Bremen setzt sich für Hilfen ein

Klubs und Bühnen weiter in Not

Immer mehr Leben kehrt in die Stadt zurück, doch die Bühnen bleiben auf unbestimmte Zeit leer: Bremer Clubs sind durch Corona weiter in Bedrängnis. Das Bremer Wirtschaftsressort sagt Unterstützung zu.
22.05.2020, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Klubs und Bühnen weiter in Not
Von Sara Sundermann
Klubs und Bühnen weiter in Not

Konzerte mit tausenden Menschen wie hier im Pier 2 sind derzeit undenkbar.

Pascal Faltermann

Cafés und Restaurants dürfen mit Auflagen öffnen, Klubs und Musik-Bühnen bleiben geschlossen. „Die Live-Bühnen trifft es am härtesten, weil wir als erstes zugemacht haben und wohl als letzte wieder aufmachen werden“, sagt Julia von Wild vom Verein Clubverstärker, in dem sich 40 Bremer Musikspielstätten zusammengetan haben. „Klubs leben vom Live-Erlebnis, das viel mit Nähe und Begegnung zu tun hat, mit Schweiß und dem Wummern der Bässe – und genau das ist in einer Pandemie natürlich gefährlich.“

„Ein guter Abend im Klub ist nichts anderes als intendierte Tröpfcheninfektion“, heißt es auch in einem Appell von Klubs aus ganz Deutschland, den drei große Bremer Live-Orte unterzeichnet haben: Pier 2, Aladin und Modernes. Die Klubs fordern darin finanzielle Hilfen von Bund und Ländern.

Identitätsprägend

Viele Klubs seien identitätsprägend für ihre Stadt oder Region, betont Oliver Brock, Betreiber von Pier 2 und Tower: „Sie zu verlieren würde bedeuten, jahrzehntelange Aufbauarbeit gering zu schätzen, und zahlreichen Menschen die Möglichkeit zu nehmen, ihre Form von Kultur zu leben.” Er stellt klar: „Ich glaube nicht, dass es im Pier 2 in diesem Jahr noch ein großes Konzert geben wird.“

Für die Klubs fordert Julia von Wild einen Rettungsschirm, der aus Zuschüssen und nicht aus Krediten besteht. Derzeit würden zudem Klubbetreiber an neuen Formaten und Wegen knobeln, um trotz Corona Live-Musik jenseits des Streaming erlebbar zu machen: „Wir sitzen zusammen und arbeiten an Alternativkonzepten.“ Wie solche Konzepte aussehen könnten, sagt sie noch nicht.

Klubs und Konzertveranstalter sind existenziell bedroht, sagt Julia von Wild vom Bremer Bündnis Clubver-­stärker.

Klubs und Konzertveranstalter sind existenziell bedroht, sagt Julia von Wild vom Bremer Bündnis Clubver-­stärker.

Foto: Privat

Bei der Bremer Landesregierung fühlen sich Klubbetreiber mit ihren Nöten durchaus gehört, sagen sowohl von Wild als auch Brock. „Wir fühlen uns nicht allein gelassen“, sagt Brock. Er schildert: „Ich saß auch schon mit dem Bürgermeister zusammen, der davon erzählt hat, dass er mit seiner Punk-Band mal einen Auftritt im Heartbreak hatte.“

Jenseits des Schnacks mit dem Bürgermeister ringen die Klubs mit konkreten finanziellen Ausfällen: Der Tower mache in guten Zeiten rund 30.000 bis 40.000 Euro Umsatz im Monat, so Brock. Da helfen 4500 Euro, die der Klub aus einer Spendenaktion von Bremer Fans erhielt, nur über die allererste Not. Zudem bekamen Klubs Hilfen aus einem Soforthilfefonds des Senats. Doch aus Sicht der Klubs reicht das nicht fürs längerfristige Überleben. Und genau der Frühling, in den nun die Schließung fällt, zählt zur Hauptsaison, in der viele Klubs sich ein finanzielles Polster für die mageren Sommermonate zulegen.

Kleine Klubs besonders bedroht

Die Nöte der Klubs seien existenziell, betont auch von Wild: Wenn es nicht gelinge, ein Rettungsprogramm auf die Beine zu stellen, sei damit zu rechnen, dass es nach Corona in Bremen einige Klubs nicht mehr gebe. Besonders bedroht seien die kleinen Klubs, die sich finanziell ohnehin oft an der Grenze bewegten.

Derzeit laufen Gespräche mit dem Wirtschaftsressort: „Wir nehmen das Thema sehr ernst“, sagt Ressortsprecher Kai Stührenberg. Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt (Linke) macht deutlich: „Für die Attraktivität Bremens ist eine lebendige Klubszene essenziell. Um ein Überleben der Betriebe zu sichern, sind konkrete finanzielle Hilfen nötig.“ Aber es gehe auch um neue Konzepte, da sich die Branche insgesamt verändern werde. Auf diesem Weg wolle man die Bremer Klubs und Veranstalter begleiten und unterstützen.

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