Kappen zum Verschließen. So sieht das Set für einen Corona-Selbsttest der Firma Siemens aus, der wahrscheinlich schon ab kommender Woche in den ersten Apotheken, Drogerien und Supermärkten zu kaufen sein wird.

An diese Ausstattung sollte man sich schon mal gewöhnen, denn Schnell- und Selbsttests werden in den kommenden Monaten eine größere Rolle spielen als bisher bei der Pandemiebekämpfung. So wollen es die Ministerpräsidenten und die Bundeskanzlerin in einer Videokonferenz an diesem Mittwoch beschließen. „Die Verfügbarkeit von Schnell- und Selbsttests in großen Mengen stellt einen weiteren Baustein dar, der es ermöglichen wird, das Pandemiegeschehen positiv zu beeinflussen“, heißt es in einem Entwurf zur Konferenz. Und weiter: „Für die nächsten Wochen und Monate wird es bei stabilem Infektionsgeschehen einen Vierklang geben aus Impfen, Testen, Kontaktnachvollziehung und Öffnungen.“

Klaus Scholz, Präsident der Apothekerkammer Bremen, hält den Ansatz, so viel wie möglich zu testen, für richtig. Auch mithilfe von Selbsttests, die jeder zu Hause durchführen kann. „Wenn die Selbsttests korrekt durchgeführt werden, können sie helfen, Infektionen auch ohne Symptome zu erkennen“, sagt Scholz.

Tatsächlich sind für die Durchführung mehrere Handgriffe und ein gewisses Maß an Genauigkeit nötig, allerdings wird die Handhabung im Beipackzettel ausführlich beschrieben. Im Internet gibt es außerdem entsprechende Videos. Ein Vorteil der ersten Selbsttests, die jetzt auf den Markt kommen: Die Proben werden im Nasenvorhof entnommen, was deutlich angenehmer ist als ein Abstrich tief im Rachen.

Trotzdem hält Scholz Schnelltests unter professioneller Aufsicht wie in Testzentren, Arztpraxen oder Apotheken für besser geeignet. „Meine Sorge ist, dass bei einem Verkauf der Selbsttests in der Fläche die Gefahr wächst, dass sich negativ getestete Personen in falscher Sicherheit wiegen.“ Außerdem setze der Einsatz von Selbsttests ein hohes Maß an Verantwortungsbewusstsein und Ehrlichkeit beim Anwender voraus. Bei einem positiven Test müssen der Hausarzt beziehungsweise das Gesundheitsamt informiert werden, damit alle weiteren notwendigen Maßnahmen wie etwa die Quarantäne eingeleitet werden können. Ob diese Meldung beim Amt tatsächlich geschieht, ist bei Selbsttests Vertrauenssache.

Deshalb hält Scholz weitere Öffnungen, etwa von Gaststätten, Kinos oder Theatern, nur für angebracht, wenn ein aktueller und bestätigter Test am Eingang vorgelegt werden kann oder an Ort und Stelle durch­geführt wird. Selbsttests könnten eher bei ­Aktivitäten im Familienkreis, etwa dem Besuch der Großeltern zu Ostern, eine Entscheidungshilfe dafür sein, ob man sich treffen will oder doch lieber nicht. „Und auch hier gilt: Der Test ist nur eine Momentaufnahme“, sagt Scholz, „er hat nicht lange Gültigkeit.“

Die Bundesregierung will bis Anfang April ein bis zwei wöchentliche und kostenlose Schnelltests bei Lehrern und Schülern, in Unternehmen mit Präsenzpflicht am Arbeitsplatz, aber auch für Bürger einführen, die keine Symptome zeigen. Alle Getesteten erhalten über das Testergebnis eine Bescheinigung, ausgestellt zum Beispiel vom Testzentrum oder der durchführenden Praxis.

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