Die Bremer Band Faakmarwin im Porträt

Wie Alice im Wunderland

„Ich kann's nicht mehr hören“ heißt die neue Single der Bremer Band Faakmarwin, die am 8. Februar erscheint. Am 15. Februar gibt die Band ein Konzert im Tower. Und das sind nicht die einzigen Neuigeiten.
07.02.2019, 16:37
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Wie Alice im Wunderland
Von Alexandra Knief
Wie Alice im Wunderland

Die Bremer Band Faakmarwin (von links: Jannik Ost, Ole Janßen und Alex Skipka) veröffentlichen ihre neue Single "Ich kann's nicht mehr hören".

Frank Thomas Koch

Alex Skipka tänzelt singend durch den Flur der Harbor Inn Studios in der Überseestadt. Es ist „Don't Stop Me Now“ von Queen, das er trällert. Gerade erst habe er „Bohemian Rhapsody“ im Kino gesehen und Queen für sich entdeckt. Und sowieso fühlt er sich manchmal in der großen, weiten Welt der Musik wie Alice im Wunderland, sieht jeden Tag etwas Neues, das sein Interesse weckt, hört jeden Tag neue Klänge, die er noch nicht kennt und spürt fast täglich neue musikalische Helden auf.

Und so ist auch die Musik der Bremer Band Faakmarwin ein bunter Stilmix, der sich irgendwo zwischen Pop, Indie-Rock und deutschem Rap einpendelt. Die Frage nach einem konkreten Genre ist auch für Faakmarwin selbst nach wie vor schwer zu beantworten. „Der alte Kram ist so Rap-Indie-Rock, dieses Kraftklub-Ding, wie hundertmal geschrieben wurde“, sagt Gitarrist und Keyboarder Ole Janßen. „Das ist es jetzt aber gar nicht mehr.“ Irgendwie sei musikalisch mittlerweile ein bisschen was von allem dabei, das habe sich einfach so entwickelt. „Es ist jetzt kein großer Wirrwarr-Brei mit Jazz und einer AC/DC-Gitarre, aber es ist weder nur Hip-Hop, noch ist es Rock“, fasst Janßen grob zusammen. „Vom Sound her sind wir eine Spur elektronischer geworden“, ergänzt Sänger Skipka. „Und vom Stil sind wir wieder mehr im Hip-Hop-Bereich gelandet, wo ich auch meine musikalische Heimat sehe.“

Erster neuer Song erscheint an diesem Freitag

Seit mittlerweile sechs Jahren gibt es die Band, die neben Songs wie „Tagträumer“, „Du bist schön“ oder der Bremer Viertel-Hymne zur Aktion „#bremenlebt“ mittlerweile auch zahlreiche Festivalauftritte und bundesweite Konzerte in ihrer Bandbiografie auflisten kann. Und seit Ende vergangenem Jahres auch ein neues Plattenlabel: Die Jungs sind bei Downbeat Records unter Vertrag, dem Label, bei dem sich unter anderen auch Stars wie Bausa („Was du Liebe nennst“), Peter Fox oder Seeed („Dickes B“) austoben.

„Ein Label-Deal stand auf unserer Löffel-Liste“, sagt Skipka. Der Liste mit Dingen, die sie in ihrem Leben erreichen oder erleben wollen. „Also haben wir uns ganz klassisch über unser Management bei diversen Labels vorgestellt, und Downbeat fanden wir gut und sie uns auch.“ Gemeinsam mit dem Label habe man bereits weitere Singles, eine EP und eine Tour zum Sommer hin geplant.

So waren die Musiker aus Bremen im vergangenen Jahr viel in Berlin, haben geprobt, haben an neuen Songs gearbeitet. Der erste davon, „Ich kann's nicht mehr hören“, erscheint an diesem Freitag. In dem Lied geht es um giftige Beziehungen und die Frage, ob und wann man solche Beziehungen beenden kann und sollte. „Es geht um den inneren Konflikt“, so Skipka. Und – das verraten die drei Musiker dann noch hinter vorgehaltener Hand – auch ein bisschen darum, dass die Band nun endlich neue Songs im Gepäck hat und nicht immer nur die gleichen, alten Lieder spielen muss. Gedreht wurde das Video zur Single in einer alten Fabrikhalle in Woltmershausen. Kommende Woche, am 15. Februar, gibt die Band ein Release-Konzert im Tower, wo auch weitere neue Songs präsentiert werden.

Doch es gibt auch eine weniger erfreuliche Veränderung: Christoph Endrigkeit, bisheriges Mitglied des Quartetts, geht aus beruflichen Gründen nach Marburg und verlässt die Band. Das Single-Release-Konzert im Tower wird das vorerst letzte Konzert zu viert sein. Danach machen Faakmarwin zu dritt weiter. Das sorgt kurz für betrübte Stimmung im Aufenthaltsraum der Harbor Inn Studios. „Wenn man sich trennt, trifft man sich ja manchmal wieder und hat noch einmal was miteinander“, sagt Skipka dann. „Vielleicht wird das mit Christoph auch so sein. Er hat auf jeden Fall die goldene Eintrittskarte auf Lebenszeit.“

Kurze Pause, erst mal Kaffee. Das ist nicht das Einzige, was hier in kreativen Schaffenspausen getrunken wird: Auf der Fensterbank reihen sich Ramazotti und Jameson an Sake und Rotweinflaschen. Im Regal daneben liegen Technikzeugs und einige Bücher, zum Teil schon etwas eingestaubt. Fast wie in einer großen WG mit wechselnden Bewohnern, da bleibt eben auch mal was liegen. Dass sich ein paar Meter den Flur hinunter noch große Probe- und Aufnahmeräume befinden, die von diversen Künstlern genutzt werden, ahnt man nicht, wenn man auf einem Hocker aus Fritz-Cola-Kisten in der Küche sitzt, vor mit Postern plakatierten Wänden und einem Mülleimer, der einmal eine Trommel war. Rustikale Gemütlichkeit trifft auf vorerst versteckte Professionalität. Und irgendwie passen Faakmarwin hier wunderbar rein.

Faakmarwin können noch nicht von der Musik leben

Die ein oder andere Zigarette wird gedreht, während über die Entstehung des Bandnamens philosophiert wird. Im Laufe der Jahre habe es so viele skurrile Erklärungen gegeben, dass Skipka (28) und seine Bandkollegen Janßen (26) und Schlagzeuger Jannik Ost (28) selbst gar nicht mehr sicher sind, welche stimmt. „Meine Lieblingsstory ist, dass wir mit Marwin zusammen Abi gemacht haben, er nach der Schule abgehauen ist und kein Social Media benutzt“, sagt Skipka. „Marwin ist Halbfinne und “Faak„ heißt auf finnisch Suche.“ Also wurde die Band nach ihm benannt – in der Hoffnung, ihn zu finden, wenn die Bekanntheit steigt, erklärt Skipka und grinst. Gefunden wurde Marwin bisher auch nicht.

Was das Instrumentale angeht, sind Ost und Janßen größtenteils für die richtigen Töne verantwortlich, Skipkas Fokus liegt auf den Texten. Von der Musik leben können Faakmarwin noch nicht. Alle drei Musiker haben aktuell noch andere Jobs. Skipka arbeitet als Sozialpädagoge, Ost studiert noch und unterrichtet an einer Musikschule und Janßen ist ausgebildeter Mediengestalter und hat Tontechnik studiert. „Es dauert einfach lange, bis man wirklich mit seiner Musik genug Geld verdient“, sagt Skipka. Hinzu kommen hohe Ausgaben für Technik, Instrumente und alles andere, was so gebraucht wird. „Bisher fließt alles, was wir verdienen auch wieder in die Band“, sagt er.

Don't stop them now

Die Musiker erinnern sich noch an ihr erstes Konzert im Tower, wo sie kaum glauben konnten, dass sie selbst dort auf der Bühne stehen, wohin sie früher zum Feiern oder auf Konzerte anderer Künstler gegangen sind. „Leute kommen für unsere Show in den Tower – das ist mega!“ Mega finden das auch die Fans: Mittlerweile seien sogar Freundschaften und Beziehungen im Zuschauerraum von Faakmarwin-Konzerten entstanden. Auch Tattoos hätten sich einige Anhänger stechen lassen. „Wir warten noch auf das erste Faakmarwin-Baby“, sagt Skipka. Gerade das mache die Arbeit so besonders: Zu sehen, wie man andere Menschen mit seiner Musik erreichen kann.

Und in der Zukunft? Wird durch den Label-Deal alles anders? Füllen Faakmarwin schon bald die großen Hallen und ziehen nach Berlin, weil es da einfach hipper ist? Drei Bremer raus in die große, weite Welt? „Wir wohnen in Bremen, wir produzieren unsere Songs hier vor, wir proben hier und haben unsere Familien im Umkreis“, stellt Skipka klar. „Wir fahren für Gigs nach München, zum Produzieren nach Berlin, wir spielen seit fünf Jahren deutschlandweit. Das machen wir weiterhin.“ Im Grunde bleibt also doch alles in etwa so, wie es die letzten Jahre war. Nur mit neuen Songs, frischem Sound und ein bisschen mehr Verstärkung im Rücken.

Der Kaffee ist leer, die letzte Zigarette des Vormittags geraucht. Keine Zeit mehr zum Plaudern, die Arbeit ruft. Im Ohr bleibt der Song von Queen, der gerade wunderbar zu der Band aus Bremen passt. Don't stop them now. They're having such a good time.

Weitere Informationen

Am 15. Februar geben Faakmarwin (vorerst das letzte Mal zu viert) ein „Ich kann's nicht mehr hören“-Releasekonzert im Tower. Tickets gibt es unter anderem bei Nordwest-Ticket.

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