Geschichten aus dem Altbau

Grusel-Podcast aus Bremen

Die beiden Bremer Josch Kliemann und Christoph Wellbrock produzieren mit „Geschichten aus dem Altbau“ einen Podcast, bei dem die Zuhörer mitraten können, ob erzählte Schauergeschichten wahr oder erfunden sind.
17.06.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Grusel-Podcast aus Bremen
Von Alexandra Knief

Manchmal fangen die Geschichten harmlos an, mit einem knarrenden Boden, einer knallenden Tür oder einem leichten, unerklärlichen Frösteln, das einem eine Gänsehaut verursacht. Manchmal kommt es aber auch viel schlimmer. Da fliegen plötzlich Dinge durch die Luft, geliebte Menschen verändern sich, und nicht selten sind sogar Leben in Gefahr. Gruselige Geschichten über Geister, Dämonen und andere Dinge, die sich nicht immer rational erklären lassen, gibt es viele. Einige sind nie wirklich passiert. Sie wurden erfunden, damit Kinder nicht in den dunklen Wald gehen und vielleicht auch, damit Erwachsene nie vergessen, vorsichtig zu sein. Andere wiederum beruhen auf wahren Begebenheiten. Gerade sie sind ein beliebter Stoff für Filmemacher und Autoren. Gerade sie machen dem Menschen besonders Angst.

Dass Fiktion und Realität oft schwer zu unterscheiden sind, beweisen die beiden Bremer Josch Kliemann und Christoph Wellbrock mit ihrem Grusel-Podcast „Geschichten aus dem Altbau“, der immer freitags im 14-Tage-Rhythmus erscheint. In jeder Folge erzählen sie zwei Gruselgeschichten, die entweder frei erfunden sind oder auf wahren Ereignissen beruhen. Die Zuhörer dürfen mitraten, wie viel Wahrheit in den Geschichten steckt. Auf dem Instagram-Kanal der beiden Bremer können sie zudem ihre Tipps abgeben. Die Auflösung gibt es dann immer in der kommenden Folge. Damit auch eingefleischte Horror-Fans die realen Fälle nicht sofort erkennen, ändern Kliemann und Wellbrock Namen und Orte, schmücken aus oder verfremden die Schauergeschichten ein wenig.

Während des Studiums kennengelernt

Kennengelernt haben sich Wellbrock und Kliemann während ihres Studiums der Kommunikations- und Medienwissenschaft. Die Idee, gemeinsam einen Podcast zu machen, entstand früh. Nur wussten die beiden Bremer nicht so genau, zu welchem Thema. „Die Frage war auch, warum die Leute gerade uns zuhören sollten“, sagt Kliemann. Ein Podcast über Filme war ebenso im Gespräch wie einer über Computerspiele. Dann fanden die beiden Freunde aber noch ein drittes Thema, für das sie beide brennen: Gruselgeschichten. Schon als Kinder hätten sie gerne die „Gänsehaut“-Reihe gelesen oder Formate wie „Geschichten aus der Gruft“, später „X-Faktor – Das Unfassbare“ im Fernsehen verfolgt. Letzteres brachte sie schließlich auch auf die Idee zu ihrem Podcast: Auch bei „X-Faktor“ konnten die Zuschauer mitraten Und auch hier waren einige Fälle frei erfunden.

Doch es gibt auch einen Unterschied: Während die Quellen bei „X-Factor“ meist recht schwammig blieben, wollen Wellbrock und Kliemann ihren Zuhörern ausführliche und gut recherchierte Hintergründe zu ihren wahren Geschichten bieten. Drei bis fünf Stunden brauchen sie nach eigenen Angaben, um ihre jeweilige Erzählungen vorzubereiten. Manchmal, da sind die beiden sich einig, geht es sogar schneller, sich eine Geschichte auszudenken, als einen echten Fall zu recherchieren und aufzubereiten. Erfahrung im Geschichten schreiben hatten Kliemann und Wellbrock vor ihrem Podcast nicht. Mittlerweile haben sie aber großen Spaß daran gefunden. „Und wir werden immer besser“, findet Kliemann. Das zeigt sich auch dadurch, dass die beiden Bremer sich regelmäßig gegenseitig auf den Leim gehen. Denn die Podcast-Macher wissen selbst nicht, ob die Geschichte des anderen wahr ist und geben hinterher ihren Tipp ab.

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Ob sich der Podcast nur an Menschen mit Hang zum Übersinnlichen richtet? Das finden Wellbrock und Kliemann nicht. Ganz im Gegenteil: Auch rational denkende Menschen, die Geister, Gespenster und Dämonen für Humbug halten, seien herzlich willkommen. Denn die „Geschichten aus dem Altbau“ beruhen auf Erzählungen, auf Augenzeugenberichten, auf Ereignissen, die irgendwann von den betroffenen Personen als übernatürlich empfunden wurden. Ob sie es wirklich sind oder ob sich eine rationale Erklärung finden lässt, sei jedem Hörer selbst überlassen. „Auch bei uns ist das ein bisschen ambivalent“, sagt Wellbrock. „Wir glauben nicht an die klassischen Spukgeister, aber wir würden uns trotzdem nicht vor einen Spiegel stellen und zehnmal 'Bloody Mary' sagen. Denn was, wenn da doch was passiert? Es gibt einen Restzweifel, der irgendwie immer da ist.“

Und auch, wer eher ein bisschen schreckhaft und ängstlich ist, wenn es um Gruselgeschichten geht, darf das Podcast-Erlebnis wagen, sagen die beiden Bremer. Kliemann und Wellbrock setzten bei ihren „Geschichten aus dem Altbau“ auf Spannung und Atmosphäre. „Keiner muss Angst haben, dass er erschreckt wird“, versichert das Duo. Wer True-Crime mag, vergleichen die Bremer ihren Podcast mit einem anderen aktuell beliebten Format, werde auch „Geschichten aus dem Altbau“ mögen. „Nur, dass bei uns eben nicht alles wahr sein muss.“

Noch Stoff für viele Folgen

Mittlerweile hat der Podcast rund 750 Abonnenten – viel mehr, als Kliemann und Wellbrock erwartet haben. Ob sie Angst haben, dass ihnen irgendwann die Geschichten ausgehen? „Das wird man sehen, wenn wir bei Folge 300 sind“, sagt Kliemann und lacht. Bisher stoße er aber bei jeder Recherche auf so viele neue Erzählungen, dass der Stoff noch eine ganze Weile auszureichen scheine. Außerdem erhalten sie von Freunden und Zuhörern immer wieder neue Ideen und Tipps. „Es gibt da deutlich mehr, als man denkt.“

Die neueste und mittlerweile achte Folge des Podcasts erscheint am 19. Juni. Abrufbar ist er unter anderem auf Spotify und Apple-Podcasts. Aufgenommen wird er vorab wie immer bei Kliemann oder Wellbrock zu Hause – im Altbau versteht sich. „Es wird unter anderem um einen Kommissar gehen, der am Ende des Falles eine böse Überraschung erlebt“, sagt Wellbrock. Mehr wollen die beiden noch nicht verraten. Es soll ja schließlich spannend bleiben.

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