Sänger Roger Hodgson rührt Ritterhude mit Supertramp-Songs

Ritterhude. In der Wirtschaftsberichterstattung würde man den Aufbau seines Auftritts wohl mit dem Eigenschaftswort antizyklisch bedenken. Denn Roger Hodgson, einstige Stimme der britischen Band Supertramp, deren Werke er an diesem nostalgischen Abend spielte, begann sein umjubeltes Konzert im Ritterhuder Hamme-Forum ausgerechnet mit dem Lied "Take the long way home" (Nimm den langen Weg nach Hause). Und er beendete es , vom Zugabenblock mal abgesehen, nach zwei sehr unterhaltsamen Stunden mit dem Lied "Fool’s Overture" (Eröffnung des Narren).
15.07.2012, 05:00
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Sänger Roger Hodgson rührt Ritterhude mit Supertramp-Songs
Von Hendrik Werner

Ritterhude. In der Wirtschaftsberichterstattung würde man den Aufbau seines Auftritts wohl mit dem Eigenschaftswort antizyklisch bedenken. Denn Roger Hodgson, einstige Stimme der britischen Band Supertramp, deren Werke er an diesem nostalgischen Abend spielte, begann sein umjubeltes Konzert im Ritterhuder Hamme-Forum ausgerechnet mit dem Lied "Take the long way home" (Nimm den langen Weg nach Hause). Und er beendete es , vom Zugabenblock mal abgesehen, nach zwei sehr unterhaltsamen Stunden mit dem Lied "Fool’s Overture" (Eröffnung des Narren).

Dazu passte gut, dass viele der an diesem stimmungsvollen Abend mit prägnanter Stimme vorgetragenen Stücke auch jenseits des im Zugabenteil gesungenen Hits "It’s raining again" den großen Regen beschworen. Der aber blieb aus auf jenem ansehnlich besuchten Areal, das werktags üblicherweise als schnöder Parkplatz dient. Nur einige Tröpfchen entrangen sich dem Himmel über Ritterhude, das mit Hodgsons Engagement zur 7. Torfnacht eine ausgesprochen gute Wahl getroffen hatte.

Der 62-jährige Engländer, der sein Gastspiel an der Hamme mit hervorragend eingespielter Band und sattem Sound über die hübsch beleuchtete Bühne brachte, dürfte für manchen Konzertbesucher das verkörpern, was ein Ansager mit dem zwar pathetischen, aber durchaus angemessenen Ausdruck "Soundtrack unseres Lebens" wiedergab. Tatsächlich war das Durchschnittsalter der Zuhörer derart beschaffen, dass diese viele frühe Erfolge der anno 1969 gegründeten Gruppe noch bewusst miterlebt haben dürften. Selbst den Autor dieser Zeilen, Jahrgang 1966, drängt es zu dem Bekenntnis, dass eine seiner ersten Langspielplatten "Paris" war, ein erhabenes Live-Album aus dem Jahr 1980. Das war lediglich drei Jahre, bevor Roger Hodgson Supertramp (und seinen langjährigen Komponisten-Kumpanen Rick Davies) verließ, um hernach auf nur mäßig ruhmreichen Solistenpfaden zu wandeln.

Umso schöner, dass er in Ritterhude ein stimmiges Programm präsentierte, das neben vereinzelten Liedern seiner Sololaufbahn (C’est le bon", "In jeopardy", "London") vor allem jene Werke versammelte, die fast eine ganze Generation mitzusingen in der Lage ist: das zweiflerische Pubertätstück "Logical song", die heitere USA-Parodie "Breakfast in America", die Desillusionierungshymne "Dreamer". Nicht zu vergessen: "School", jenes Lied, das neben Pink Floyds "Another brick in the wall" die Hoffnungen und Nöte von Heranwachsenden in jener Zeit beispielhaft bündelte.

Erstaunlich, wie gut Hodgson – immerhin schon gut 40 Jahre im Musikgeschäft – bei (gewohnt hoher) Stimme war. Und erstaunlich, wie zeitlos schön (um nicht zu sagen: klassisch) sein Repertoire klingt. Manches an der Instrumentierung wirkt verhalten psychedelisch, als habe Jim Morrison, Sänger der Doors, ausnahmsweise mal drogenfrei komponiert. Andere Lieder wieder, zumal jene mit Saxofon-Einsatz, geraten maßvoll hymnisch, ohne indes je so gefühlsduselig und aufdringlich zu wirken wie all jener bombastische 1980er-Jahre-Schmalz (Stichwort: Spandau Ballet), der auf die Supertramp-Ära folgte.

Diese Mischung aus Geradlinigkeit, Bescheidenheit und Treue zu sich selbst honoriert das Publikum: Manche tanzen versonnen, andere singen lauthals mit, wiederum anderen stehen gar Rührungstränchen in den Augen. Es ist wohltuend, an einem trüben Sommertag daran erinnert zu werden, dass die Welt mehr zu bieten hat als eine womöglich ungenügende Gegenwart.

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