Ausfall wegen Corona?

Noch keine Entscheidung über Bremer Freimarkt

Während der Senat in der Corona-Krise noch keinen Anlass sieht, zu entscheiden, ob der Freimarkt in diesem Jahr veranstaltet werden kann, schmieden die Bremer Schausteller bereits an einem „Plan B“.
22.04.2020, 10:19
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Noch keine Entscheidung über Bremer Freimarkt
Von Silke Hellwig

2020 wird in Schaustellerkreisen in die Geschichte eingehen als das Jahr, in dem das Oktoberfest ersatzlos gestrichen wurde. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) begründete die Absage mit dem zu hohen Risiko für die Gesundheit der Besucher, Wirte und Schausteller. Wie hoch ist das Risiko für den Freimarkt? Das Oktoberfest hätte am 19. September beginnen sollen, der Freimarkttermin ist vier Wochen später: vom 16. Oktober bis 1. November.

Es sei noch deutlich zu früh, eine Entscheidung über den Freimarkt zu treffen, sagt Rudolf Robrahn, Vorsitzender des Bremer Schaustellerverbands. „Es wäre unverantwortlich, voreilig zu sein. Wir haben die Sorge, dass es dazu kommen könnte. Aber noch sind wir zuversichtlich, dass er stattfinden kann, wenn vielleicht auch in einer etwas anderen Form. Wir wollen einen Freimarkt – aber nicht um jeden Preis.“ Es gebe bereits Überlegungen zu einem „Plan B zur Minimierung des Infektionsrisikos“. Denkbar sei, dass „im äußersten Notfall“ auf Großzelte verzichtet werde oder dass sie unter Auflagen, beispielsweise einer Publikumsobergrenze, teilnehmen dürften. Eine weitere Option sei, die Zahl der Freimarktbesucher zu begrenzen oder die Besucherströme – wie in Einkaufszentren – nur in eine Richtung zuzulassen.

Lesen Sie auch

Für niemanden bedeute das Nein zum Oktoberfest automatisch, dass der Freimarkt abgesagt werden müsse. Die Unterschiede zwischen den beiden traditionsreichen Volksfesten seien gravierend, sagt der CDU-Bürgerschaftsabgeordnete Heiko Strohmann, selbst Schausteller. „Das Oktoberfest ist eine Ausnahmeveranstaltung.“ Wegen seiner vielen großen Zelte, aber auch wegen der Besucher, die aus aller Welt anreisten. Strohmann: „Wir haben in Bremen nicht den zeitlichen Druck wie in München, weil wir nicht so viele Zelte haben.Gerade die gelten ja als Infektionsort.“

So argumentiert auch der Deutsche Schaustellerbund: „Die Absage des Oktoberfestes darf kein Indikator sein, andere Volksfeste ab Ende August in Deutschland zwingend und voreilig abzusagen. Die Feste sind für die Schausteller von existenzieller Bedeutung und für die einheimische Bevölkerung zentraler Anker ihres gesellschaftlichen und kulturellen Zusammenlebens.“

Situation der Freizeitparks als Fingerzeig

Ein Fingerzeig für die Schausteller könne sein, wie sich die Situation bei den Freizeitparks entwickelt, so Robrahn. Viele, darunter auch der Heide-Park in Soltau, hoffen darauf, dass sie nicht unter die Kategorie Großveranstaltungen fallen und bald wieder öffnen können. Zoos können in manchen Bundesländern schon wieder besucht werden.

„Für uns gilt: Die Hoffnung stirbt zuletzt“, sagte Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) am Dienstag. Es gelte die nächsten Wochen zu nutzen, um aus der Entwicklung der Infiziertenzahlen Schlüsse zu ziehen. Ähnlich äußern sich die FDP und die Grünen. Die Vorsitzende der FDP-Bürgerschaftsfraktion, Lencke Wischhusen, rät: „Es sollte jetzt keine voreilige Entscheidung getroffen werden. Wir empfehlen, die Situation nach den Sommerferien mit den Schaustellern gemeinsam neu zu bewerten. Fragen des Gesundheitsschutzes haben dabei Priorität.“ Für Robert Bücking, wirtschaftspolitischer Sprecher der Fraktion der Grünen, ist es „für eine verantwortungsvolle Entscheidung zum Freimarkt noch viel zu früh.“ Für ihn gilt ebenfalls: „Der Gesundheitsschutz muss höchste Priorität haben.“

Lesen Sie auch

Derzeit würden die Planungen für das Volksfest vorangetrieben wie in jedem Jahr, so Robrahn weiter. „Wir müssen optimistisch bleiben und überlegen, wann der letzte Tag ist, an dem eine Entscheidung fallen kann, ob der Freimarkt überhaupt oder ob er unter bestimmten Auflagen stattfinden kann.“ Es gehe um die Existenz vieler Schaustellerfamilien. „Schon jetzt sind viele in einer großen Notlage. Es ist verdammt schwer.“ Dazu sagt Heiko Strohmann: „In jedem Fall erwarten wir vom Senat eine Unterstützung der Schausteller, vergleichbar mit den Hilfen für freischaffende Künstler.“

Karussells für eine gewisse Zeit an bestimmten Plätzen

Zur einer möglichen „Schadensbegrenzung“ werde ebenfalls überlegt, ob Karussells für eine gewisse Zeit an bestimmten Plätzen in der Stadt aufgebaut werden könnten, so Robrahn weiter. „Damit könnte man dem einen oder anderen eine kleine Verdienstmöglichkeit einräumen.“ Die Bürger sehnten sich nach Zerstreuung. „Das wäre für die Moral auch von Vorteil.“

„Grundsätzlich wollen wir alle Möglichkeiten nutzen, um den Freimarkt stattfinden zu lassen“, sagt Kai Stührenberg, Sprecher des Wirtschaftsressorts. „Wir werden sehen, wie sich Bund und Länder bezüglich Großveranstaltungen nach dem 31. August verhalten. Die Entscheidung pro oder kontra Freimarkt ist eng an diese Festlegungen geknüpft, und daher werden wir wohl erst im Sommer eine finale Entscheidung fällen können.“

Lesen Sie auch

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+