Konzert im Pier 2 Farin Urlaub hat Spaß mit seinem Publikum

"Es besteht keine Gefahr für die Öffentlichkeit" steht auf den Plakaten für Farin Urlaubs Tournee. Ein Versuch, Harmlosigkeit vorzugeben. Auf der Bühne des Bremer Pier 2 sah das jedoch ganz anders aus.
27.05.2015, 16:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Lars Fischer

„Es besteht keine Gefahr für die Öffentlichkeit“ hat Farin Urlaub auf den Plakaten für seine aktuelle Tournee vermeldet. Ein Versuch, Harmlosigkeit vorzugeben und insgeheim doch gewohnt subversiv die bestehenden Moralvorstellungen zu untergraben? Ja und nein - denn das, was er unter diesem Motto mit seinem Racing Team, seiner vielköpfigen Begleitband, auf die Bühne des seit langem ausverkauften Pier 2 bringt, ist weder angepasst, noch ist es besonders aufwieglerisch.

Man könnte mit einem anderen Song seiner Hauptband Die Ärzte zurecht die Frage stellen: „Ist das noch Punkrock?“ Das Racing Team ist professionell aufgestellt und bis auf die vierköpfige Bläsersektion lässt Urlaub sich ausschließlich von Musikerinnern begleiten. Das gewollte Chaos, das sich Die Ärzte auch im höheren Alter und auf größten Bühnen bewahrt haben, bleibt hier aus. Man merkt dem immer noch wasserstoffblonden und schelmisch dreinblickenden Hahn im Korb seinen Spaß an diesem Unternehmen an, aber es ist eben kein lustiges Nebenprojekt, sondern eine ernstzunehmende Band.

Spritziger Witz

Während Kollege Bela B. sich auf Solopfaden aktuell seiner Leidenschaft für Rockabilly und Country hingibt, zeigt auch Farin Urlaub, welchen Teil zu der Schnittmenge, die Die Ärzte ergeben, er beiträgt. Seine Lieder sind die direkteren, die auf eingängige Melodien, ein wenig Hardrock-Attitüde, etwas Ska-Einfluss und spritzigen Witz setzen. Das Material seiner bislang vier Solo-Alben ist dabei nicht herausragend, aber es taugt problemlos für einen vergnüglichen Konzertabend.

Dazu trägt natürlich die Präsentation erheblich bei, und an der gibt es nichts auszusetzen. Mit großer Lightshow, angemessener eingerichteter Bühne und den gestalterischen Möglichkeiten, die eben eine Band mit vier Sängerinnen (vom Chef als „Nattern“ bezeichnet), Bläsersatz, zwei E-Gitarren, Schlagzeug, Bass und einigen Kleinigkeiten mehr bietet. Auch das eine klare Abgrenzung vom reduzierten Trio-Konzept der Ärzte, von denen es auch keine Songs an diesem Abend zu hören gibt.

Urlaub vermeidet, permanent alle Musiker zu beschäftigen, so dass die Arrangements Abwechslung bieten. Vor allem aber funktioniert die Interaktion auf der Bühne, sodass nicht der Eindruck entsteht, hier habe sich ein musikalischer Diktator seine Begleiter zusammengekauft.

Mitmachspiele inklusive

Farin Urlaub, der eigentlich Jan Vetter heißt, und – daher der Künstlername – seine sonstige Freizeit von den Ärzten gerne auf Reisen verbringt, gibt sich entspannt und weiß, wie er sein Publikum bei der Stange hält. Er treibt die üblichen Mitmachspiele auf die Spitze, lässt das Auditorium ganze Strophen lautmalerisch und gestenreich begleiten und hat daran mindestens so viel Freude wie die Fans.

Auch musikalisch wagt er ein paar Späßchen, wenn er „Die Leiche“ als beeindruckende A capella-Version spielt oder seinen Tubaspieler zum traditionellen Blasmusik-Intro ansetzen lässt, um dazu zu jodeln. Vor allem aber gibt er mit dem Racing Team fast zweieinhalb Stunden lang Vollgas, bis Blitz und Donner – in Form einer weiteren Publikumsanimation – durchs Pier 2 zischen und bollern. Auch ohne weitere Ärzte eine wirkungsvolle Rundum-Behandlung.

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