Nordbremer Archive öffnen ihre Türen

Kahnschifferhaus in Farge: Die Bewahrer alter Sachen

Im Kahnschifferhaus in Farge ist in den vergangenen Jahren eine Sammlung mit Häuser-Akten entstanden. Sie ist ein Beispiel für das, was die Archive ihren Gästen am Sonntag zeigen.
02.03.2018, 09:58
Lesedauer: 4 Min
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Von Gabriela Keller
Kahnschifferhaus in Farge: Die Bewahrer alter Sachen

Alte Bücher können in den Archiven bestaunt werden.

Daniel Karmann

Arend Wessels legt einen Stapel alter Akten auf den Tisch. Auf vergilbten Seiten in Ordnern und Mappen ist nachzulesen, wann in Farge die ersten Wasseranschlüsse gelegt wurden und wie im Jahre 1928 der Sommerdeich ausgebessert wurde.

Ein blaues Heft gibt Auskunft über An- und Umbauten in den 1920er Jahren, als Farge noch eine eigenständige Gemeinde war. Alte Baugenehmigungen und Bauzeichnungen füllen mehrere Ordner. „Die Dokumente haben wir im vergangenen Jahr im Blumenthaler Rathaus entdeckt, als es wegen des Umzugs des Ortsamtes ausgeräumt wurde. Ich bekam einen Tipp, dass auf dem Boden alte Akten lagern“, erzählt Wessels.

Für den Mitarbeiter des Archivs im Kahnschifferhaus sind solche Funde wahre Schätze. Am bundesweiten Tag der Archive am Sonntag, 4. März, werden sie mit vielen weiteren Dokumenten zur Geschichte des Stadtteils im Reetdachhaus an der Straße Unterm Berg 31 den Besuchern präsentiert. Dort ist das Archiv des Heimatvereins Farge-Rekum seit vielen Jahren zuhause.

Seit 1948 sammelt der Verein alles über die Entwicklung und das Leben in Farge und Rekum. Alte Grundstückskaufverträge, Meierbriefe, Karten, Zeitungsausschnitte und historische Fotos füllen reihenweise Aktenordner. „Wir sammeln Dokumente und Fotos zu über 50 Themen“, sagt Wessels. Von A wie Awo oder Altentagesstätte bis W wie Witteburg und Werften reicht das Spektrum der Sammelgebiete.

Staatliche Sammlung an Häuserakten

Acht Helfer betreuen das Archiv. „Erst kürzlich haben wir drei neue Mitarbeiter gewinnen können“, erzählt Wessels. Der gebürtige Farger ist seit 20 Jahren dabei. „Über die Familienforschung kam ich in Kontakt mit dem Heimatverein.“ Das Spezialgebiet des 74-Jährigen, der bis zu seinem Ruhestand als Lagermeister bei der Bremer Woll-Kämmerei arbeitete, ist die Geschichte der alten Häuser in Farge und Rekum samt ihrer früheren und heutigen Bewohner.

Seit 15 Jahren beackert er das Feld. Inzwischen ist eine stattliche Sammlung an Häuserakten entstanden: 13 Aktenordner für Rekum und 10 für Farge, alle nach Straßen und Hausnummern sortiert, füllen in einem Metallschrank die Regale. Beim Tag der Archive können die Besucher darin blättern und lesen. Etwa über den Bischoffschen Hof, den nachweislich ältesten in Rekum. 1513 taucht er erstmals in Urkunden auf, 1968 wird er abgerissen. Ein Schicksal, nach nach über 400 Jahren auch den Kochschen Hof ereilte. 2014 wurde der älteste Hof in Farge dem Erdboden gleichgemacht.

Nicht nur am Tag der Archive stellen die Mitarbeiter ihre Arbeit vor. Jeden ersten und dritten Donnerstag im Monat ist jeder Interessierte willkommen, in der Sammlung zu stöbern.

Begleitbroschüre für jeden

Seit etwa zehn Jahren lädt der Verein zu Ausstellungen ins Kahnschifferhaus. „Zu jeder Ausstellung geben wir eine Begleitbroschüre heraus“. Sie und auch die neueste Veröffentlichung von Arend Wessels über die Geschichte von Farge-Rekum sind am Tag der Archive im Kahnschifferhaus erhältlich. Geöffnet ist das Haus am Sonntag von 11 bis 17 Uhr.

In einer 664 Jahre alten Raubritterburg befindet sich das Heimatarchiv des Vereins Burg Blomendal. Jürgen Peters ist als Chefarchivar der Herr über Dokumente, Zeitungsausschnitte, Fotos und Dias. Seit 25 Jahren betreut der gebürtige Rönnebecker zusammen mit seinem Cousin Klaus Peters die Sammlung.

Im Archivraum im Obergeschoss der Burg werden Dokumente zur Vergangenheit und Gegenwart des früheren Handwerker- und Schifferdorfes Blumenthal, das sich später mit Unternehmen wie der inzwischen geschlossenen Bremer Woll-Kämmerei zum Industriestandort wandelte, in unzähligen Schubladen bewahrt.

Kopien alter Schriftstücke und Zeitungsauschnitte informieren thematisch geordnet und nummeriert über alte Flurnamen, Straßenbau und Feuerwehrwesen, Vereine, alte Gewerke, Walfang, Schiffbau, Wollverarbeitung und natürlich über die wechselvolle Geschichte der Burg Blomendal.

Inzwischen hilft der Computer beim Sammeln mit. „Seit acht Jahren sind wir dabei, die Dokumente aus dem Urkunden- und Zeitungsarchiv zu digitalisieren“, berichtet Jürgen Peters. Seit kurzem wird auch das Dia-Archiv digitalisiert. „Wir haben extra ein neues Gerät angeschafft, mit dem wir komplette Magazine bearbeiten können."

Schulklassen kommen oft vorbei

Rund 1500 Dias umfasst das Archiv laut Peters: Aufnahmen von Blumenthaler Straßen, Gebäuden und bekannten Persönlichkeiten wie dem Walfang-Kapitän und Polarforscher Eduard Dallmann, dem bekanntesten Sohn des Ortes.

Zu den Schätzen der Sammlung gehören alte Seefahrtsbücher der Blumenthaler Walfänger. „Jedes Buch wird kopiert und aus dem Sütterlin übersetzt. Dabei unterstützt uns ein Helfer“, erzählt Peters. Das persönliche Steckenpferd des Kraftwerkmeisters im Ruhestand ist die Geschichte der Blumenthaler Straßen. „Mein aktuelles Projekt ist der Weserwanderweg mit den früheren Werften“.

Neben interessierten Bürgern nutzen laut Peters vor allem Schulklassen das Archiv. „Die stöbern hier oft mehrere Tage für Projektarbeiten über die Burg Blomendal.“ Wissenschaftler der Universität recherchieren in der Burg über die Werften an der Unterweser, Walfang und Rittertum.

Mit Vorträgen und Ausstellungen geht das Archivteam an die Öffentlichkeit. Und dann ist da noch das Museum ein Stockwerk tiefer. Geschichte, die das Archiv in Wort und Bild dokumentiert, wird dort anschaulich und mit den Händen greifbar.

Am Tag der Archive nehmen die Blumenthaler wegen Umbauarbeiten an der Burg nicht teil. Für Interessierte stehen Sammlung, Museum und Burg aber jeden Donnerstags von 15 von 17 Uhr offen.

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