Mittsommerfest am 24. Juni macht den Anfang Bremer Lichtluftbad feiert 110-jähriges Bestehen

Bremen. Das Lichtluftbad auf dem Stadtwerder feiert in diesem Jahr sein 110-jähriges Bestehen. Tradition bewahren und Moderne einbeziehen – mit dieser Idee haben das Kulturzentrum Lagerhaus und die Bremer Shakespeare Company den Strandpark erneuert.
23.06.2011, 06:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Barbara Debinska

Bremen. Das Lichtluftbad auf dem Stadtwerder feiert in diesem Jahr sein 110-jähriges Bestehen. Tradition bewahren und Moderne einbeziehen – mit dieser Idee haben das Kulturzentrum Lagerhaus und die Bremer Shakespeare Company binnen weniger Jahre neuen Glanz in den Prießnitz-Verein und damit in den Strandpark gebracht.

Seit sechs Jahren sitzen Anselm Züghart, Geschäftsleitung des Kulturzentrums Lagerhaus, und Renate Heitmann, Geschäftsleitung der Bremer Shakespeare Company, gemeinsam im Vorstand des Lichtluftbad-Vereins Prießnitz und haben den Ort der Freikörperkultur, der Ruhe, Entspannung und des Sports mit kulturellen Impulsen entscheidend aufgewertet. So brachten sie mit der Umsetzung des Konzeptes „Strandbühne LiLuBa“ unter anderem das Blaumeier-Maskentheater, das Straßenzirkusfestival „La Strada“ und jüngst das Kriminaltheater in den Strandpark.

Und als 2007 das Bremer Kunstfestival „Breminale“ wegen starker Regenfälle auszufallen drohte, stellte das Lichtluftbad auf dem Stadtwerder den Künstlern seine Bühne zur Verfügung. Nicht nur in der Kulturszene hat sich das Lichtluftbad als Kulturort etabliert, auch die stetig steigenden Mitgliederzahlen des Vereins spiegeln den Erfolg des modernisierten Konzeptes wider.

Drei Reihen Stacheldraht am Zaun

Wie alles begann: Der Prießnitz-Verein für volksverständliche Gesundheitspflege und Naturheilpflege hat die Anlage auf dem Stadtwerder 1901 gegründet. Ganz nach den Prinzipien des Naturkundlers und Wasserdoktors Vincenz Prießnitz sollten die Bremer damals in der Badeanlage etwas Gutes für ihre Gesundheit tun, Ruhe und Entspannung finden mithilfe von Licht, Luft und Wasser. Vier Jahre später ist um das gesamte Gelände ein Holzzaun errichtet worden, die FKK-Abteilung wurde eröffnet. Der Zaun musste mindestens zweieinhalb Meter hoch sein und mit drei Reihen Stacheldraht versehen werden. Zu den Auflagen gehörte ebenfalls eine strenge Geschlechtertrennung bereits am Eingang, in Umkleiden, Duschen, Bädern und den Räumen mit den Sitzbadewannen.

"Schon bald häuften sich Gerüchte, dass Damen aus dem Bremer Rotlichtmilieu, dem Ballett und dem Theater gerne ins Lichtluftbad zum Entspannen kamen", erzählt Züghart aus überlieferten Geschichten. Das habe dazu geführt, dass nicht selten manch neugieriger Späher versuchte, über den Zaun zu lugen, um einen Blick auf die weiblichen Badegäste zu erhaschen.

1912 Mitglieder-Höchststand

Nach dem Gründungsjahr mit 800 Mitgliedern verzeichnete der Lichtluftbad-Verein im Jahr 1912 einen Höchststand von 1400 Mitgliedern. „Um die Jahrtausendwende zählte der Verein nur noch etwa 80 Mitglieder mit weiter degressiver Entwicklung“, weiß Vereinsvorstand Anselm Züghart. Aktuell freut sich Züghart über eine große Nachfrage nach einer Vereinsmitgliedschaft. „Zurzeit haben wir 270 Mitglieder, Tendenz steigend. Wir schaffen es kaum, mit der Bearbeitung der Neuanmeldungen nachzukommen“, sagt er. Waren es vor zehn Jahren meist ältere Bürger, die den Verein mit ihren Beiträgen unterstützten, ist die Altersstruktur heute heterogener: „Wir haben Mitglieder, die dem Verein seit über 50 Jahren treu sind und viele Jüngere, das jüngste Mitglied ist ein Jahr alt“, so Züghart.

Seit 1901 wurde das Gelände des Lichtluftbades stetig erweitert. Im Jahr 1921 um 3000 Quadratmeter erweitert, bestand die Anlage nun aus Damen-, Herren- und Familienbad. 1935 ist das Gelände auf insgesamt 12.000 Quadratmeter Fläche ausgedehnt worden. Obstbäume wurden gepflanzt. Im gleichen Jahr wurde der Verein der Nationalistischen Wohlfahrt (NSV) unterstellt, so dass das Vereinsgelände, das damit in den Besitz der NSV überging, als Tageserholungsstätte für rund 400 Kinder diente.

Anfang der 1960er Jahre erweiterte der Verein seine Anlage um einen Tennisplatz, und zwischen 1962 und 1986 feierten die Faustballmannschaften große Erfolge. Heute ist das Gelände des Luftbads 20.000 Quadratmeter groß. Im Sommer werden jeden Sonntag ab 13 Uhr Sport-, Spiel- und Freizeitkultur angeboten.

Den entscheidenden Impuls zur Modernisierung des Luftbad-Konzeptes gab 2005 der neue Vereinsvorstand mit der Eröffnung der „Strandbühne LiLuBa“. Im Rahmen des Kooperationsprojektes des Kulturzentrums Lagerhaus und der Bremer Shakespeare Company mit dem Prießnitz-Verein sind neben den angebotenen Kulturveranstaltungen nach dem Motto „Nutzen, schützen und entwickeln“ auch umfangreiche Instandsetzungs- und Umbaumaßnahmen, unter anderem an der Naturbühne, dem Rundgang, dem Bouleplatz und im Bereich der Gastronomie, durchgeführt worden.  Zudem hat der Verein einen eigenen Internetauftritt eingerichtet und beschäftigt neben derzeit fünf Mini-Jobbern seit Anfang dieses Jahres eine festeingestellte Arbeitskraft.

Erfolg durch Know-How, Infrastruktur und erfahrene Mitarbeiter

Von Beginn an haben Anselm Züghart und Renate Heitmann das Know-How, die Infrastruktur und die Mitarbeiter des Lagerhauses und der Shakespeare Company als Synergieeffekte für das Kooperationsprojekt im Lichtluftbad genutzt. Mitgebrachte Erfahrung, Mitarbeiter und Werkzeug führten zu einem raschen Erfolg des Kultur-Konzeptes. Bis heute finanziert sich der Lichtluftbad-Verein ausschließlich aus den Mitgliedsbeiträgen und seit der Konzeptumstellung auch aus den Einnahmen der Kulturveranstaltungen.

Inklusive der Besucher, die zu den Kultur-Events kommen, hat sich die Zahl der Tagesgäste pro Saison von etwa 2000 im Jahr 2005 auf bis zu 5000 heutzutage erhöht. „Langsam stoßen wir auf Kapazitätsgrenzen“, beschreibt Züghart anhand der Besucherzahlen den Erfolg des Lichtluftbads. Ganz im Sinne des diesjährigen Jubiläumsmottos „Leben, Liebe und Genuss“ fasst Züghart zusammen, was ihm das Luftbad bedeutet: „Es ist ein zauberhafter Ort hier in Bremen, in den wir uns verliebt haben.“

Lichtluftbad feiert

In diesem Jahr wird die 110. Saison im Strandpark mit einem abwechslungsreichen Veranstaltungsprogramm gefeiert. Den Auftakt macht das Mittsommerfest am 24. Juni. Ab 18 Uhr gibt es Party, Feuershow und Konzerte: Sängerin Kiwi, die neunköpfige Band Skalinka sowie Schlagzeuger Oli Rubow und DJ Peter Musebrink sorgen auf der Bühne für gute Stimmung.

Gleich einen Tag später, am 25. Juni, findet ein großes Bauchtanzfest statt. Ab 20 Uhr zeigen Künstler des Tanzstudios "A Nada" ihre Darbietungen begleitet von orientalischen Klängen. Zudem können sich Besucher filigrane Henna Tattoos auf die Haut zeichnen lassen. Auch entspannende Massagen werden angeboten. Für orientalisches Flair in der Sommernacht sorgen die "Drums for Dancer" und ab 23 Uhr DJ Gülbahar Kültür.

Im August ist das Kriminaltheater und Künstler des La Strada-Festivals zu Gast auf dem Stadtwerder. Und eingebettet in das Kinder- und Jugendfestival wird die Saison mit dem Sommerfest „110 Jahre Lichtluftbad“ im September abgeschlossen.

Weitere Informationen zum Lichtluftbad gibt es auf www.liluba.de

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